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Leere Corona-Betten und Verluste

Leere Corona-Betten und Verluste

Für Corona-Patienten hält das Krankenhaus in Bautzen einen separaten Zugang zum Haus bereit. Foto: Oberlausitz-Kliniken

Bautzen. Eine Nachricht, die hoffnungsvoll stimmt, kommt dieser Tage aus dem Bautzener Krankenhaus: Dort wurden zuletzt keine zu behandelnden Corona-Infektionen mehr verzeichnet. Nachdem am 21. April ein Patient mit der Lungenkrankheit Covid-19 in stabilem Zustand entlassen werden konnte, hat es nach Angaben der Klinikleitung keine neuen stationären Aufnahmen mehr gegeben, bei denen eine Ansteckung mit dem Erreger bestand oder bestätigt wurde. Auch klinische Verdachtsfälle hätten sich als nicht infiziert erwiesen. Ein durchaus glücklicher Umstand, wenn man sich vor Augen hält, dass laut Geschäftsführer Reiner E. Rogowski nicht jeder, der ins Krankenhaus kommt, automatisch getestet wird. Husten und Atembeschwerden seien nicht das alles entscheidende Kriterium. Vielmehr hätten die Häuser in der Spreestadt und in Bischofswerda Checklisten erarbeitet, um eine Untersuchungsroutine zum Laufen zu bekommen. 

Weniger Geld fließt in die Kasse

Trotz allem seien in den zurückliegenden Wochen auch dort die Zahlen der absolvierten Virentests gestiegen. Diese wiederum stünden eng mit den Patienten in Verbindung, die aus anderen Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen oder Pflegeheimen aufgenommen wurden. Bei ihnen habe es zum Glück keine positiven Testergebnisse gegeben. Zuletzt wurde im Krankenhaus in Bischofswerda noch ein Patient aufgrund einer Covid-19-Erkrankung behandelt. Todesfälle in Verbindung mit dem Corona-Erreger habe es in keinem der beiden Häuser bislang gegeben. Dennoch, so betonte der Ärztliche Direktor der Oberlausitz-Kliniken, Dr. Ulf Winker, werde die Situation weiterhin sehr ernst genommen, auch wenn die Infektionszahlen in der Region aufgrund der öffentlichen Einschränkungen vergleichsweise recht niedrig seien. „Der Schutz der Patienten und des Personals vor einer Infektion steht an oberster Stelle. Daher muss niemand befürchten, sich im Krankenhaus mit dem Corona-Virus anzustecken. Das Risiko ist nicht höher als im Alltag.“

Unterdessen hinterlässt das Corona-Drama Spuren im Etat der Oberlausitz-Kliniken. Weil Kliniken mit Beginn der Krise dazu angehalten wurden, ausreichend Behandlungskapazitäten vorzuhalten, um Zustände wie während der ersten Erkrankungswelle in Italien möglichst zu vermeiden, stehen mittlerweile zahlreiche Intensivbetten ungenutzt da. Auch während sich hierzulande die Infektionen auf dem Höhepunkt befanden, blieb der Run auf die beiden Häuser in Bautzen und Bischofswerda weitgehend aus.

Wo im Normalfall die Auslastung zwischen 70 und 90 Prozent beträgt, liegt sie mittlerweile gerade einmal bei der Hälfte. Vor diesem Hintergrund würden der Einrichtung nun Gelder fehlen, so Reiner E. Rogowski. „Krankenhäuser in Deutschland werden für die durchgeführte Behandlung von Patienten bezahlt“, erklärte er in dem Zusammenhang. „Wenn wir nun keine Patienten behandeln, bekommen wir auch kein Geld. So einfach ist das.“ In Zahlen gefasst bedeutet das: Allein nach den ersten sechs Wochen des coronabedingten Ausnahmezustandes fehlen dem Unternehmen gute zwei Millionen Euro in der Kasse. „Nun haben wir in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und einige Liquidität“, beruhigte der Geschäftsführer. „Dennoch würden wir ohne die staatlichen Hilfen, die wir erwarten, nicht lange funktionsfähig sein.“ 

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Behandlungskapazitäten aufrechterhalten

Patienten müssten versorgt werden. Denn neben den Corona-Infizierten, die bisher lediglich in geringer Zahl stationär aufgenommen worden seien, gäbe es noch die sehr vielen anderen Patienten, die als Notfall in die Krankenhäuser in Bautzen und Bischofswerda kämen, um sich dort einer dringenden Behandlung zu unterziehen. Reiner E. Rogowski: „Mit dem Rettungsschirm für Krankenhäuser gleicht die Bundesregierung die Beträge, die wir nicht bekommen, aufgrund des notwendigen Leerstandes, weitgehend aus. Abgerechnet wird später. Dann sehen wir, ob das Geld, das wir bekommen, reicht. Jedenfalls sind wir dankbar dafür, dass der Bund hier so schnell eingesprungen ist.“

Er baut darauf, dass die inzwischen 34 eingerichteten Intensivbehandlungsmöglichen in Bautzen, die von den sieben in Bischofswerda komplettiert werden, auch wieder verstärkt für andere Behandlungsfälle genutzt werden können. Zumindest seien die Voraussetzungen jetzt idealer als noch vor der Krise. Damals standen insgesamt lediglich 23 Intensivbetten zur Verfügung – verteilt auf beide Standorte. Bei einer Auslastung von bis zu 90 Prozent waren gerade einmal zwei bis fünf unbelegt.

Deshalb, so bekräftigte es der Geschäftsführer, wollen die Oberlausitz-Kliniken die neue Ausgangsposition bis auf Weiteres behalten. Im Ernstfall ließe sich unkomplizierter vom Normalbetrieb in den Corona-Modus umschalten. Denn niemand kann derzeit vorhersagen, auch nicht in den Reihen der Landesregierung, wie die Lage im Herbst sein wird. Vonseiten des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt verlautete lediglich: „Wir hoffen, dass eine zweite Welle ausbleibt. Konkrete Strategien können erst nach Auswertung der aktuellen Welle erarbeitet werden.“ 

Appelle der Politik beherzigen

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Auch Reiner E. Rogowski hat einen Wunsch: „Für unser Unternehmen gehe ich davon aus, dass die in der Vergangenheit immer wieder geäußerte Kritik, die deutschen Krankenhäuser seien zu teuer, zu viel und teilweise auch überflüssig, stiller wird, dass die unterschiedlichen Sektoren des Gesundheitswesens besser zusammenfinden und dass wir wieder anfangen, unsere Liefer- und Produktionsketten zu europäisieren.“

Letzterer Punkt führte anfangs der Krise zu mehr Improvisation als Professionalität. Der Geschäftsführer erinnert sich: „Die Beschaffung von Schutzkleidung, die jahrelang reibungslos just in time funktionierte, stellte sich plötzlich als Problem heraus. Ähnlich war es bei der Beschaffung von Filtern und Schläuchen für Beatmungsgeräte. Gott sei Dank ist es nie zu ernsten oder gar lebensgefährdenden Situationen gekommen. Notwendige, nicht verschiebbare Operationen sind immer durchgeführt worden. Dienstpläne und Urlaubsplanungen wurden plötzlich auf den Kopf gestellt. Die allermeisten unserer Mitarbeiter haben das mitgemacht und sogar aktiv mitgestaltet.“

In Hinblick darauf warb der Klinikleiter verstärkt darum, „dass unsere Bevölkerung das Vertrauen in das Gesundheitswesen behält“. Um die Krise gemeinsam erfolgreich zu bewältigen, legte er in Anlehnung an die nicht abreißen wollenden Appelle der Politik den Menschen nochmals ans Herz: „Masken tragen, auch wenn es nicht immer gefällt, Abstand halten und Hände waschen.“ 

Roland Kaiser / 11.05.2020

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