Wie weiter mit der Alten Wassermühle?

Bürgermeister Thomas Polpitz arbeitet darauf hin, dass bis zum späten Frühjahr wieder Gastronomie in die Alte Wassermühle einzieht.
Obergurig. Diese Nachricht kam für viele überraschend: Im November 2025 teilte die Gemeinde Obergurig mit, dass sie den Mietvertrag für die Alte Wassermühle fristlos gekündigt habe und diese daher ab sofort geschlossen bleibe. Über die Hintergründe ist andernorts ausgiebig spekuliert worden. Doch natürlich stellt sich jetzt die Frage: Wie geht es mit der beliebten Ausflugsgaststätte am Spreeradweg weiter? Für den Oberguriger Bürgermeister Thomas Polpitz ist die Antwort klar: „Selbstverständlich wollen wir, dass in der Wassermühle Gastronomie betrieben und das Objekt wieder mit Leben erfüllt wird.“ Die Gemeinde Obergurig sucht nun mit einer Ausschreibung nach interessierten Gastronomen, wobei der Bürgermeister schon klare Anforderungen stellt: „Wir wünschen uns neue Betreiber, die sich der Tradition des Müllerhandwerks verbunden fühlen und dies auch sichtbar leben – zum Beispiel durch das Tragen entsprechender Kleidung.“ Für Thomas Polpitz gehört dazu auch regionaltypische Küche, die man in der Umgebung nur noch spärlich findet. In der Radlersaison wäre es schön, wenn schon am Vormittag Getränke und Snacks angeboten würden. Und auch die Verbindung zur Dorfgemeinschaft soll belebt werden: „Manche Bürger wollen sich gern mal zu einem Skatabend oder am Stammtisch treffen“, weiß der Oberguriger Bürgermeister. Traditionen wie das alljährliche Sommerfest im mittelalterlichen Ambiente sollen wieder aufleben. Die Alte Wassermühle ist voll ausgestattet und möbliert, wobei es hierzu noch Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter gibt. Thomas Polpitz geht davon aus, dass die Gemeinde Obergurig einem neuen Mieter die Gaststätte mit komplettem Inventar und Ausstattung zur Verfügung stellen kann. Vor der Übergabe wird die Gemeinde auch noch eine Grundreinigung und kleinere Instandsetzungen durchführen lassen, in der Küche muss die Decke erneuert werden.
Dass es die Alte Wassermühle überhaupt noch gibt, ist nicht selbstverständlich. Bereits seit etwa 600 Jahren ist an der Spree in Obergurig eine Mühle verbürgt, wie das Portal „Industriekultur Oberlausitz“ zu berichten weiß (die Ersterwähnung stammt von 1534). Bis in die 60er Jahre soll hier demnach Getreide gemahlen worden sein. „Um die Jahrtausendwende herum sollte die Alte Wassermühle nach langem Leerstand abgerissen werden“, blickt Bürgermeister Thomas Polpitz in die jüngere Vergangenheit zurück. Doch dazu kam es zum Glück nicht. 2002 erwarb der kurz zuvor gegründete Förderverein die Mühle im Zuge einer Versteigerung. 2003 kaufte die Gemeinde Obergurig das Objekt. „Von 2003 bis 2005 wurde die Mühle saniert, worum sich unser damaliger Bürgermeister Harald Bayn große Verdienste erwarb, und als Gaststätte sowie als Vereinshaus wieder eröffnet“, so Thomas Polpitz. Als letzteres dient die Wassermühle auch heute noch – im Obergeschoss befinden sich die Räumlichkeiten des Angler- und des Männergesangsvereins. „Den Heimatverein und den Orts-Fernsehkanal gibt es leider nicht mehr“, bedauert Thomas Polpitz. Daneben – und neben dem urigen Gastraum – gibt es noch zwei Säle unterschiedlicher Größe, die der künftige Gastronom (wie auch schon seine Vorgänger) bei Bedarf unkompliziert nutzen kann. Der kleinere Saal – die „Gute Stube“ – ist auch als Trauort gewidmet. Das Ambiente der alten Mühle ist an vielen Stellen sichtbar geblieben: Sei es in Form der Mahlgänge oder auch des großen Wasserrades, das sich vor den Augen der Besucher dreht. Wenn nicht gerade Laub oder andere Verunreinigungen den Abfluss behindern – dann nimmt schon auch mal der Bürgermeister selbst den Rechen in die Hand und beseitigt die Verstopfung.
„Das alles muss unbedingt wieder erlebbar werden“, bekräftigt Thomas Polpitz. „Unser Ziel ist es, bis zum späten Frühjahr, wenn die Fahrradsaison beginnt, die Mühle wieder zu öffnen.“ Gefeiert werden kann im übrigen nach wie vor in Absprache mit der Gemeinde, wobei die Gäste dann selbst für das Catering sorgen müssen. Wenn es wieder einen Mieter gibt, dann bleibt die Versorgung der Feiergäste ihm vorbehalten, „alles andere wäre unfair.“ Die Festwiese kann der künftige Betreiber ebenfalls in Absprache mit der Gemeinde nutzen, auch als Campingplatz. Ein Exposé der Alten Wassermühle mit allen technischen Daten findet sich auf der Homepage der Gemeinde Obergurig.
