Neuer Jugendwart startet jetzt durch...

Michael Lesch, der neue Jugendwart im Kirchenbezirk Löbau-Zittau, ist für seinen Dienst in der Kirche Strahwalde gesegnet worden. Foto: Martin Noack
Michael Lesch ist der neue Jugendwart im Kirchenbezirk Löbau-Zittau. Redakteur Steffen Linke befragte den 33-jährigen Görlitzer dazu nicht nur zu seinen Aufgaben, Zielen und Visionen.
Herr Lesch, wie sind die ersten Tage in der neuen Funktion für Sie verlaufen?
Michael Lesch: Sehr gut. Ich bin überall herzlich begrüßt worden und habe viel Offenheit erlebt. Gleichzeitig konnte ich mir Zeit nehmen, um anzukommen und vieles kennenzulernen und Fragen zu stellen. Einen schöneren Start hätte ich mir kaum vorstellen können.
Wie sind Sie eigentlich selbst in Ihrer Kinder- und Jugendzeit aufgewachsen – auch kirchlich?
Michael Lesch: Ich bin mit vier Geschwistern in einem Vorort von Leipzig aufgewachsen. Der Glaube und die Kirche gehörten in meiner Familie ganz selbstverständlich dazu.
Ich habe im Kinderchor gesungen, die Christenlehre besucht und später am Konfirmandenunterricht teilgenommen. Besonders prägend war für mich die Zeit in der Jugendgruppe nach der Konfirmation. Dort habe ich wertvolle Freundschaften geschlossen und Gemeinschaft auf einer besonderen Art und Weise erleben dürfen.
Außerdem begann ich mich zu der Zeit ehrenamtlich, besonders in der kirchlichen Jugendarbeit, zu engagieren und kirchliches Leben mitzugestalten. Diese Zeit hat mich auch maßgeblich darin geprägt, wie ich glaube und welche Rolle für mich dabei Kirche spielt.
Was bedeutet Ihnen in wenigen Worten Kirche heute?
Michael Lesch: Kirche lässt sich für mich nicht in wenigen Worten beschreiben. Einerseits sehe ich die schrecklichen Dinge, die in manchen Kirchen geschehen sind, wo Vertrauen und Macht missbraucht wurden. Andererseits erlebe ich Kirchgemeinden, die Menschen zusammenbringen, den Austausch über den Glauben fördern, Gottesbegegnung in besonderer Form ermöglichen, das Gemeinwohl stärken und einzelne Menschen bzw. Menschengruppen konkret unterstützen.
Diese Spannung prägt meinen Blick auf Kirche und motiviert mich zugleich, Kirche als einen Ort mitzugestalten, an dem Menschen gestärkt und unterstützt werden, an dem sie Gott begegnen und ihren Glauben entdecken und gestalten können.
Sie sind von Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann und Superintendent Raik Fourestier für Ihren Dienst als neuer Jugendwart im Kirchenbezirk in der Kirche Strahwalde gesegnet worden. Wie viel Kraft gibt Ihnen das – auch rein mental?
Michael Lesch: Am besten lässt sich der Segen für mich als etwas Erleichterndes und auch etwas Bestätigendes beschreiben. Bestätigend, weil sich mein Weg Schritt für Schritt so gefügt hat, dass ich nun als Jugendwart im Kirchenbezirk arbeiten darf. Erleichternd, weil mir mit dem Segen zugesprochen wurde, dass Gott mich bei meiner Arbeit begleitet. Darauf zu vertrauen, gibt mir Kraft, Ruhe und Zuversicht für die Aufgaben, die vor mir liegen.
Was werden Ihre ersten Amtshandlungen als neuer Jugendwart im Kirchenbezirk Löbau-Zittau sein?
Michael Lesch: Zu Beginn ist es mir besonders wichtig, die Region, die Jugendlichen sowie alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter kennenzulernen. Ich möchte hören und sehen, welche Ideen, Wünsche und welches Potenzial es gibt, um gemeinsam gute Jugendarbeit zu gestalten. Dabei begleitet mich die Frage, was junge Menschen hier in der Region wirklich brauchen – nicht nur in der Kirche, sondern ganz allgemein. Nur mit den Menschen zusammen kann Jugendarbeit entstehen, die zu den jungen Menschen hier passt.
Welche Aufgaben als Jugendwart des Kirchenbezirkes Löbau-Zittau warten dabei generell auf Sie?
Michael Lesch: Meine Aufgabe ist es, die Jugendarbeit im Kirchenbezirk zu begleiten, zu unterstützen und mitzugestalten, Jugendlichen Räume zu eröffnen, in denen sie Glauben gestalten, entdecken und Gott begegnen können. Das geschieht nicht allein, sondern gemeinsam mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Dazu gehören unter anderem die Planung und Durchführung von Gottesdiensten und weiteren Events, Ferienfreizeiten sowie weitere Bildungsangebote. Ein wichtiger Schwerpunkt ist außerdem die Begleitung und Unterstützung derer, die Jugendgruppen leiten oder neu aufbauen, sowie die Förderung und Stärkung des Ehrenamtes und Jugendverbandes.
Wie schwer ist es heutzutage, Kinder und Jugendliche für die Kirche zu begeistern?
Michael Lesch: Wenn man stur den verschiedenen Studien folgt, zeigt sich, dass die „Kirchlichkeit“ – was auch immer sich darunter genauer verstehen lässt – abnimmt. Doch so pauschal möchte ich dies nicht beantworten. Die Frage ist weniger, ob Jugendliche sich für Kirche begeistern lassen, sondern wofür. Kirche muss für junge Menschen relevant und erlebbar sein. Das kann sehr unterschiedliche Formen haben und muss nicht immer dem klassischen Bild entsprechen. Offenheit, Ehrlichkeit und echtes Interesse an den Lebensfragen und der Lebenswelt junger Menschen sind für mich entscheidend.
Inwieweit spielen auch finanzielle Mittel im Kinder- und Jugendbereich im Kirchenbezirk Löbau-Zittau eine Rolle?
Michael Lesch: Für gute Jugendarbeit entstehen Kosten, etwa für Materialien, Räume, Heizung, Mobilität etc. Gleichzeitig werden Förderungen zunehmend gekürzt, wodurch die einzelnen Maßnahmen teurer werden können. Beispielsweise für eine Ferienfahrt sind in den letzten Jahren die Kosten für Unterkunft, Fahrt und Verpflegung erheblich gestiegen. Das ist besonders schwierig, da viele Familien ohnehin stark belastet sind. Mir ist es wichtig, Wege zu finden, damit Jugendarbeit finanzierbar bleibt und Geld nicht darüber entscheidet, wer daran teilnehmen kann.
Welche Visionen schweben Ihnen als neuer Jugendwart im Kirchenbezirk Löbau-Zittau vor?
Michael Lesch: Ich wünsche mir Jugendarbeit als einen geschützten Raum, in dem Jugendliche sich ausprobieren dürfen, ihre Interessen entdecken, Verantwortung übernehmen und auch Fehler machen können. Es soll ein Ort sein, an dem Fragen gestellt werden dürfen und Austausch möglich ist. In der evangelischen Jugendarbeit spielt dabei auch der Glaube eine wichtige Rolle.
Christliche Werte verstehe ich als Angebot und Orientierungshilfe, die Jugendliche für sich prüfen können, wie diese ihnen bei der Lebensführung helfen. Zudem soll die evangelische Jugendarbeit Räume ermöglichen, an denen Jugendliche Glauben entdecken und gestalten und Gott individuell erleben können. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass Kirche insgesamt als ein sinnstiftender Ort wahrgenommen wird, der die Menschen in der Region unterstützt und zum Gemeinwohl beiträgt.
Wie lange geht denn so eine Amtsperiode als Jugendwart – oder soll daraus direkt ein Lebensabschnitt werden?
Michael Lesch: Die Stelle als Jugendwart ist nicht befristet und es gibt keine Empfehlung, wie lange man sie ausüben sollte. Um nachhaltig arbeiten und verlässliche Beziehungen aufbauen zu können, hoffe ich, dass daraus ein längerer Lebensabschnitt wird. Gleichzeitig ist es mir wichtig, im Blick zu behalten, wann neue Aufgaben oder Zielgruppen für mich sinnvoll sein könnten und wann auch für die Jugendlichen ein Wechsel in der Stelle gut ist.
Welche Wünsche begleiten Sie bei Ihrer Tätigkeit als neuer Jugendwart des Kirchenbezirkes Löbau-Zittau?
Michael Lesch: Ich wünsche mir gute Begegnungen, echtes Miteinander und den Mut, Dinge gemeinsam auszuprobieren. Ich wünsche mir ein gemeinsames Interesse von Kirche an den Menschen hier in der Region. Vor allem wünsche ich mir, dass sich junge Menschen durch die Arbeit gesehen, ernst genommen und gestärkt fühlen.
Ich hoffe, dass junge Menschen durch die Jugendarbeit Selbstwirksamkeit erfahren und positive Erfahrungen machen können. Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen schöne Momente erleben und es ganz allgemein eine segensreiche Zeit wird.