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Weniger Amphibien als sonst wandern

Weniger Amphibien als sonst wandern

Moorfrosch im Biosphärenreservat Foto: Sonja Haase

Förstgen. In der Niederschlesischen Oberlausitz hat die Amphibienwanderung bereits begonnen – und sie bringt in diesem Jahr auch ein kleines Naturschauspiel mit sich: Die seltenen Moorfrösche zeigen derzeit ihre auffällige Blaufärbung zur Paarungszeit. Darauf weist Annett Hertweck, Leiterin der Naturschutzstation Förstgen hin und lädt ein, die Arbeit der Station vor Ort kennenzulernen. Wer früh aufsteht, kann ab 7.00 Uhr die Kontrolle der Amphibienschutzzäune begleiten, eine vorherige Abstimmung ist jedoch erforderlich.

Die Naturschutzstation betreut derzeit rund 21,4 Kilometer Amphibienschutzzäune in den Landkreisen Görlitz und Bautzen sowie im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Schwerpunkte liegen unter anderem bei Horscha/Niesky, Reichwalde, Salga oder Trebus sowie im Biosphärenreservat etwa in Kaschel, Kreba, Tauer oder an der Guttauer Tongrube. Die Zäune dienen dazu, wandernde Tiere vor dem Straßentod zu bewahren. Sie werden täglich kontrolliert. „In den Fangeimern wurden bislang bereits verschiedene Arten registriert, darunter Teichmolch, Kammolch, Rotbauchunke, Erdkröte, Teichfrosch und Knoblauchkröte. Rund 7.000 Tiere konnten so schon erfasst werden – im Vergleich zu etwa 30.600 im vergangenen Jahr zeigt sich jedoch, dass die Saison noch am Anfang steht“, so Hertweck. Langfristig sei die Entwicklung allerdings besorgniserregend: Seit 2016 seien die Bestände in einigen Abschnitten um bis zu 90 Prozent zurückgegangen.

Als Ursachen nennt Hertweck unter anderem Trockenheit und fehlendes Wasser in Laichgewässern, aber auch landwirtschaftliche Einflüsse wie Gülle und Stickstoffdünger, die für die empfindlichen Hautatmer problematisch seien. Positiv hebt sie die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft See hervor, die auf Teilen der Wanderstrecken den Einsatz von Stickstoffdünger reduziert oder ganz darauf verzichtet habe. Auch Fressfeinde wie Waschbären stellen ein Problem dar – hier wird auch mit Jägern zusammengearbeitet.

Für Verkehrsteilnehmer gilt in diesen Wochen besondere Vorsicht: Bei milden Temperaturen ab etwa acht Grad und Regen setzen sich die Tiere vor allem abends in Bewegung. Wer dann mit dem Auto unterwegs ist, sollte möglichst langsam fahren, da Amphibien bereits durch den Luftdruck schneller Fahrzeuge tödlich verletzt werden können. Zudem bittet die Naturschutzstation um Hinweise auf bislang ungesicherte Gefahrenstellen. Aufbau und Betreuung der Schutzzäune bedeuten dabei erhebliche körperliche Arbeit, die von Mitarbeitern und Freiwilligen geleistet wird. Trotz aller Anstrengungen ist klar: Die Zahlen früherer Jahre mit über 70.000 erfassten Amphibien werden 2026 wohl nicht erreicht – umso wichtiger bleibe der Schutz der Tiere in der Region als solcher.

Till Scholtz-Knobloch / 23.03.2026

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