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Die schönsten Storys in der Narrenzeit

Die schönsten Storys in der Narrenzeit

Die Männerballetts der Faschingsclubs in der Region strapazieren mit ihren Auftritten immer wieder die Lachmuskeln des närrischen Volkes. | Foto: Robert Schnitter

Zittau. Die Närrinnen und Narren starteten am Freitag, 11. November, in die fünfte Jahreszeit. Steffen Linke, Redakteur des „Oberlausitzer Kurier“, befragte Karnevalisten in der Region über die schönsten Episoden während ihrer Regentschaft.

Zum Kinderfasching des Zittauer Karneval Clubs (ZKC) kam im vergangenen Jahr Oberbürgermeister Thomas Zenker mit seiner Tochter zu Besuch. „Wir haben uns über seine Anwesenheit sehr gefreut“, sagt Präsident Rainer Fischer. Ulli Hoyer, Programmdirektor und Haus- und Hofnarr des Vereins, stellte den obersten Stadtherrn den Kindern mit den Worten vor: „Dieser Onkel wohnt im Rathaus.“ In diesem Moment fanden das alle sehr lustig. Das Publikum war darüber sehr begeistert. Thomas Zenker hatte sich direkt als Cowboy verkleidet. „Wir hoffen, dass wir den Oberbürgermeister und sein Gefolge auch in der neuen Saison bei uns begrüßen können“, so Rainer Fischer.

Uwe Thiele, Präsident des Grußschinner Faschingsclubs berichtet, dass Mitte der 90er Jahre in Großschönau mal am Rosenmontag der Gemeinderat tagte. Die Närrinnen und Narren waren aber der Meinung, „dass wir mit der Schlüsselübergabe am 11.11. bis Aschermittwoch die Amtsgeschäfte im Ort führen. Wir haben deshalb die Gemeinderatssitzung auf der Grundlage unserer noch bestehenden Amtsmacht aufgelöst, in dem wir mit dem Bus vor das Gemeindeamt gefahren sind und die Gemeinderäte gebeten haben, in den Bus einzusteigen. Wir sind dann mit ihnen zum damals etwa 500 Meter entfernten Veranstaltungsdomizil ,Weinhaus’ gefahren.“ Nicht alle seien von dieser rigiden Maßnahme begeistert gewesen.

Zu einer Faschingsveranstaltung des Kunnerschdurfer Karnevalsclubs borgten sich die Närrinnen und Narren vom TSV 1861 Spitzkunnersdorf die Sitzbänke aus der Turnhalle. Diese Aktion zogt sich über längere Zeit hin. „Zwischendurch waren wir im ,Kretscham’ Mittag essen. Am Stammtisch warf der damalige Präsident Lutz Halang in den Raum, dass er ein Fass Bier ausgibt, wenn wir die Sitzbänke zurückgebracht haben und nackig von der Sporthalle wieder zum Kretscham zurückkommen“, erzählt der heutige Präsident, Daniel Haselbach. 

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Die Grußschinner Närrinnen und Narren haben in der fünften Jahreszeit wieder die Macht übernommen. | Foto: Michael Rimpler

Es handelt sich dabei um einen Weg von circa 150 Meter. Ein Bekannter auf Skiern aus dem Dorf grüßte bei den kalten Temperaturen die Nackedeis, lief erst einmal unbeeindruckt weiter, bevor er es dann doch schnallte und noch einmal anhielt und sich umdrehte, was da eigentlich gerade ablief. Die Närrinnen und Narren kehrten nur mit Mützen und Schuhen bekleidet von der Turnhalle in den „Kretscham“ zurück und ließen sich das ausgegebene Bier schmecken.

2004 feierte der Faschingsclub Olbersdorf e.V. sein 25. Jubiläum. „Es war das Jahr der EU-Osterweiterung. Olbersdorf war damit der geografische Mittelpunkt in der Europäischen Union. Die Gemeinde stellte deshalb damals in Form einer Ziegenskulptur ein Denkmal im Olbersdorfer Skulpturenpark auf“, berichtet Patrick Siebelt, Vizepräsident des Faschingsclubs Olbersdorf. Und er fährt fort: „Wir selbst bekamen bei der feierlichen Zeremonie von den anderen Gastvereinen Geschenke überreicht. Einer der Faschingsclubs hatte sich den Spaß gemacht, einen lebendigen Ziegenbock durch die alte Turnhalle zu tragen und uns vor die Füße zu legen.“ Der Umgang mit dem tierischen Präsent sei schon ein Krampf gewesen. „Wir haben den Ziegenbock dann einen befreundeten Bauern in der Umgebung überlassen“, erzählt er.

Die Närrinnen und Narren des Herschdurfer Karnevalsvereins e.V. legen nach dem großen Karnevalsumzug in Schirgiswalde auf dem Weg nach Hause traditionell eine Pause an der Tankstelle in Oppach ein, weil manche von ihnen austreten müssen oder sich noch ein Bier besorgen, um ihren Durst zu löschen. Einmal stand auf dieser Zwischenstation ein Trabant vor Ort. Zwei Minister setzten sich in angeheitertem Zustand in das DDR-Kultauto und ließen sich eine Runde vom Fahrer chauffieren. Ihre Narrenkappen hingen dabei halb aus dem kleinen Auto heraus. Der Fahrer nahm diese kleine Tour mit Humor. Die beiden Minister genossen das „Fahrgefühl wie in alten Zeiten.“

Beim Faschingsverein Seifhennersdorf e.V. tritt das Männerballett eigentlich immer mit weißen Unterhosen aus. Vor drei Jahren hatte aber einer der Narren aus Überhast seine privaten schwarzen Schlüpfer übergestreift. Beim Publikum sorgte der dunkle Farbtupfer in den Reihen für große Erheiterung. „Wir haben dieses kleine ,Missgeschick’ hinterher ausgewertet“, erzählt Robert Schnitter, Präsident des Faschingsvereins Seifhennersdorf. Als Sanktion sei festgelegt worden, dass der Narr mit den schwarzen Unterhosen eine Runde Sekt ausgeben musste.

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Bei den Faschingsveranstaltungen in der Region geht jetzt, wie hier in Olbersdorf, wieder die Post ab. | Foto: Verein

Leider geht es beim Fasching nicht immer nur lustig, sondern manchmal auch sehr ernst zu. Das spüren gerade die Närrinnen und Narren des Faschingsclubs Hörnitz e.V.. „Wir trauern nach wie vor unserem früheren Domizil ,Stadt Zittau’ nach“, so der Präsident Björn Münnich.
Die Zeichen für das marode Gebäude stehen auf Abriss. „Wir sind deshalb sehr dankbar, dass wir mit dem JamDanceBase in Zittau eine Bleibe gefunden haben. Denn den Hörnitzer Fasching macht mehr aus als nur unsere frühere Kultstätte. Wir werden sehen, was die Zeit bringen wird“, sagt er.

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Redaktion / 14.11.2016

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