Vor dem Auftakt steigt die Spannung

Der FSV 1990 Neusalza-Spremberg möchte als Aufsteiger in die Landesliga Sachsen die Spielklasse halten. Foto: Verein
Der FSV 1990 Neusalza-Spremberg hat zum Auftakt der Saison im Sachsenpokal am Wochenende 8. und 9. August ein Freilos erwischt. Unser Redakteur Steffen Linke befragte Teammanager Georg Schröer kurz vor dem Saisonstart in der Landesliga Sachsen zur sportlichen Situation im Verein.

Die Fans bedankten sich zum Abschied bei Marius Riedel für die vielen Tore im Trikot des FSV 1990 Neusalza-Spremberg. Foto: Verein
Herr Schröer, wäre Ihnen denn eine Woche vor dem Startschuss in die Meisterschaft eine echte sportliche Standortbestimmung im Pokal vielleicht lieber gewesen?
Georg Schröer: Da wir die erste Pokalrunde immer auch noch als Testspiel ansehen, ist es nicht ärgerlich, dass wir ein Freilos erwischt haben. So können wir am Samstag, 8. August, ein Testspiel beim Hoyerswerdaer FC bestreiten. Da die Spiele in der Landesklasse Ost gegen Hoyerswerda immer eng umkämpft waren, wird dieser Test zugleich noch einmal eine Standortbestimmung, zumal die Mannschaft von HFC-Trainer Stefan Hoßmang immer mit einer hohen taktischen Disziplin spielt und eine gute Intensität an den Tag legt. Anstoß im Hoyerswerdaer Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion ist um 16.00 Uhr.
Wie wichtig ist dem Verein der Pokal?
Georg Schröer: Den sächsischen Landespokal kann man von zwei Seiten betrachten. Zum einen sind bei Auswärtsspielen in den ersten Runden hohe Ausgaben und weite Fahrtstrecken zusätzlich zum Ligaalltag notwendig.
Zum anderen hofft natürlich jeder Verein auch einmal auf ein großes Los wie den FC Erzgebirge Aue, den FSV Zwickau, 1. FC Lok Leipzig oder die BSG Chemie Leipzig.
Wir hatten aber wir bisher nie Losglück. Als kleiner Verein auf Landesebene besteht eigentlich nie die realistische Chance, diesen Pokalwettbewerb zu gewinnen.
Mein Vorschlag wäre, dass jede Liga einen Ligapokal ausspielt. So hat jede Mannschaft eine gute Möglichkeit, einen Pokal zu gewinnen.
Der Wettbewerb geht ja nur über maximal vier Runden – vom Achtelfinale bis zum Endspiel. Die Sieger der Ligapokale spielen anschließend gemeinsam mit den sächsischen Regional- und Oberligisten den Landespokal Sachsen aus. Dieses Modell könnte auch auf Kreisebene angewendet werden
Blicken wir kurz zurück: Der FSV 1990 Neusalza-Spremberg ist mit einer überragenden Saison in die Landesliga Sachsen aufgestiegen. Wie lange hallt eigentlich so ein Erfolg noch nach?
Georg Schröer: In der Hinrunde hatten wir schon so unsere Probleme, doch die Rückrunde war wirklich überragend. 43 von möglichen 45 Punkten zu holen, ist eine außergewöhnliche Leistung. Da müssen wir der Mannschaft schon ein großes Lob zollen, wie akribisch alle an diesem Erfolg gearbeitet haben – auf und neben dem Platz. Davon zehrt die Mannschaft natürlich auch jetzt noch. Kaufen können wir uns davon allerdings schon am 1. Spieltag der neuen Saison nichts mehr, denn dann geht alles wieder bei Null los.
Wie viel Liter Bier sind denn nach dem letzten Punktspiel bei der Meisterfeier von den durstigen Fußballfans „vertilgt“ worden?
Georg Schröer: Den Aufstieg haben wir eigentlich zweimal gefeiert. Zunächst im Heimspiel gegen den SV Aufbau Deutschbaselitz mit einem 2:0-Sieg am fünftletzten Spieltag und am letzten Spieltag mit einem klaren 4:0-Erfolg im Derby gegen den FSV Oderwitz 02. Bier ist bei Fans und Spielern reichlich geflossen, das kann ich versichern. Aber in welchen genauen Mengen kann ich nicht sagen. Da habe selbst ich den Überblick verloren (lacht).
Jetzt geht es in der Landesliga Sachsen, eine Spielklasse höher, mit anderen Vorzeichen los. Es geht sicher darum, die Spielklasse zu halten. Wie stellt sich die Mannschaft darauf ein – auch vom spielerischen Stil her?
Georg Schröer: Genau, oberste Priorität wird der Klassenerhalt haben. Wir werden sicher auch unseren Stil, Fußball zu spielen, umstellen müssen. In der Landesklasse Ost haben wir viel Ballbesitzfußball gespielt. Das wird in der neuen Spielklasse sicher nicht mehr der Fall sein. Dort sind alle Gegner auf unserem Niveau oder sogar besser. Hier heißt es erst einmal, über eine gewisse Kompaktheit sicher zu stehen und dann über das Umschaltspiel zum Erfolg zu kommen. Aber auch hier wird sich das von Spiel zu Spiel ändern. Jeder Gegner ist anders. Da wird sich unser langjähriger Trainer André Kohlschütter schon etwas einfallen lassen.
Inwieweit sind aus Sicht des Vereins in der Landesliga Sachsen generell sportliche, wirtschaftliche und strukturelle Aspekte geprüft worden?
Georg Schröer: Sportlich war seit dem Abstieg 2022 schnell klar, dass wir wieder zurück in die Landesliga Sachsen wollen. Darauf haben Vorstand, Trainerstab, Mannschaft, Helfer und Hauptsponsor ALL-INKL.COM hingearbeitet. Da gebührt auch unserem langjährigen und treuen Hauptsponsor ein großes Dankeschön. Ohne diese Unterstützung wäre vieles nicht möglich. Dass sich René Münnich mit seinem Unternehmen so stark für den Verein, die Stadt und unsere Region macht, ist herausragend. Da wir bereits auf Landesebene gespielt haben, ist der strukturelle Umbruch nicht allzu groß. Zu den Voraussetzungen auf Landesebene zählen das Schiedsrichtersoll, das Juniorensoll, die Trainingsbedingungen sowie die entsprechenden Lizenzen des Cheftrainers. All das haben wir schon in der Vorsaison erfüllen müssen und auch hinbekommen. Für unseren kleinen Verein ist dies natürlich immer wieder eine Herausforderung.
Wie sind Sie mit der bisherigen Vorbereitung zufrieden? Und auf was wurde besonders wert gelegt?
Georg Schröer: In den ersten Wochen musste sich die neue Mannschaft erst einmal finden. Neue Spieler mussten und müssen noch immer integriert werden. Das Testspiel beim tschechischen FC Pencín haben wir mit 3:2 gewonnen, das Testspiel beim polnischen Klub MKS Granica Bogatynia hingegen mit demselben Ergebnis verloren.
Den heimischen Derby-Cup konnten wir gewinnen, aber auch dort gab es im Turnierverlauf Licht und Schatten. Zudem haben wir in den ersten Wochen einige Spieler getestet. Es ist sozusagen wie immer ein Spagat zwischen Ausprobieren und Einspielen. Das kennen wir aber bereits aus der Vergangenheit.
Welche Zielstellung ruft denn der Verein in der Landesliga Sachsen ganz konkret aus?
Georg Schröer: Wir wollen mindestens die Klasse halten. Das ist, wie bereits schon erwähnt, das oberste Ziel. Wenn es dann eventuell mit einem einstelligen Tabellenplatz klappen sollte, wäre das überragend. In diesem Starterfeld müssen wir aber als Rückkehrer und Aufsteiger auch die Kirche im Dorf lassen.
Welche Veränderungen gab es im Kader?
Georg Schröer: Abgänge gab es sieben und Zugänge bisher ebenfalls sieben. Auf der Abgangsseite schmerzte besonders der Verlust von Torjäger Marius Riedel, der mit 34 Saisontoren einen großen Anteil am Aufstieg hatte. Er hat mit 30 Jahren seine Karriere beendet, um sich privaten und beruflichen Dingen zu widmen. Das hat er offen und ehrlich schon frühzeitig bekanntgegeben. Er hat bei uns sein Soll erfüllt, würde man sagen. Zudem verlassen uns die beiden tschechischen Leistungsträger Andreas Wanacki und Jan Hybner, beide gehen zum Seer Wölfe FC. Ebenfalls nicht mehr dabei ist Felix Julius, der zum Post SV Dresden in die Landesklasse Ost zurückkehrt, um mehr Spielpraxis zu sammeln. Sebastian Fularz spielt künftig für den polnischen Klub MKS Granica Bogatynia. Auch er war einige Jahre fester Bestandteil der Stammmannschaft und möchte nun noch einmal mit seinen Freunden in der Heimat Fußball spielen. Alle Abgänge sind 30 Jahre oder älter. Zudem gehen zwei ganz junge Fußballer den Weg in die Kreisoberliga. Maximilian Hettler wechselt zum VfB Zittau und Laurin Egea-Gimenez zur TSG Lawalde. Beide kamen vor der Saison von den Landesliga-A-Junioren des FC Oberlausitz Neugersdorf und haben den Sprung zum Stammspieler nicht geschafft. Mit ihren Qualitäten werden sie aber sicherlich über kurz oder lang wieder auf Landesebene auftauchen. Zwei Neuzugänge konnten wir vom künftigen Ligakonkurrenten FC Oberlausitz Neugersdorf an den Hänscheberg holen. Mit Tim Krutoff und Paul Körner kommen zwei Spieler im besten Fußballeralter zu uns, die reichlich Landesligaerfahrung mitbringen. Außerdem kennen beide den FSV 1990 Neusalza-Spremberg aus vergangenen Zeiten bestens. Zudem sollten Till Scholz und Oliver Kahle vom FSV Oderwitz 02 eine Belebung für unsere Mannschaft darstellen. Mit Lukas Ribling haben wir vom SC Großschweidnitz-Löbau einen weiteren Torhüter verpflichtet. Mit Bruno Koksch kommt ein ganz junger Spieler von den A-Junioren des FSV Budissa Bautzen. Zum Schluss haben wir uns für Stürmer Tobias Svoboda vom SK Stap Vilémov entschieden. Der junge und kantige Stürmer soll mithelfen, die große Lücke zu schließen, die Marius Riedel hinterlassen hat. Diese Last soll jedoch nicht allein auf seinen Schultern lasten, sondern auf den gesamten Offensivbereich verteilt werden.
Wie wichtig wird gleich der Auftakt für die Mannschaft am Sonntag, 16. August, um 15.00 Uhr, gegen Oberligaabsteiger Bischofswerdaer FV 08 und am Samstag, 22. August, um 14.00 Uhr, bei der BSG Stahl Riesa sein?
Georg Schröer: Je näher der 1. Spieltag rückt, desto mehr steigt natürlich die Spannung. Mit dem Bischofswerdaer FV 08 treffen wir gleich auf den Oberligaabsteiger, der einen kompletten Umbruch vollzieht und rund 20 Spieler ausgetauscht hat. Daher wartet auf uns eine große Unbekannte, die wir derzeit noch gar nicht einschätzen können. Aber gleich mit einem Oberlausitz-Derby zu starten, ist natürlich noch viel aufregender. Und die Aufgaben werden mit dem zweiten Spieltag bei der BSG Stahl Riesa nicht leichter. Zum Auftakt warten also gleich zwei großartige Vereine mit einer tollen Fußballtradition auf uns.
Wie sehr freuen Sie sich eigentlich auf das direkte Nachbarschaftsduell am Sonntag, 15. November, um 14.00 Uhr, zu Hause gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf?
Georg Schröer: Auch auf die Derbys gegen den FC Oberlausitz Neugersdorf freuen wir uns sehr. Zumal gleich acht Spieler aus unserem Landesligakader eine Neugersdorfer Vergangenheit aufweisen. Motivieren brauchen wir da auf unserer Seite sicherlich niemanden. Das gilt natürlich auch für die Neugersdorfer, die selbst vier ehemalige Neusalzaer in ihren Reihen haben. Auf alle Fälle werden das zwei ganz spannende Duelle mit vielen Emotionen und jeder Menge Brisanz. Dennoch wollen und werden sich beide Mannschaften mit dem nötigen Respekt begegnen, dafür kennen wir uns gegenseitig einfach zu gut.
Welche Wünsche begleiten Sie für die Meisterschaft?
Georg Schröer: In allererster Linie wünsche ich mir, dass alle Beteiligten gesund bleiben und Spaß sowie Freude an unserem allerliebsten Hobby haben. Das sollte immer im Vordergrund stehen. Gleich danach steht natürlich auch der sportliche Erfolg, den wir selbstverständlich erreichen wollen. Zudem hoffe ich, dass auch unsere 2. Männermannschaft als ebenfalls frisch gebackener Aufsteiger in die Kreisoberliga die Klasse in der neuen Liga halten kann.
Diese Mannschaft ist für uns im Verein ebenfalls wichtig – als Unterbau für die Landesligamannschaft und als Mittelpunkt des Vereinslebens. Viele andere Vereine in der Region würden sich eine eigenständige zweite Mannschaft wünschen. Daher sind wir auch auf diese Truppe sehr stolz und wissen es zu schätzen, ein solches Team im Verein zu haben.
Abschließende Frage, wie stellt sich der Verein eigentlich im Nachwuchs auf?
Georg Schröer: Im Juniorenbereich sind wir auf einem guten Weg, ernten erste Erfolge und wollen diesen Weg konsequent weitergehen.Besonders die Akquise und Ausbildung neuer Juniorentrainer hat zuletzt sehr gut funktioniert.
Unsere Juniorentrainer leisten hervorragende Arbeit, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich trainiere selbst noch die Bambinis im Verein, da meine beiden Kinder ebenfalls aktiv Fußball spielen und die Vereinsfarben so schon früh im Leben verinnerlichen. Von den C-Junioren bis hinunter zu den Bambinis haben wir inzwischen alle Mannschaften besetzt.