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Nah am Bürger trotz Zentralisierung

Nah am Bürger trotz Zentralisierung

Mit den Bürgerterminals an verschiedenen Verwaltungsstandorten hatte der Landkreis – hier Landrat Bernd Lange (vorn) – schon mal einen Versuch der Modernisierung unternommen. Foto: Archiv

Der Landkreis Görlitz will seine Verwaltung modernisieren und sieht sich dabei als Vorreiter für den gesamten Freistaat Sachsen.

Landkreis. Der Landkreis Görlitz will sich als Vorreiter für die Modernisierung der Verwaltung profilieren. Unter dem Schlagwort „Verwaltung 4.0“ sollen in den kommenden Jahren zahlreiche Veränderungen und Neuerungen in den Abläufen umgesetzt werden, die die Kreisverwaltung sowohl als Dienstleister für den Bürger als auch als Arbeitgeber attraktiver machen.
„Angesichts unserer wirtschaftlichen und demographischen Situation können wir nicht abwarten, was andere machen, sondern müssen selbst vorlegen“, betonte der 1. Beigeordnete des Landrates, Thomas Gampe, bei der Vorstellung des Programmes „Verwaltung 4.0“ . Als Beispiel verwies er auf Estland, wo man „außer Heiraten, Scheidung und Hauskauf“ bereits jedes Anliegen digital erledigen könne. „So weit sind wir in Deutschland noch lange nicht, ist doch hier noch nicht einmal die digitale Kfz-Zulassung bis zur letzten Stufe realisiert“, so Gampe.

Ziel des Programms Verwaltung 4.0 ist es, die Landkreisverwaltung weiter zu verschlanken und dabei dennoch den Bürgerservice zu stärken. Der Landkreis Görlitz erhält dafür auf Grundlage eines Zuwendungsbescheids vom Dezember 2018 4,8 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen. „Das versetzt uns in die Lage, das Modernisierungsprogramm mit voller Intensität anzugehen“, freut sich der Beigeordnete. „Ohne diese Fördermittel wäre die Umsetzung im notwendigen Umfang nicht möglich.“
Doch was genau beinhaltet das Programm Verwaltung 4.0? „An erster Stelle steht die Zentralisierung der Verwaltung in Görlitz“, betont Thomas Gampe.

Das begonnene Projekt „Verwaltungscampus“ werde konsequent weitergeführt. Im Gegenzug sollen im gesamten Landkreis – zuerst in Weißwasser und Löbau, später auch in Zittau und Niesky – Bürgerbüros entstehen, wo viele der am stärksten nachgefragten Dienstleistungen vor Ort angeboten werden. Ergänzend will das Landratsamt ein Online-Bürgerportal installieren, das den Einwohnern einen Großteil der Wege „aufs Amt“ erspart.

Ein weiteres wichtiges Schlagwort lautet „E-Akte.“ „Mit ihrer Einführung haben wir bereits 2012 begonnen, die Hälfte unserer Beschäftigten arbeitet schon damit“, erklärt Thomas Gampe. Bis 2022 sollen es 80 Prozent sein.

Die digitale Verfügbarkeit aller relevanten Informationen zu einem Verwaltungsvorgang ermögliche es den damit beschäftigten Mitarbeitern, „viel häufiger vor Ort und weniger im Büro zu sein“, wie Landrat Bernd Lange ergänzt. Letzteres müssten die Angestellten und Beamten dann nur noch aufsuchen, „um Berichte zu schreiben.“ In der Konsequenz, so Lange, werde es künftig kaum noch feste Büros für die einzelnen Mitarbeiter geben. Dies ergebe sich auch aus der Notwendigkeit, die Arbeitszeiten und -orte zu flexibilisieren: „Viele Mitarbeiter stellen heute den Anspruch, von zu Hause aus oder auch mobil arbeiten zu können“, weiß Thomas Gampe. Und da auch das Landratsamt – anders als noch vor zehn Jahren – nicht mehr aus einem fast unbeschränkten Bewerberpool wählen könne, müsse man auf solche Anforderungen eingehen. „Wir müssen nicht nur für die Bürger des Landkreises, sondern auch als Arbeitgeber attraktiver werden“, fordert der Beigeordnete. „Als öffentliche Verwaltung stehen wir mit der freien Wirtschaft im Wettbewerb um die besten Köpfe.“ Insgesamt umfasst das Programm Verwaltung 4.0 28 Teilprojekte, von denen viele kaum spürbar nach außen wirken. Einen bedeutenden Aspekt stellt die IT-Strategie dar, in deren Zuge vor allem die Sicherheit der Datennetzwerke verbessert werden soll – was letzten Endes auch den Bürgern zugute kommt.

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Redaktion / 27.03.2019

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