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Kult-Möbel eines Görlitzers im Museum

Kult-Möbel eines Görlitzers im Museum

Neuauflagen von Hirche-Möbeln im Schlesischen Museum zu Görlitz. Foto: Agata Wozniak, Schlesisches Museum zu Görlitz

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Herbert Hirche auf dem Dach des Bauhauses Dessau 1930-1932. Der Fotograf ist unbekannt, Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge Berlin

Görlitz. Ein aus Görlitzer stammender Designer und Architekt wird mit einer Sonderpräsentation im Schlesischen Museum zu Görlitz gewürdigt. 

Bis zum 1. März 2026 sind im Lichthof des Museums einige ikonischen Möbelstücke des Bauhausschülers und Designpioniers Herbert Hirche (1910–2002) zu sehen: Das Bücherregal DHS 10 von 1954, ein Loungesessel von 1953 und der Barwagen FAR von 1956. Diese Beispiele aus dem Schaffen Hirches machen seinen großen Einfluss auf das Design und die Wohnkultur der Bundesrepublik nachvollziehbar. Ähnliche funktionale Gestaltungen sind bis heute allgegenwärtig. Die Stuttgarter Firma Richard Lampert stellt Hirche-Möbel als Neuauflagen her und hat mit dem Möbelanbieter Smow die Präsentation im Museum ermöglicht. 

Herbert Hirche wurde 1910 in Görlitz geboren. Er absolvierte eine Lehre zum Möbel- und Bautischler in der Görlitzer Tischlerei Paul Heinze, die unter anderem für ihre Tischlerarbeiten in der Neuen Synagoge bekannt war. 1930 wechselte er ans Bauhaus in Dessau, wo er bei Josef Albers, Wassily Kandinsky, Lilly Reich und Ludwig Hilberseimer lernte. Er entwickelte erste Entwürfe für Häuser und Möbel, in denen sich bereits seine Haltung zu funktionaler, sozial orientierter Gestaltung abzeichnete. 

„In der NS-Zeit setzte Herbert Hirche seine Arbeit als Architekt fort und konnte nach 1945 in neuen, wichtigen Wirkungsbereichen eine Position finden“, heißt es interpretationsbedürftig, wobei näher erläutert wird: In Berlin war er beteiligt an der Entwicklung eines Wiederaufbaukonzepts für die stark zerstörte Stadt. Parallel dazu entwarf er Möbel für die Deutschen Werkstätten Hellerau. Von 1948 bis 1950 war er Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee.

Die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen im Ostteil Berlins führten dazu, dass er die DDR verließ. Seine Entscheidung fiel nicht zuletzt vor dem Hintergrund zunehmender ideologischer Repressionen gegen „formalistisch“ arbeitende Gestalter. Hingegen wurde Hirche in der alten Bundesrepublik zu einer zentralen Figur der gestalterischen Neuausrichtung: klare Formen, Zweckmäßigkeit und effektive Ressourcennutzung waren Anspruch und Merkmale des neuen Designs. 

Als Entwerfer für verschiedene Hersteller und vor allem innerhalb des Deutschen Werkbundes sowie als Hochschullehrer in Mannheim und Stuttgart prägte er die westdeutsche Designmoderne. Er erhielt 1982 das Bundesverdienstkreuz. Mit der Möbel-Präsentation erhält die aktuelle Ausstellung „UmBrüche 1945“ über Schlesische Künstler „zwischen Erinnerung und Neubeginn“ eine Ergänzung mit einem engem Bezug zu Görlitz.

tsk / 12.01.2026

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