„Die Leute sollen mit einem Lächeln hier rausgehen“

Der Kostümfundus Bischofswerda e.V. ist breit aufgestellt Foto: Verein
Vor drei Jahren zog der Bischofswerdaer Kostümfundus e. V. von der Innenstadt auf die Belmsdorfer Straße. „Wir hatten Bedenken, ob der neue Standort angenommen wird. Aber es kommen mehr Leute als vorher“, sagt der Vorstandsvorsitzende Kenny Jäckel. Neben dem Fundus betreibt der Verein „Bischofswerdas kleinstes Kino“ und richtet die „Mitternachtsspitzen“ aus.
Bischofswerda. Wo einst Bier und Limo verkauft wurden, hängen nun Kleidungsstücke auf den Stangen. Fast 4.000 müssten es sein, schätzt Kenny Jäckel: Faschingskostüme, Ballkleider, Folkloregewänder, Dirndl, Lederhosen. Dazu Accessoires: Hüte, Handschuhe, antike Spielzeugwaffen. Das rund 120 Quadratmeter große Ladenlokal auf der Belmsdorfer Straße 26 in Bischofswerda ist ideal für den Bischofswerdaer Kostümfundus e.V. Nach dem Einzug 2023 richteten die Vereinsmitglieder es her: Im größten Teil fanden, nach Themen geordnet, die Kostüme ihren Platz. Einen kleineren Teil trennte man ab und stattete ihn mit einfachen Mitteln für „Bischofswerdas kleinstes Kino“ aus. „Wir bauten darin zum Beispiel ein Podest aus Europaletten für die Sitzreihen“, erzählt Kenny Jäckel, der Vorstandsvorsitzende. Der Lehrer für Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde mit einem Faible für IT hat auch ein System entworfen, um die Kleidungsstücke zu ordnen, ähnlich dem digitalen Katalog in Bibliotheken: Jedes Kostüm trägt ein Etikett mit Barcode. Scannt man ihn, erscheinen alle wichtigen Infos dazu, wie der Preis – der im Vergleich zu dem kommerzieller Kostümverleihe moderat ist. Derzeit richtet der Verein die benachbarte ehemalige Bäckerei her. „Dort lagern wir Stücke ein, die nur saisonal nachgefragt sind.“
Der Fundus hat schon eine Odyssee durch Bischofswerda hinter sich. „In den 1990-ern baute ihn die Stadt auf, um Feste und Umzüge mit diesen Stücken auszustatten“, erinnert sich Jäckel. Drei Schneiderinnen fertigten damals die Kostüme. Später sollte die Sammlung, die im ehemaligen Sporthotel untergebracht war, wegen der städtischen Haushaltskonsolidierung verkauft werden. Kenny Jäckel hatte als Mitglied des Karnevalsclubs oft Teile aus der Kollektion ausgeliehen und entschloss sich, diesen Schatz für die Stadt zu bewahren. Da dies die Möglichkeiten seines Clubs überstieg, gründete er dafür mit einer Handvoll Gleichgesinnter 2015 einen eigenen Verein. Zunächst sichtete man die damals rund 2.000 Teile, sortierte kaputte und wenig genutzte Stücke aus und legte fest, welche man neu anschaffen wollte. „Wir hatten zum Beispiel zu viele Mittelalterkostüme. Dagegen fehlten Dirndl und Lederhosen. Von denen haben wir nun dreißig bis vierzig Stück, die im Frühherbst oft alle ausgeliehen sind.“ Ein Jahr blieb der Fundus noch im Sporthotel. In dieser Zeit warben die Mitglieder gezielt für das Angebot. So kamen zunehmend Interessenten auch von außerhalb, um Kostüme für Faschingsfeiern, Umzüge, Bälle oder Feste zu entleihen. 2016 zog man aufgrund des schlechten baulichen Zustands des Hotels in eine ehemalige Videothek im Stadtzentrum. „Ich als Filmfan freute mich besonders, das voll ausgestattete private Kino im Keller mit nutzen zu können“, berichtet Kenny Jäckel. Da die Räume unter der Erde aber unter Feuchtigkeit litten und man sich vergrößern wollte, suchte der Verein Anfang der 2020-er Jahre erneut nach einer neuen Bleibe. Bedingung: Sie musste mit den Einkünften aus Kostümverleih und Kinovermietung finanzierbar sein. „Auf den Tipp einer Vereinskollegin hin fanden wir die Räume im „Sonnenhof“. Ein Glücksfall!
Seit 2023 betreibt der Verein hier den Fundus und das Kino und organisiert die Kulturveranstaltung „Mitternachtsspitzen“. Die 16 Mitglieder zwischen 16 und 73 – unter anderem eine Stadtführerin, eine Rentnerin, eine Unternehmerin und ein Ingenieur – eint, dass sie Begeisterung für das Kulturgut Bischofswerdas vermitteln möchten.
„Daher freuen wir uns über jeden, der hier mit einem Lächeln rausgeht.“ Bedenken, dass der neue Standort außerhalb des Zentrums schlecht angenommen würde, haben sich als unbegründet erwiesen. „Es kommen mehr Leute als vorher. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass wir jetzt einen kostenlosen Parkplatz vor der Haustür haben.“ Mitte April habe bereits die hundertste Kundin dieses Jahres ein Kostüm ausgeliehen.
Kenny Jäckel rechnet damit, dass die Mitglieder auch in den kommenden Wochen zu den Öffnungszeiten genug zu tun haben. Denn die Zeit der Mottowochen in den Schulen, der Abschlussbälle und der Volksfeste fängt erst an.