Direkt zum Inhalt springen
Info & Kommentare

Neue Hoffnung für die Elektrifizierung

Neue Hoffnung für die Elektrifizierung

Zahlreiche Verantwortungsträger aus der Region bekundeten im April ihren Willen zur Elektrifizierung der Bahnstrecke. Foto: Archiv

Vertreter von Bund, Freistaat Sachsen und Kommunen der Landkreise Bautzen und Görlitz haben in der vergangenen Woche in Berlin erneut über eine vollständige Elektrifizierung der Bahnstrecke Dresden – Görlitz verhandelt.

Region.
„Feste Zusagen des Bundes für eine schnelle Umsetzung gab es zwar nicht, es wurde jedoch ein Fahrplan für weitere Schritte abgestimmt“, erklärte der Bautzener Landrat Udo Witschas (CDU) nach dem Gespräch.

Dem Termin waren Ende April sowie im Juli 2023 mehrere Aktionen der Bürgermeister aus der Region vorangegangen, in denen mit Nachdruck die Elektrifizierung der Strecke nach Görlitz und Zittau gefordert wurde. Bereits in Planung sind die Streckenabschnitte Dresden-Bischofswerda und Görlitz-Cottbus. Während die Strecke nach Bischofwerda über Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz finanziert werden soll, stehen für den Ausbau der Strecke Görlitz-Cottbus rund eine Milliarde Euro aus dem Strukturwandel-Fördertopfund damit unabhängig vom Bundesverkehrswegeplan bereit. 
Der Bedarf für die Bahnstrecke zwischen Bischofswerda und Görlitz soll nun im Rahmen der gesamtdeutschen Verkehrsprognose „Schiene“ der Deutschen Bahn neu bewertet werden. Ergebnisse sollen im Frühjahr 2024 vorliegen. Die erhobenen Zahlen könnten dann über die Aufnahme der Strecke in die vorgezogene Bedarfsplanüberprüfung des Bundesverkehrswegeplan entscheiden.

Zur Delegation gehörte auch Dr. Frank Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der SachsenEnergie AG. Das Versorgungsunternehmen hatte angeboten, über eigene Netze und Anlagen schneller und kostengünstiger als geplant eine Stromversorgung für das Elektrifizierungsprojekt zu ermöglichen. Die Deutsche Bahn will jedoch aus verschiedenen Gründen das eigene Bahnstrom-Netz auf die Lausitz ausdehnen. 

Die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes – und damit auch die Wahrscheinlichkeit für dessen Umsetzung – hängt insbesondere auch von dieser Frage ab. 

Vor diesem Hintergrund forderte Landrat Udo Witschas ein Umdenken in der Strukturwandel-Strategie des Freistaates. „Das Gespräch stiftet Zuversicht. Zwei Dinge müssen nun passieren, damit es weitergeht: Das Angebot eines schnellen Sachsen-Stroms muss schnell von der Bahn geprüft werden. Sachsen darf nicht allein auf den Bund und die Bahn warten, sondern muss eigenes Geld aus dem Strukturwandeltopf in dieses Projekt stecken. Nur so lässt sich die Wirtschaftlichkeitslücke für die Bahn schließen. Außerdem muss die Landesregierung sich gegenüber der Deutschen Bahn noch stärker für die Strecke einsetzen als sie es bisher bereits tut“, so der Bautzener Landrat. Und Thomas Rublack, Wirtschaftsdezernent des Landkreises Görlitz, ergänzt: „Wichtig: Wir reden nicht nur über den schienengebundenen Nahverkehr, sondern hier geht es um internationale Trassen.“ Der Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große, dessen Initiative das Treffen maßgeblich zu verdanken ist, erklärt: „Die Oberlausitz befindet sich im Herzen Europas und stellt die Brücke Deutschlands zu seinen östlichen Partnern dar. Unsere Nachbarländer Polen und Tschechien investieren zielgerichtet in moderne Bahnstrecken. Es wäre unseren Menschen nicht vermittelbar, wenn ringsherum die Infrastruktur zum Leben und Arbeiten passt und nur bei uns sprichwörtlich das Licht wegen mangelnden Stroms ausgehen würde. Wir sind sehr dankbar, dass unsere Vorschläge gehört wurden und nun intensiv geprüft werden.“ Und sein Bautzener Amtskollege Karsten Vogt fügt hinzu: „Wir sind heute nicht als Bittsteller aufgetreten, sondern haben konkrete Vorschläge gemacht, wie wir das Thema der Elektrifizierung mit dem Angebot der SachsenEnergie AG kostengünstig umsetzen können. Damit würde sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis deutlich verbessern und das Vorhaben könnte schneller umgesetzt werden.“

Dr. Frank Brinkmann äußert die Hoffnung, dass „man die Elektrifizierung jetzt pragmatisch und weniger dogmatisch angeht. Das bedeutet, man koppelt sich pragmatisch an die Hochspannungsleitungen von Energieversorgern an und braucht dafür nur zwei bis drei Jahre. Der dogmatische Weg über das bahneigene Stromnetz würde mit neuen Hochspannungsleitungen durch die Landschaft viel länger dauern.“
 

PM/UM / 24.09.2023

Schlagworte zum Artikel

Was sagen Sie zu dem Thema?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und spätestens nach 14 Tagen gelöscht.

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.

Weitere aktuelle Artikel