Neuer Kantor aus Korea: „Die Orgel ist meine Arbeit und mein Hobby“

Sharon Moon, der neue Kantor der Kirchgemeinde Kamenz-Cunnersdorf, an der Orgel der Hauptkirche St. Marien. Die Königin der Instrumente ist für ihn Beruf und Hobby zugleich. Foto: Beate Diederichs
Sharon Moon ist seit Anfang August Kantor der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Kamenz-Cunnersdorf. Am Antrittstag spielte er sein erstes Orgelkonzert in Kamenz. Der gebürtige Südkoreaner lernte bei einer Orgelfahrt im Studium die Königin der Instrumente lieben.
Kamenz. Insekten schwirren an diesem warmen Nachmittag über die Gräber um die Kamenzer Hauptkirche St. Marien. Ihr Summen mischt sich mit den Orgelklängen, die durch die Steinmauern des Gotteshauses zu hören sind. „Jakob Scholz übt für „Orgel punkt Fünf“, das wöchentliche Orgelkonzert in der Sommersaison. Ein junger Organist aus Großdubrau, der in Halle Kirchenmusik studiert“, erläutert Sharon Moon, bevor der letzte Akkord aufbrandet. Moon fungiert zwar erst seit dem 1. August als Kantor der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Kamenz-Cunnersdorf, hat sich jedoch bereits akribisch einen Überblick über die kirchenmusikalischen Aktivitäten in seinem neuen Wirkungskreis verschafft. Die Hochschule für Kirchenmusik in Halle kennt er natürlich auch. Denn er hat dort selbst studiert und bei einer Orgelfahrt die Königin der Instrumente kennen und lieben gelernt.
Aber der Reihe nach: Sharon Moon wurde 1982 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul geboren und wuchs als Pastorensohn in einer Umgebung auf, die vom Christentum geprägt und der Kirchenmusik zugeneigt war. Früh lernte der heute 44-jährige, Klavier und Geige zu spielen. Von 2001 bis 2007 studierte er in Seoul Komposition und schloss mit dem Bachelor ab. Dies dauerte so lange, weil er zwischendurch seinen Armeedienst leisten musste. Danach arbeitete er freiberuflich als Komponist und Arrangeur. „Ich wollte dann meine Kenntnisse der klassischen deutschen Musik und der Kirchenmusik vertiefen, wobei mein Schwerpunkt auf dem Dirigieren lag. Daher entschloss ich mich, nach Deutschland zu gehen.“ Damals, 2012, konnte Moon noch kein Wort Deutsch. Nach zwei Jahren Deutschkurs in Kiel, Hamburg und Berlin und umfangreicher Studienvorbereitung schrieb er sich 2014 an der Hochschule für Kirchenmusik in Halle ein. Seine Frau Rosa Lee lebte damals noch in der Heimat und folgte ihm erst ein paar Jahre später. In Halle studierte Moon zunächst Chor- und Orchesterleitung auf Master.
„Bei einer Tour nach Paris und Brüssel konnten wir Studenten uns verschiedene Orgeln anschauen. Ich fand sie faszinierend“, erinnert er sich. Moon begann, das große Instrument spielen zu lernen, und immatrikulierte sich neben seinem anderen Studiengang für den Bachelor Kirchenmusik, dem er den Master anschloss. „Zudem absolvierte ich ein Kantorenpraktikum, lernte dabei die praktische Arbeit eines Kantors kennen und merkte: Dieser Beruf passt gut zu mir.“ Gegen Ende des Studiums, das er 2021 mit dem Examen abschloss, habe er eine Anzeige gelesen, dass man in Gaußig einen Kirchenmusiker suche, erzählt er. Damit begannen fünf Jahre, die er als prägend bezeichnet. Mit seiner Frau bezog er die Kantorenwohnung vor Ort und widmete sich je zur Hälfte den Kantorenaufgaben und dem Musikunterricht am Evangelischen Schulzentrum Gaußig. An der Schule leitete er das Ganztagsangebot Chor und studierte mit den Jugendlichen Gesänge für den Gottesdienst ein. „Die Menschen in Gaußig nahmen mich sehr herzlich auf. Meine Frau und mich hat es beeindruckt, wie selbstverständlich die Religion mit ihrem Leben verbunden ist.“
Langfristig wollte sich Sharon Moon jedoch auf die Kirchenmusik konzentrieren. Daher war es ein Glücksfall, dass er beim Orgelmarathon 2022 einen ersten Kontakt zur Kamenzer Kirchgemeinde geknüpft hatte. Er kannte so den damaligen Kantor Michael Pöche.
Da dieser Ende 2025 in den Ruhestand ging, musste ein Nachfolger gefunden werden. Das reguläre Bewerbungs- und Auswahlverfahren, an dem sich auch Sharon Moon beteiligte, dauerte mehrere Monate. Als es feststand, dass er die Stelle in Kamenz bekommen würde, einigte er sich mit dem Pfarrer in Gaußig darauf, seine eigentlich unbefristete Stelle Ende Juli 2026 zu beenden. René Jurisch, Kantor einer Nachbargemeinde, hatte für die Zeit bis dahin die Dienste in Kamenz übernommen. An seinem ersten Arbeitstag intonierte Sharon Moon gleich bei „Orgel punkt Fünf“ verschiedene Stücke, unter anderem eines von Josef Rheinberger, einem romantischen Komponisten. Zu seinen persönlichen Favoriten zählen Johann Sebastian Bach und Max Reger. Als Kantor in Kamenz kümmert er sich traditionell um alles, was mit Kirchenmusik zu tun hat – begleitet die Gottesdienste, spielt Konzerte, leitet Chor, Kindergruppe, Kurrende, das Instrumentalensemble „collegium musicum“.... Ab September fährt er zudem einmal pro Woche nach Königsbrück zum dortigen Chor. Die Kamenzer Orgellandschaft bietet ihm gute Bedingungen – die er gern auch in der Freizeit nutzt: „Denn die Orgel ist für mich nicht nur Arbeit, sondern auch Hobby!“