Nachahmung 2019 nicht empfohlen: Als es Michael Kretschmer versemmelte

Die elektronischen Medien sind unerbittlich und vergessen nichts. Michael Kretschmer versemmelt kurz nach der Wiedervereinigung als Kellner einen Auftrag im Lokalfernsehen. Foto: eRTV Görlitz/Christian Wiesner
Görlitz. In Görlitz versemmelt der junge Michael Kretschmer damals noch als Stadtrat einen „Kellner-Wettbewerb“; ein großer Sanierungsscheck für die Altstadt wird übergeben.
In Laubusch berichtet ein Pfarrer über die Ankunft der ersten Russlanddeutschen aus der Ukraine. In Chemnitz geben Straßenumfragen ein realistisches Bild der Lage; Rio Reiser besingt den „Knockout Deutschland“. Im Erzgebirge kann die „Karl-Marx-Straße“ im Gemeinderat erst im zweiten Anlauf in „Kaiserstraße“ zurück benannt werden. Ein westdeutscher „Investor“ nennt die Bewohner „Ur-Einwohner“, die sich einmal entscheiden müssten. In Leipzig lehnt der Runde Tisch das Sponsoring einer Rockveranstaltung durch Coca-Cola ab.
Die Programme der lokalen Fernsehveranstalter in Sachsen enthalten bewegte und bewegende Nahbilder des Wiedervereinigungsprozesses, Kontinuitäten und Brüche von Tradition und Sozialisation, Euphorie und (allzu schnell) enttäuschte Hoffnungen. Bilder, die in keinem öffentlich-rechtlichen Fernseharchiv zu finden sind. Die Leipziger Medienwissenschaftler Judith Kretzschmar und Rüdiger Steinmetz haben einen Querschnitt aus lokalen TV-Programmen im Freistaat zusammengestellt, ordnen ein, hören zu und präsentieren ihren Querschnitt am Donnerstag, dem 10. Oktober um 17.00 Uhr in der Stadtbibliothek Görlitz in der Jochmannstraße 2-3. Die Veranstaltung wird präsentiert von der Medienwerkstatt des SAEK Görlitz.