„Was bleibt, sind schöne Erinnerungen“

Silvia Berger ersetzte die temperamentvollen Ponys durch friedfertige Alpakas – optimal für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung.

Zu Braunbär Balu hat Silvia Berger eine besondere Beziehung – er kam zur Welt, als sie Tierparkleiterin wurde.
Bischofswerda. Im Bischofswerdaer Tierpark geht eine Ära zu Ende: Nach 34 Jahren, davon 25 Jahre als Leiterin, verabschiedet sich Silvia Berger in den Ruhestand. Am 24. März ist ihr letzter Arbeitstag in der Einrichtung, die sie über mehr als drei Jahrzehnte mit geprägt hat. Der Oberlausitzer Kurier hat sich aus diesem Anlass zum Interview mit Silvia Berger getroffen.
Frau Berger, wie sind Sie zum Tierpark gekommen, und wie war Ihr vorheriger Werdegang?
Tiere waren schon immer meine Leidenschaft. Ich habe in der Landwirtschaft gelernt und gearbeitet und auch privat Tiere gehalten. Durch die Zucht von Ziergeflügel kam ich in den Tierpark. Ich bot Herrn Nützsche, dem damaligen Tierparkleiter, meine Jungtiere an, worüber er sich sehr freute. Als die LPG mit der Wende aufgelöst wurde, mussten viele kleine Ställe schließen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich im Tierpark beworben. Herr Nützsche konnte sich an mich erinnern; vielleicht war das entscheidend dafür, dass ich die Stelle antreten konnte.
Was hat sich geändert, als 2001 die Lebenshilfe den Tierpark übernahm, und welche Änderungen haben Sie selber vorangetrieben?
Mit der Trägerschaft der Lebenshilfe ist für den Tierpark eine gewinnbringende Aufgabe hinzugekommen. Er wurde zu einer kulturellen und sozialen Einrichtung, in der Inklusion täglich gelebt wird: Menschen mit und ohne Behinderung gestalten gemeinsam den Arbeitsalltag im Tierpark. Insgesamt stehen zwölf anspruchsvolle Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zur Verfügung. Meine Aufgaben umfassten unter anderem die Unterstützung bei der Einarbeitung der Mitarbeitenden unter Berücksichtigung ihrer Interessen, ...
... der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften, dem Erstellen von Hilfsmitteln sowie dem Kontakt mit der Werkstatt. Für die temperamentvollen Ponys kamen die ruhigen Alpakas – inzwischen können unsere Mitarbeitenden der Lebenshilfe selbstständig Trekkingtouren mit den Alpakas durchführen.

Silvia Berger will ihrer Nachfolgerin Yvonne Beier Raum zur Entfaltung eigener Ideen lassen. Foto: Regina Berger
Was waren die wichtigsten Neuerungen in den letzten zehn Jahren?
Wir arbeiten schon seit 2002 an dem Konzept „Mit Bär und Co. im kleinsten Zoo“. Da gab es jedes Jahr Änderungen, wobei die großen Baumaßnahmen alle vor den zehn Jahren waren: Das Bärengehege, das Begegnungszentrum im Eingangsbereich … In den letzten zehn Jahren gab es unter anderem Neuerungen bei den Totenkopfäffchen; wir haben die Außenanlagen neu gestaltet und eine Quarantänestation gebaut. Wir haben eine Voliere – die Südamerika-Anlage – gebaut. Und mein schönstes Projekt in den letzten Jahren war die neue Schildkröten-Anlage mit Murmelbahn, in der sich die Tiere sehr wohl fühlen und von der die Besucher begeistert sind.
Worauf haben Sie, vielleicht auch im Vergleich zu anderen kleinen Tierparks, immer besonders großen Wert gelegt?
Mir war es immer ein besonderes Anliegen, ein einzigartiges Konzept zu entwickeln, das es in keinem anderen Tierpark gibt.
Nur durch die Trägerschaft der Lebenshilfe ist uns das so hervorragend gelungen. Besonders wichtig war mir, dass der Tierpark stets gepflegt und liebevoll gestaltet ist. Damit die Besucherinnen und Besucher länger im Park verweilen, haben wir zahlreiche Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen und für Erwachsene zahlreiche Bänke aufgestellt. Die Futterkisten ermöglichen den Besuchern einen engen Tierkontakt.
Was sehen Sie als Ihren größten Erfolg an, und was hat möglicherwiese nicht ganz so gut geklappt?
Zu letzterer Frage fällt mir spontan nichts ein. Sicher hätte man manches anders machen können und es passieren auch Fehler, das ist ganz klar. Die Erfolge sind nur zustande gekommen, weil wir ein gutes Netzwerk haben. Wir arbeiten mit vielen Partnern zusammen, ohne deren Hilfe vieles nicht machbar gewesen wäre. Besonders hervorheben möchte ich den Tierpark-Förderverein, der uns seit 1996 unterstützt, bei Veranstaltungen hilft und auch finanzielle Unterstützung leistet. Und ganz wichtig für uns ist auch das Naturschutzzentrum Neukirch, ohne das wir die Zooschule nicht hätten aufbauen können.
Haben Sie ein Lieblingstier, und wenn ja welches Tier ist das und warum?
Mir sind in den vielen Jahren alle Tiere ans Herz gewachsen. Es gibt zu jedem Tier eine Geschichte, und ich möchte keins hervorheben. Der Balu, unser Braunbär, kam zu der Zeit auf die Welt, als ich Tierparkleiterin wurde. Deshalb habe ich zu ihm eine besondere Verbindung. Er hat mich die ganze Zeit begleitet, ist älter geworden – so wie ich auch. Er hat den Ausschlag für das Konzept „Mit Bär und Co. im kleinsten Zoo“ gegeben.
Bleiben Sie dem Tierpark auch im Ruhestand erhalten?
Ich werde dem Tierpark aus der Ferne treu bleiben – mit schönen Erinnerungen und Erfahrungen – menschlich wie tierisch. Die neue Leitung des Tierparks soll Raum zur eigenen Gestaltung erhalten. Ich möchte das Team durch meine Anwesenheit nicht verunsichern. Abstand hilft mir außerdem beim Loslassen! Ich wohne mit meiner Familie auf einem großen Hof mit Tieren. Sie werden sich freuen, wenn ich endlich mal mehr Zeit habe. Wichtig ist, gesund zu bleiben! Dann kann ich auch meine Pläne umsetzen. Langeweile wird bestimmt nicht aufkommen.“
Eine Nachfolgerin ist schon gefunden – Yvonne Beier, die auch schon seit vielen Jahren im Tierpark arbeitet, wird diesen künftig leiten. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.
