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Über Werner Fink, Apotheken und Vancampin-Salbe

Über Werner Fink, Apotheken und Vancampin-Salbe

Brigitte Westphal führt die Humboldt-Apotheke seit 1998 und hat über die Geschichte der Görlitzer Apotheken viel kulturhistorisch interessantes herausgefunden. Foto: Matthias Wehnert

Görlitz. In diesem Jahr feiert die Humboldt-Apotheke am Görlitzer Demianiplatz ihren 150. Geburtstag mit mehreren kulturgeschichtlichen Programmpunkten. Inhaberin und Apothekerin Brigitte Westphal, die die Geschichte der Apotheken in Görlitz erforscht hat, wollte so am Donnerstag eigentlich eine Lesung mit Stefan Bley über Werner Fink ausrichten. Die Würdigung des Werkes des in Görlitz geborenen Schriftstellers und Kabarettisten sowie Sohn des Apothekers Botho Finck, der die Humboldt-Apotheke ein Jahrzehnt leitete, muss nun erst einmal warten. Der Ausfall ist Folge der seit Montag verschärften Corona-Vorschriften. „Einen neuen Termin werde ich rechtzeitig bekannt geben“, teilte Brigitte Westphal kurz vor Redaktionsschluss mit.

In der Chronik der Stadt Görlitz von 1870 ist zu lesen: „12. September 1870 – der Apotheker A. Welt eröffnete hier (Demianiplatz/Ecke Grüner Graben) eine neue – die vierte Apotheke in Görlitz – unter dem Namen Humboldt-Apotheke“.

Bereits 1305 wird im Stadtbuch von Görlitz erstmalig eine Apotheke erwähnt. Diese wechselte im Laufe der nächsten Jahrzehnte mehrmals den Standort und blieb bis 1829 die einzige Apotheke der Stadt: die Struve-Apotheke am Untermarkt. Nachdem am 7. Mai 1945 die gesamte Rückfront des Hauses zerstört wurde, blieb sie geschlossen. Seit einigen Jahren befindet sich im restaurierten Gebäude das „Ratscafé“.

Die historisch zweite Apotheke der Stadt war die Löwen-Apotheke auf dem Obermarkt (1830), die dritte die Adler-Apotheke am Wilhelmsplatz (1865); auch diese beiden Apotheken sind inzwischen geschlossen. Damit ist die Humboldt-Apotheke die älteste geöffnete Apotheke in der Stadt Görlitz.

Die Apotheke hat seit ihrer Eröffnung circa 15 Besitzer gehabt: von 1909 bis 1919 leitete der eingangs erwähnte Botho Finck die Humboldt-Apotheke. Dessen Sohn, der in Görlitz leider nicht seinen Verdiensten gemäß gewürdigt wird, war der berühmte Kabarettist Werner Finck, der am 2. Mai 1902 geboren wurde. Eine Kopie seiner Geburtsurkunde ist im Apotheken-Schaufenster zu sehen. 1967 fertigte er bei einem Besuch in Görlitz eine Skizze von sich selbst auf dem damaligen Briefpapier an und signierte sie – auch dies ist im Schaufenster zu betrachten. Werner Finck beschreibt seine Kindheit und Jugend in Görlitz in seiner Autobiographie „Alter Narr – was nun?“ Zu seinen Ehren hatte Brigitte Westphal am Apothekenhaus eine Gedenktafel anbringen lassen.
Andere Schaufenster berichten über die Geschichte der Apotheke, Alexander von Humboldt und die Naturforschende Gesellschaft der Oberlausitz, für die sich Westphal engagiert.

In der Zeit, als selbstgefertigte – und auch selbst ersonnene – Rezepturen noch selbstverständlich waren, wurde unter dem Apotheker Max Holfeld, der die Apotheke 1919 von seinem Schwiegervater Botho Finck übernahm, die Vancampin-Salbe weithin bekannt. Holfeld machte sie durch geschickte Werbung so populär, dass sie auf Wunsch einiger Patienten sogar nach Amerika verschickt wurde! Diese Salbe zur „Flechtenkur“ – damit ist die Behandlung der Schuppenflechte gemeint – setzte sich aus sechs Bestandteilen zusammen, die in eine Grundlage aus Bleipflastersalbe und gelber Vaseline eingearbeitet wurden. Nicht nur der wirksamste Bestandteil der Salbe – Cignolin – wird heute zuweilen noch zum selben Zweck in Salben verarbeitet.

Neben der noch nachzuholenden Lesung steht quasi als Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten eine Versteigerung alter, nicht mehr benötigter, Utensilien aus der Apotheke an, deren Erlös dem Görlitzer Tierparks zugute kommen wird. Der Görlitzer Antiquitätenhändler in der Steinstraße, Hans-Ullrich Leonhardt, wird sie durchführen.

Die Versteigerung findet – so die Corona-Epidemie dies erlauben wird – am 10. November um 18.30 Uhr im Hause der Apotheke, also am Demianiplatz 56, statt. Der Eintritt dazu, wie auch zur nachzuholenden Lesung ist kostenlos. Brigitte Westphal wird zur Durchführung der beiden Veranstaltungen über die Homepage der Apotheke Interessenten auf dem Laufenden halten. â‹ŒBW/tsk

Redaktion / 23.10.2020

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