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Wenn Mundart auf große Bühne käme

Wenn Mundart auf große Bühne käme

Seit September 2017 agieren etwa „Die MundArtigen“ mit Oberlausitzer Theaterstücken in der Region. Foto: privat

Görlitz/Zittau. Was wäre, wenn die Zukunft des Gerhart-Hauptmann-Theaters nicht allein auf den großen Bühnenproduktionen beruhte, sondern auch stärker aus der Region selbst erwüchse? Die Oberlausitz verfügt über eine lebendige Laienspieltradition, Mundartgruppen und Menschen, die Geschichten, Sprachfärbungen und Eigenheiten ihrer Heimat auf die Bühne bringen. Bislang bleiben diese Kräfte im Verhältnis zum professionellen Theaterbetrieb eher am Rand.

Marcel Borkowski, Kreisrat der Fraktion Bündnis Sahra Wagenknecht/Freie Wähler Zittau (BSW/FWZ) will die Aufwertung der Laienspielgruppen, insbesondere der Mundartgruppen, in die Kreistagsvorlage zur Zukunftssicherung des Gerhart-Hauptmann-Theaters aufnehmen. Dies will er im Rahmen der Sondersitzung des Görlitzer Kreistages am 27. Oktober, 15.00 Uhr, im Veranstaltungssaal E.001 des Landratsamtes Görlitz, Besuchereingang Berliner Straße 42, zur Sprache bringen. Tagesordnungspunkt 6 bietet mit dem Antrag der Fraktion Bündnisgrüne/KJiK/SPD „Zukunftssicherung der Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH“ dazu Gelegenheit.

In einer anderthalbstündigen Beratung mit dem BSW/FWZ-Fraktionsvorsitzenden Jens Hentschel-Thöricht seien beide übereingekommen, einen Antrag im oben entsprechenden Sinne einzubringen, zu dem auch Brauchtumskenner Hans Klecker als Sachverständiger vor dem Kreistag sprechen soll.

„Konkret geht es darum, den Gruppen bessere Möglichkeiten zu eröffnen, eigene Stücke auf den Bühnen in Görlitz und Zittau zu proben und aufzuführen – unter Bedingungen, wie sie auch dem professionellen Ensemble zur Verfügung stehen“, umreißt Borkowski, der von einer „bestmöglichen Auslastung“ als Ziel spricht. Damit würde nicht nur eine zusätzliche Nutzung der vorhandenen Bühnen ermöglicht. Es entstünde auch eine engere Verbindung zwischen dem Theater als professioneller Kultureinrichtung und den Menschen, die regionale Kultur im Alltag lebendig halten.

Borkowski meint, damit auch wirtschaftliche Erwartungen zu berücksichtigen: „Die Produktionskosten des Theaters könnten insgesamt sinken, während die Einnahmen insgesamt steigen“, zeigt er sich optimistisch. Der Gedanke dahinter ist jedenfalls bemerkenswert: Die Sicherung des Theaters müsse so nicht ausschließlich bedeuten, den bisherigen Betrieb unter schwieriger werdenden Bedingungen fortzuschreiben. Dies könne ebenso Anlass sein, neue Formen der Zusammenarbeit zu erproben und bislang wenig genutzte kulturelle Ressourcen einzubeziehen. Borkowski betont: „Gerade die Mundartgruppen tragen etwas auf die Bühne, das sich nicht ohne Weiteres ersetzen lässt. Sprache ist schließlich mehr als ein Verständigungsmittel.“

Die CDU setzt hingegen auf die klassische politische Strategie, in dem sie in einer Pressemitteilung vom Mittwoch den kulturellen und identitätsstiftenden Wert des Theaters postuliert, und sich zu allen Standorten und Sparten bekennt und mehr Geld von Bund und Land fordert. Die strukturellen Finanzierungsprobleme führt sie an, stellt aber vor allem zusätzliche öffentliche Mittel als Voraussetzung für einen Erhalt in bisheriger Form in den Mittelpunkt.

Dass es erst der gegenwärtigen finanziellen Bedrängnis des Gerhart-Hauptmann-Theaters bedarf, damit auch ein alternativer Ansatz ernsthaft eine Rolle spielen kann, bedauert Borkowski.

Till Scholtz-Knobloch / 26.10.2026

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