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Wertvoller Fundus von Zeitzeugen

Wertvoller Fundus von Zeitzeugen

Sehr wahrscheinlich endet bald eine Kamenzer Tradition: Der Autorenkreis Lausitzer Almanach, hier der Vereinsvorsitzende Norbert Schnabel, hat die Sonderausgabe VIII auf den Weg gebracht. Sie wird nach zwanzig Jahren das letzte Werk des Vereins sein.

Kamenz. In den Räumen des Autorenkreises Lausitzer Almanach auf der Kamenzer Theaterstraße lagern Kartons, die von zwanzig Jahren chronistischer Tätigkeit des Vereins zeugen: Von den älteren Ausgaben finden sich darin nur noch einzelne Exemplare, wenn sie nicht ganz vergriffen sind. „Von der regulären Ausgabe Nummer 16 von 2023 haben wir noch einen gewissen Bestand hier“, sagt Norbert Schnabel, der Vereinsvorsitzende. Man überlegt, diesen dem Lessing-Gymnasium anzubieten. Von der siebenten Sonderausgabe zum Stadtjubiläum, die in der vergleichsweise großen Auflage von tausend Exemplaren erschien, sind noch etwa 180 da. „Bis zur Nummer 16 haben wir die regulären Ausgaben im Themenmix gemacht. Dann bemerkten wir, dass die Sonderausgaben zu einem Hauptthema besser laufen – was man unter anderem an den Verkaufszahlen für die Sonderausgabe VII sieht. Daher haben wir uns danach auf diese Ausgaben konzentriert“, berichtet Norbert Schnabel. Der Verein lebt vor allem von Fördermitteln und Spenden. „Weil unsere Beiträge hochwertig sind, haben wir eine große lokale und überregionale Fangemeinde.“ Die Erlöse aus den Buchverkäufen machen nur einen relativ geringen Anteil der Einkünfte aus. Die Einnahmen verwendet der Verein vor allem für die Herstellung der Bücher, für die Miete der Räume in der Kamenzer Innenstadt und besonders für deren Betriebskosten. An den Büchern arbeitet man vollständig im Ehrenamt. 
In einigen Wochen werden die Vereinsmitglieder die Kartons mit den Exemplaren der achten Sonderausgabe hier aufstapeln. Zwischen 500 und 750 Bücher sollen entstehen. Ende Januar tagte das dreiköpfige Redaktionsteam zum letzten Mal. Ende Februar, schätzt Schnabel, wird Ehrenmitglied Heiko Berthold die Druckfahnen zum Korrekturlesen senden. 


Berthold betreibt in Königsbrück eine Druckerei und Buchbinderei und stellt dort die Almanache her. „Läuft alles wie geplant, ist die achte Sonderausgabe Ende März oder Anfang April fertig“, kündigt Heiko Berthold an. Am 17. April wird sie im großen Saal des Kamenzer Stadttheaters präsentiert und kann dann für voraussichtlich 20 Euro erworben werden. Rund 200 Exemplare sind bereits vorbestellt. Das Buch wird im A-4-Format und mit Softcover erscheinen und auf seinen zwischen 200 und 300 Seiten reich bebildert sein. Die Texte beschäftigen sich unter anderem mit dem Jahr 2025 in Wort und Bild, dem Gedenken der Befreiung vom Hitler-Faschismus und des Kriegsendes sowie Rückschau und Ausblick. Ein Grußwort des neuen Kamenzer Oberbürgermeisters Michael Preuß leitet den Almanach ein. „Während wir bei den ersten Ausgaben noch aktiv nach Autoren suchen mussten, finden diese nun von selbst zu uns. Manchmal müssen wir sogar Texte ablehnen, weil die Platzkapazität des Buches uns Grenzen setzt“, sagt ein anderes Vereinsmitglied, der promovierte Historiker Dieter Rostowski. 

Die Sonderausgabe VIII wird voraussichtlich das letzte Werk sein, das der Autorenkreis Lausitzer Almanach e. V. herausgibt. Damit endet eine Tradition. „Wir sind unseres Wissens der einzige Verein in der Region, vielleicht sogar in ganz Sachsen, der eine solche jährliche Publikation erstellt“, betont Vereinsmitglied Max Schuster. Auch Heiko Berthold, der das Projekt von Anfang an begleitet, bedauert dessen Ende sehr: „Es ist ein wertvoller Fundus an Texten, vor allem an Zeitzeugen-Berichten, der stets mit Rückendeckung der Stadt Kamenz entstand.“ Doch die Druck- und Vertriebskosten steigen, das weiß natürlich auch und vor allem Heiko Berthold. Dass die Produktion des Almanachs dadurch irgendwann kaum noch zu stemmen sein wird, ist einer der Gründe für das Ende dieser Kamenzer Tradition. 

Beate Diederichs / 08.02.2026

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