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Spendengelder für die alten Schätze

Spendengelder für die alten Schätze

Uwe Kahl, Sachgebietsleiter des Wissenschaftlichen und Heimatgeschichtlichen Altbestandes der Christian-Weise-Bibliothek Zittau, präsentiert eine von Spenden restaurierte Zittauer Chronik aus dem 18. Jahrhundert. Foto: Steffen Linke

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Die Spendenbox füllt sich nach den Veranstaltungen mal mehr und mal weniger.

Foto: Steffen Linke

Die jährlichen Spenden aus den Veranstaltungen des Wissenschaftlichen und Heimatgeschichtlichen Altbestandes der Christian-Weise-Bibliothek Zittau ermöglichen Restaurierungsarbeiten der alten Schätze des Bestandes im vierstelligen Bereich! 

Zittau. Bei den 17 Veranstaltungen im Jahr 2026 geht es um die Geschichte und Schätze der Christian-Weise-Bibliothek, um die Geschichte Zittaus und der Oberlausitz sowie um bedeutende Persönlichkeiten unserer Heimat. Der Eintritt dazu ist frei, um Spenden wird gebeten. Das Spendenaufkommen ist abhängig von der Anzahl der Veranstaltungen, der Besucher und natürlich deren Spendenbereitschaft. Konkrete Summen möchte Diplom-Bibliothekar Uwe Kahl nicht nennen. In der Vergangenheit gab es aber schon Einzelspenden im vierstelligen Bereich. Und Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. 

In den vergangenen Jahren sind damit bereits zahlreiche wertvolle Altbestände restauriert worden, manche auch aus eigenen Mitteln, Landes- oder Bundesfördermitteln. Diese Mittel sind aber bekannterweise immer geringer geworden, sodass die Spenden immer wichtiger wurden und werden, wie Uwe Kahl betont. So konnten aus Spendengeldern 2024 eine alte handschriftliche Zittauer Stadtchronik, 2025 hand-schriftliche Briefe sowie Rechnungs- und Revisionsbücher des Waisenhauses Zittau restauriert werden, die in sehr schlechtem Zustand waren.

Zuletzt befanden sich seltene Drucke aus der Druckerlehrwerkstatt der Zittauer Handwerker- und Gewerbeschule aus den Jahren 1943 und 1944 sowie zwei Sammelbände mit wertvollen und seltenen Gelegenheitsschriften von Christian Weise in der Restaurierung. Uwe Kahl erklärt am Beispiel der Zittauer Chronik Mscr. A 128: Chronicon Zittaviense, Mitte des 18. Jahrhunderts geschrieben, wie solch ein Werk aufgearbeitet wird. „Diese Handschrift bestand nur aus losen Blättern, die stark beschädigt waren und keinen Einband mehr hatte. Wahrscheinlich war sie früher einmal gebunden gewesen, aber durch einen unbekannten Schadensfall schwer beschädigt worden. Die Blätter waren linksseitig am einstigen Heftrand total ausgefranst, teilweise fehlte der Text.

Die Handschrift konnte im Jahr 2024 von der Firma Zimelion Buchrestaurierung in Döbeln restauriert werden. Zunächst wurden die beschädigten Papierblätter auf verschiedene Weise gereinigt, teils trocken, teils nass. Danach wurden die Blätter mit flüssigem Papierbrei angefasert, sodass wieder ordentlich nutzbare Blätter daraus wurden. Diese wurden dann geheftet. Der Buchblock bekam abschließend einen neuen Einband. Nun ist die Handschrift wieder in einem ordentlichen und nutzbaren Zustand“, freut er sich. 

Der Wissenschaftliche und Heimatgeschichtliche Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek selbst geht auf die einstige Ratsbibliothek und spätere Stadtbibliothek Zittau zurück. Die Ratsbibliothek wurde 1564 erstmals schriftlich erwähnt, hat also eine mehr als 460-jährige Geschichte. Von 1709 bis zum Zweiten Weltkrieg befand sich die Stadtbibliothek im sogenannten Heffterbau. Dieser gehört jetzt zu den Städtischen Museen Zittau. Der barocke Bibliothekssaal von 1709 ist heute als Zittauer Wunderkammer zu bestaunen.

3.000 Handschriften unter 73.000 Bänden insgesamt

Im Altbestand befinden sich heute mehr als 73.000 Bände – darunter reichlich 3.000 Handschriften. Da es sich in vielen Fällen um Sammelbände mit zahlreichen Schriften handelt, ist die Anzahl der einzelnen Drucke um ein Mehrfaches höher. Die älteste Handschrift ist ein Ablassbrief zugunsten einer Kirche in Halberstadt aus dem Jahr 1223. Der älteste Druck ist das „Decretum Gratiani“, eine mittelalterliche Sammlung kirchlichen Rechts, gedruckt in Straßburg 1471. Die jüngsten Druckschriften sind von 2026, da regionale und ausgewählte historische Literatur weiterhin gesammelt wird. Die meisten Druckschriften stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die wertvollsten Bestände sind die sieben großformatigen illuminierten liturgischen Handschriften aus der Zeit von 1415 bis 1512. Der Wissenschaftliche und Heimatgeschichtliche Altbestand ist laut seinen weiteren Ausführungen das historische Gedächtnis der Stadt Zittau und der südlichen Oberlausitz. Leider sei das den meisten Menschen kaum bewusst.

Auch katalogmäßige Erschließung im Visier

Schätzungsweise dürfte etwa ein Prozent des Altbestandes restaurierungsbedürftig sein, was etwa 700 Bänden entspricht. Zum Vergleich: Von 1999 bis 2026 konnten 76 Bände restauriert werden. Es ist also noch Arbeit für Jahrzehnte, wie er betont. Uwe Kahl wünscht sich natürlich ausreichende finanzielle Mittel zur weiteren Arbeit im Altbestand, auch zur Restaurierung. Aber auch die katalogmäßige Erschließung und Nutzbarmachung des Bestandes müssten verstärkt fortgeführt werden. Dazu wäre laut seinen Auskünften vor allem mehr Personal notwendig.

Nochmals Uwe Kahl: „Ich würde mir vor allem mehr Wertschätzung von den offiziellen Stellen und mehr Interesse von den Bürgern wünschen.“ Vor allem die Zusammenarbeit mit Schulen und Einrichtungen sei ausbaufähig.

Steffen Linke / 06.09.2026

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