Achtsam sein im Straßenverkehr nach Schulbeginn

Radfahrer und Autos kommen sich auf der Straße sehr nah. Foto: Manuela Dietze
Bautzen. Nach dem Schulstart wird landesweit zu Vorsicht im Verkehr aufgerufen. Ein sicherer Schulweg für die Jüngsten liegt in der Verantwortung aller Verkehrsteilnehmer, nicht nur vor Schulen. Doch die wichtigste Grundregel im deutschen Straßenverkehr „Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme“ existiert scheinbar nur noch als § 1 auf dem Papier der StVO.
Einer Langzeitstudie der Unfallforschung des Verbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft zufolge, hat die Aggressivität im deutschen Straßenverkehr deutlich zugenommen. Es wird gedrängelt, geschimpft und genötigt. Wenn Rücksicht auf der Strecke bleibt, dann nehmen gefährliche Situationen im Straßenverkehr zu.
Ob Auto, Fahrrad oder Fußgänger, gerade scheinen viele Verkehrsteilnehmer zu glauben, im immer dichter werdenden Verkehr besondere Rechte zu haben. Sich so verhalten, dass kein Mensch geschädigt, gefährdet, behindert oder belästigt wird, das sollen doch die anderen. Viele suchen ein Ventil, bauen Stress und Hektik im Auto oder auf dem Rad ab. Die Verkehrsinfrastruktur führt zusätzlich zu Konflikten.
Zwei Beispiele aus unserer Stadt: In Bautzen gibt es viele Straßen, auf denen es eng wird. Immer mehr Radfahrer sind auf zu schmalen Radwegen oder Radfahrstreifen unterwegs. Auf der Clara-Zetkin-Straße wird die Fahrbahn durch die Fußgängerinseln besonders schmal. Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand beim Überholen beträgt zwischen Auto und Radfahrer innerorts mindestens 1,50 Meter. Maßgeblich ist dabei der Abstand von der rechten Außenkante des Autos bis zum Lenker des Rads. Ein vorschriftsmäßiges Überholen der Radfahrer ist oft ohne Benutzung des Gegenfahrstreifens nicht möglich. Das bedeutet bei Gegenverkehr für die Fahrzeugführer, hinter dem Rad zu bleiben.
Möchte man sich in Bautzen ein Bild von Aggressivität unter Autofahrern machen, dann empfiehlt sich die Seidauer Straße. Besonders interessant wird es zu den Zeiten, in denen viele Pendler die enge Einwohnerstraße für den kurzen Weg in und aus der Stadt nutzen. Da geht es unter Hupen und Schimpfen vor und zurück. Die Anwohner kennen die Stellen, an denen man anhalten sollte, um den Gegenverkehr durchzulassen. Das Wiederum hält manch anderer Autofahrer nicht für Rücksichtnahme, sondern fühlt sich ausgebremst und drängelt.
Was könnte das Verhalten der Verkehrsteilnehmer nachhaltig positiv beeinflussen? Es beginnt im Kopf jedes Einzelnen. Die Konflikte im Straßenverkehr sind ein Spiegelbild der Probleme in unserer Gesellschaft und die Lösung eine große Herausforderung. Eine kleiner Schritt wäre, dass jeder Verkehrsteilnehmer die Perspektive wechselt und seinen üblichen Weg einmal mit dem Fortbewegungsmittel der anderen zurücklegt. So gelingt es vielleicht Verkehrsteilnehmern, sich bewusst in die Situation der anderen hineinzuversetzen und mehr Rücksicht und Umsicht walten zu lassen.