Rolf Dvoracek - sein Vermächtnis sind die Bilder

Rolf Dvoraceks Archiv ist eine Fundgrube und ein Vermächtnis der Heimatgeschichte. Foto: Carmen Schumann
Bautzen. Am 5. März ist der Bildreporter Rolf Dvoracek im 91. Lebensjahr gestorben. Mit seinen Fotos dokumentierte er die jüngere Geschichte Bautzens über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg.
Sein erstes Pressefoto veröffentlichte Rolf Dvoracek 1957. In den darauffolgenden Jahrzehnten belichtete er mehr als 100.000 Negative. Mit seinen Bildern belieferte er lokale Presse-Organe, doch er gab auch zahlreiche Bildbände heraus und gestaltete Ausstellungen. Und noch in seinen letzten Lebensjahren, die er zurückgezogen im idyllischen Crosta, seinem Alterswohnsitz verbrachte, ging er selten ohne Kamera aus dem Haus. Er hatte sich das Gespür für den besonderen Augenblick, die besondere Lichtstimmung bewahrt.
Eine besondere Freude war für ihn im vergangenen September die Eröffnung seiner letzten Ausstellung im Museum Bautzen, in der er unter dem Titel Photo-Graphische Spitzlichter“ rund 60 seiner schönsten künstlerischen Fotografien zeigte. Einen Großteil seiner Arbeit machte jedoch die dokumentarische Fotografie aus, denn er hielt mit seiner Kamera nicht nur die bauliche Entwicklung seiner geliebten Heimatstadt Bautzen fest, sondern begleitete auch die Einwohner bei ihrer Arbeit, ihren Festen und in ihrem Alltag. So wurde er zu einem Bildchronisten der Stadt Bautzen für die zweite Hälfte des 20.Jahrhunderts. Für den Bildband „Chronik der Krone“, einem Gemeinschaftswerk von mehreren Fotografen, stellte Rolf Dvoracek seine Bilder kostenlos zur Verfügung.
Sein Vermächtnis sind die Bilder, die auch schon längst Vergessenes wieder heraufbeschwören können. Zum Glück sind viele Bilder in den Archiven aufbewahrt. Und viele Bautzener hüten seine Bildbände und Ausstellungskataloge wie einen Schatz.
Die letzte große Personalausstellung im Museum Bautzen anlässlich seines 80. Geburtstages zog Massen an und der Katalog war schnell vergriffen. Aber auch schon in früheren Jahren waren regelmäßig seine Personalausstellungen im Museum zu sehen. Doch Rolf Dvoracek war auch in den 80er Jahren Mitglied des Fotoclubs Bautzen, in der alle namhaften Fotografen aus Bautzen und Umgebung zusammenarbeiteten, Plainairs organisierten und Gemeinschaftsausstellungen zusammenstellten, an denen sich Rolf Dvoracek selbstverständlich beteiligte. Der Erfahrungsaustausch war den teilnehmenden Fotografen wichtig. Rolf Dvoracek konnte seinen jüngeren Kollegen viel von seinem Erfahrungsschatz abgeben. So gab er den Staffelstab an die nächste Fotografengeneration weiter. Wir alle werden ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.