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„Vietnamesisch kann ich heute noch“

„Vietnamesisch kann ich heute noch“

Peter Sonntag an seinem einstigen Wirkungsort – dem ehemaligen Glaswerk Schwepnitz, heute ein DDR-Museum. Foto: Martin Hocher

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Mit seiner Frau unternahm er unzählige Ausflüge durchs Land. Über 300 Fotos zeugen von seinen Eindrücken. Foto: privat

Peter Sonntag baute als junger Ingenieur den Komplex „Superfestes Glas“ in Schwepnitz auf. Dabei nutzte er auch die Erfahrungen, die er zuvor als Berater im Glaswerk Haiphong in Vietnam gesammelt hatte. „Ich lernte das Land direkt nach dem Vietnamkrieg und der Wiedervereinigung kennen“, sagt der heute 74-jährige über das Abenteuer, zu dem er vor fünfzig Jahren aufbrach.

Schwepnitz. Mit 24 Jahren hatte Peter Sonntag schon einiges erreicht: ein Studium der Verfahrenschemie an der Bergakademie Freiberg mit dem Diplom abgeschlossen und eine Stelle als Laborleiter im Glaswerk Schwepnitz angetreten, bei der er viel Verantwortung für die chemischen Betriebsabläufe trug. Vor kurzem hatte er zudem geheiratet. Dennoch war er sofort Feuer und Flamme, als ein Chemiker gesucht wurde, der für eine gewisse Zeit Fachberater im Glaswerk Haiphong werden wollte. „Das war damals eines der wichtigsten Solidaritätsprojekte der DDR in Vietnam“, sagt der Königsbrücker. Der Vertrag sollte über ein Jahr laufen, mit Verlängerungsoption über sechs Monate. „Somit wusste ich: 

Beim Urlaub nach einem halben Jahr konnte ich meine Frau Bärbel nachholen.“ Nach bangem Warten, wie er es nennt, kam die Zulassung. Im April 1976 flog Peter Sonntag in der IL 18 auf der längsten Route der Interflug, der Fluggesellschaft der DDR, von Berlin über Moskau, Taschkent, Karachi und Dhaka bis nach Hanoi. Somit passierte er auch Stationen außerhalb der sozialistischen Länder, was damals nicht selbstverständlich war. 

Vor Ort stand Sonntag den vietnamesischen Mitarbeitern mit seinen Fachkenntnissen zur Seite. Das Werk in Haiphong stellte Pressglas und Glasbehälter her. „Ich war für die Gemengetechnologie, die Laboranalysen und die Lieferlogistik verantwortlich. Ein Teil des Materials war mir vertraut, kam es doch aus der DDR“, berichtet er. Sonntag verständigte sich zunächst mit Hilfe eines Fachdolmetschers. Als der ausfiel, lernte er selbst etwas Vietnamesisch.

„Noch heute beherrsche ich es recht gut und kann mit den vietnamesischen Ladenbetreibern in meiner Stadt in ihrer Sprache reden.“ Vom Lebensstandard Mitte der 70-er Jahre in der DDR war das asiatische Land damals meilenweit entfernt – und der Alltag erschwerte sich zusätzlich durch das feuchtwarme Klima. Sonntags wohnten in einem Hotel ohne Klimaanlage, wo auch nachts manchmal über 30 Grad herrschten. 

Über die Zimmerdecke liefen oft Geckos. Viele Speisen mussten vor dem Genuss abgekocht werden. Aus dem Brot wollten zunächst die Ameisen herausgelesen werden. „Wenn Konserven aus Berlin da waren, haben wir uns daher immer gefreut.“ Kein Wunder, dass zu der Zeit, als das Ehepaar in Vietnam weilte, Infektionskrankheiten wie Cholera, Pest oder die Japanische Kopfgrippe ausbrachen. Ein Taifun beschädigte zudem das Hotel. 

Peter Sonntag erinnert sich trotz dieser Widrigkeiten gerne an diese spannende Zeit. Mit seiner Frau unternahm er unzählige Ausflüge durchs Land. Über 300 Fotos zeugen von seinen Eindrücken. „Ich lernte Vietnam und seine Bevölkerung direkt nach dem Krieg und der Wiedervereinigung kennen und sah dort schlimme Armut.“ Vor allem im Werk musste sich der junge Deutsche damit auseinandersetzen, dass die Vietnamesen doch anders „ticken“. Solche Erfahrungen nützten ihm im späteren Berufsleben sehr. Auch finanziell war der Auslandsaufenthalt lukrativ: Sonntags Gehalt in der DDR lief weiter. Außerdem zahlte man ihm eine Auslöse vor Ort und die Flugtickets. 

Nach seiner Rückkehr baute der Ingenieur den Komplex „Superfestes Glas“ in Schwepnitz auf. Von diesem Glas, das bis zu 15-mal haltbarer ist als herkömmliches, verkaufte man bis 1990 rund 120 Millionen Exemplare. Später kümmerte er sich unter anderem darum, dass mehrere lokale Produktionsstätten von Heizöl auf Stadtgas umgerüstet wurden, war Technischer Direktor, Werkleiter und Geschäftsführer. Seit 27 Jahren sitzt er für die CDU im Königsbrücker Stadtrat. Seit 30 Jahren leitet er den Königsbrücker Heimatverein. Doch die Vietnam-Zeit ist für ihn allgegenwärtig, auch wenn sie fünfzig Jahre zurückliegt. Davon zeugt auch die Freundschaftsmedaille des Landes, die der Ministerpräsident ihm damals für seine Verdienste überreichte. Auf diese ist Peter Sonntag immer noch sehr stolz. 

Beate Diederichs / 21.06.2026

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