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Vereine kommen in Rothenburg mit Betriebskosten weg

Vereine kommen in Rothenburg mit Betriebskosten weg

Bürgermeister Philipp Eichler vergleicht die Baufortschritte mit dem Plan. Foto: Till Scholtz-Knobloch

In Rothenburg steht das neu errichtete Bürgerzentrum vor seiner Vollendung. Der Niederschlesische Kurier konnte mit Bürgermeister Philipp Eichler schon einmal reinschauen.

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Katrin Perschke von der Kita Am Sonnenhügel ist auch im Spielmannszug aktiv, der schon Auftritte mit dem Männergesangverein hatte, in dem Philipp Eichler singt. Fotos: Till Scholtz-Knobloch

Rothenburg. Im zentralen Veranstaltungssaal laufen noch einzelne Arbeiten, aber die Proportionen sind klar: „Etwa 100 Stühle lassen sich hier aufstellen“, stellt Bürgermeister Philipp Eichler fest. Es sei zwar nicht erste Prämisse, aber eine Stadtratssitzung mit hoher Aufmerksamkeit könne man hier künftig auch einmal durchführen, stellt Eichler auf Nachfrage der Redaktion fest.

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Im zentralen Veranstaltungssaal kann eine Bestuhlung für ca. 100 Menschen gesetzt werden.

Denn ein ’Bürgerzentrum’, soll natürlich schon aus der Logik seines Namens zunächst mit hoher Alltagsnutzung glänzen. Dafür werden vor allem vier aktive Vereine sorgen – der Mal- und Zeichenzirkel, der Spielmannszug, der mit 40 Aktiven stimmgewaltige Männergesangverein und die Billard-Abteilung des ASV. Deren neuer Raum wird sich über eine mobile Wand sogar vergrößern lassen. Denn zunächst einmal werden alle im Neubau ihr eigenes Reich haben. Der große Mehrzweckraum ist dabei immer der Bonus und auch bestens für Veranstaltungen aller Art, ob Vorträge, Geselligkeit oder Diskussion geeignet. Dabei müsse es sich aber um öffentliche Veranstaltungen handeln, anders wäre die hohe Bezuschussung im Gesamtbauvolumen 4,328 Millionen Euro nicht möglich gewesen, so Eichler. „Feiern oder private Vermietungen sind also ausgeschlossen. Ohnehin ist die Stadt ja kein gewerblicher Betrieb.“ Dennoch habe man zunächst gar größer geplant. Aber bei zunehmend schwindenden öffentlichen Finanzen und auch im Lichte der Bauprojekte wie Oberschule oder Sport- und Mehrzweckhalle, habe man abspecken müssen – der Eindruck bleibt dennoch ’großzügig’. Erdwärme, Geothermie, Photovoltaik samt Speicher und ein hochgedämmter Baukörper sollen die Energiebilanz drücken, damit die Stadt auch laufende Kosten im Griff behält. Stolz bekundet Eichler: „Im Landkreis Görlitz hat wohl niemand bisher ein solches Konzept realisiert“.

Für die Vereine falle keine Miete an, aber sie tragen die Betriebskosten. Zufrieden ist Eichler auch über die Barrierefreiheit, denn in den Provisorien gebe es ja Treppenstufen zu bewältigen. „Vor allem die Parksituation wird sich extrem entspannen hier auf der Martin-Ulbrich-Straße“, sagt er auch mit Blick auf den zugehörigen Parkplatz, der noch im Frühjahr fertiggestellt werden soll.

„Das wird nun vom Wetter in den nächsten Tagen abhängen“, so Philipp Eichler. In der Kindertagesstätte Am Sonnenhügel gleich nebenan freut sich Katrin Perschke, die zugleich im Spielmannszug aktiv ist, über ihre künftige Doppelnutzung. Denn auch ihre Schutzbefohlenen haben über einen eigenen Verbindungsgang mit dem Bürgerzentrum künftig neue Optionen. Der Kita-Alltag zeige, wie knapp Räume sind. Bald werde die sportliche Betätigung durch das Nachbargebäude wieder gesichert sein. Proben oder Versammlungen bräuchten nicht mehr mit dem Hort abgestimmt werden. „Dann könnten wir quasi kommen und gehen, wann wir wollen“, sagt sie ebenso aus Sicht des Spielmannszuges.

Etwa 15 Aktive und bis zu 30 passive Mitglieder gebe es. „Aber der Nachwuchs fehlt. Wir brauchen Flöten, Trommeln, Lyra – alles“, so Perschke. Mit dem neuen Komfort, etwa der angeschlossenen Teeküche, kann nun schon die Probe zum Wohlfühlerlebnis werden. Die Formation, deren jüngstes Mitglied neun Jahre, das älteste über siebzig ist, verbindet musikalisch bereits alle Generationen. Perschke zählt auf: „Traditionelles Liedgut – das Oberlausitzlied, das Schlesierlied, Glück auf, Glück auf mischt sich bei uns mit Stimmungstiteln und Märschen.“ Und Kontakte zu Spielmannszügen in Komptendorf in der Niederlausitz und nach Mühlrose führen auch örtlich zu Abwechslung. Mittwochs und teils donnerstags ab 17.00 Uhr wird geprobt. „Mit dem neuen Zentrum und auch weil an Schulen der Musikunterricht ausgedünnt ist, haben wir ein tolles Angebot“, ist sich Katrin Perschke der Chance bewusst, in dieses Vakuum zu stoßen.

Bürgermeister Eichler ist bei der Aufzählung des Liedgutes hellwach, denn Männergesangverein und Spielmannszug sind nicht erst ein Mal im Duett aufgetreten. Als Nachbarn unter einem Dach hat man auch in der Feinabstimmung noch mehr Potenzial. Der nötige Raum für die Geselligkeit, die Menschen zusammenbringt, ist nun da. Das sei oft wichtiger als Technik, sind sich beide sicher.

Die Übergabe des Gebäudes ist für den 27. Februar vorgesehen. Bis April oder Mai sollen dann auch die Außenanlagen fertig werden. Erst wenn auch das Drumherum stimmig ist, soll es eine offizielle Einweihung geben. „Man muss ja verhindern, dass der halbe Acker ins Gebäude getragen wird“, stellt Eichler trocken fest. Die Stadt gibt den Vereinen dann eigene Schlüssel; das Gebäudemanagement übernimmt die Aufsicht und schafft mit anderen Objekten weitere Synergieef-fekte.

Till Scholtz-Knobloch / 24.01.2026

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