So sieht es jetzt im Lessingmuseum aus

Zahlreiche Kamenzerinnen und Kamenzer nutzten die Gelegenheit, anlässlich des Richtfestes die nunmehr entkernten Räumlichkeiten des Lessingmuseums zu besichtigen.
Kamenz. Leer ist es zurzeit in den Räumen und Gängen des Kamenzer Lessingmuseums. Wo noch bis vor etwa einem Jahr Porträts des großen, 1729 in Kamenz geborenen Aufklärers hingen und Vitrinen Exponate zu seinem Schaffen zeigten, empfangen den Besucher kahle Wände mit schon teilweise abgehacktem Putz. Große Fenster, die bis vor kurzem noch den Blick auf den Hof und den ihn umgebenden kleinen Park freigaben, sind funktionslos geworden – erhebt sich doch vor ihnen jetzt ein neuer Gebäudeteil, der in den letzten Monaten in die Höhe gewachsen ist. „Es ist seit der Erbauung noch nie so viel Geld in das Haus geflossen“, erklärt Dr. Sylke Kaufmann, die Leiterin der Städtischen Sammlungen Kamenz, zu denen auch das Lessingmuseum gehört. Und weiter: „Wir werden im Erweiterungsbau Flächen für Sonderausstellungen bekommen, wie wir sie bisher noch nicht hatten, unter ganz neuen und viel besseren konservatorischen Bedingungen. Dadurch können wir das Haus viel attraktiver machen als bisher.“
Auch der Kamenzer Oberbürgermeister Michael Preuß freut sich über den in vollem Gange befindlichen Umbau, für den erst kürzlich das Richtfest gefeiert wurde: „Die Bedeutung eines Lessing-Museums, im Übrigen des einzigen seiner Art in Deutschland, ist nicht hoch genug anzusetzen, – nicht um eine ’durchschlagende Wirkungslosigkeit’ museal in Szene zu setzen, sondern um die Lebendigkeit und das Gebrauchtwerden dieser Persönlichkeit zu demonstrieren.“ Denn die Lessing’schen Werte der Aufklärung und Toleranz haben im aktuellen Weltgeschehen eine Bedeutung erlangt, von denen ihr geistiger Vater noch gar nichts ahnen konnte. Der Oberbürgermeister freut sich, dass für den Umbau das renommierte Dresdner Architekturbüro Peter Kulka gewonnen werden konnte, das unter anderem durch das Residenzschloss und den Landtag bekannt geworden ist.
„Schon das ursprüngliche Lessinghaus war im gewissen Sinne schnörkellos und kam damit dem Schaffen und Werk, also dem Geiste Lessing sehr nahe. Diese Überlegung hat das Architekturbüro aufgenommen. Präsentiert sich doch der Anbau in klarer Form, reduzierter Materialwahl und vor allen Dingen mit Respekt vor dem historischen Ursprung. Für mich ist das kein Bruch mit der Tradition, sondern eine behutsame Fort- und Weiterentwicklung“, so Michael Preuß. Die zukünftigen Besucherinnen und Besucher sollen sich überraschen lassen, zum Beispiel von einer Lounge mit „Lümmelsofa“, wo man – mit Blick auf den Volkspark – die Gedanken schweifen lassen kann.
„Voraussichtlich Anfang 2027“ soll das Lessingmuseum laut früheren Mitteilungen wieder eröffnet werden, wobei diese Aussage in der Zwischenzeit noch nicht weiter präzisiert worden ist. Eine große Eröffnungsausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Freien Deutschen Hochstift Frankfurt am Main vorbereitet, das unter anderem das dortige Goethe-Museum verantwortet. Und dann warten für 2029 auch schon zwei große Jubiläen: der 300. Geburtstag Gotthold Ephraim Lessings am 22. Januar sowie der 100. Jahrestag der Grundsteinlegung für das Lessinghaus. Und noch ein weiterer großer deutscher Aufklärer wurde 1729 geboren: Moses Mendelssohn, der zu Lessings persönlichem Freundeskreis zählte. „Es gibt bereits eine Arbeitsgruppe mit Kollegen von anderen Häusern, die das deutschlandweite Lessing-Mendelssohn-Jubiläumsjahr vorbereitet“, so Dr. Sylke Kaufmann. Innerhalb dieses Großereignisses soll Kamenz als Lessings Geburtsstadt eine würdige Rolle spielen. Doch auch während der Schließung bleibt Lessing in Kamenz präsent, durch Sonderausstellungen im Malzhaus und im Sakralmuseum sowie durch die bald endenden Lessing-Akzente und die „Lange Nacht der Kirchen und Museen“ am 9. Mai.

