Endlich Licht am Ende des Königshainer Tunnels

Zwischen Beton und Brandtest – der Tunnel Königshainer Berge ist modernisiert vor dem Erwachen. Foto: Matthias Wehnert
Wiesa. Der A4-Tunnel Königshainer Berge steuert auf die Zielgerade seiner umfassenden Modernisierung zu. Nachdem die Nordröhre bereits im Februar fertiggestellt wurde, sollen am 14. Dezember auch alle Arbeiten in der Südröhre abgeschlossen sein. Entscheidend ist der finale Brandtest, der an diesem Tag stattfindet. „Der funktionale Brandtest ist das I-Tüpfelchen, das uns zeigt, ob wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“, heißt es aus dem Projektteam. Läuft alles planmäßig, wird die Südröhre am Nachmittag des 14. Dezember in Richtung Görlitz wieder zweispurig freigegeben.
In Fahrtrichtung Dresden müssen sich Verkehrsteilnehmer noch bis Mitte Januar gedulden. Der Verkehr bleibt hier einspurig – ohne Gegenverkehr. Erst nach dem Rückbau der mobilen Trennwände und dem Schließen der Mittelstreifenüberfahrten stehen ab dem 16. Januar 2026 auch in der Nordröhre wieder zwei Spuren zur Verfügung. „Wir wollten uns in der Vorweihnachtszeit nicht erlauben, den Tunnel mehrere Tage komplett zu sperren“, betonte am Dienstag beim Pressetermin der Autobahn GmbH des Bundes am Tunnel in Diehsa deren für den Tunnel zuständiger Abteilungsleiter Marcus Bräuer. Denn gerade der Reiseverkehr Richtung Osten sei zu dieser Zeit besonders dicht.
Ein weiterer Grund für die spätere Freigabe ist technischer Natur: Sollte der Brandtest notwendige Nachjustierungen an der Brandmeldetechnik erfordern, wäre dies bei bestehender Verkehrssicherung sofort möglich.
Nach zwei Jahren Bauzeit präsentiert sich der Tunnel modernisiert und auf dem neuesten Stand der Sicherheitsanforderungen. Neu sind unter anderem eine helle Tunnelwandbeschichtung, eine LED-Beleuchtung, zusätzliche Sensoren zur Brandfrüherkennung und barrierearme Notrufkabinen. Die ursprünglich offenen Querschläge wurden mit Betonwänden und rauchdichten Toren verschlossen, die Einsatzkräfte im Notfall befahren können. „Die Kameras erkennen jetzt Ereignisse lückenlos. Vorher waren Bereiche schlicht nicht sichtbar“, ist man bei der Autobahn GmbH von Fortschritten überzeugt, denn: „Wer vor der Sanierung gefahren ist, sieht den Unterschied sofort – in der alten Röhre konnte man mit dem Finger an der Wand langfahren und hatte gleich eine Schicht Ruß am Handschuh.“
Über 150 Kilometer Kabel wurden verlegt, rund 2.500 Leuchten, 300 Fluchtwegmarkierungen, 165 Kameras und etwa 150 Lautsprecher verbaut. Fast 40.000 Quadratmeter Oberflächenbeschichtung wurden erneuert.
Der Tunnel stammt aus der Planungsphase der frühen 90er-Jahre und wurde 1999 in Betrieb genommen. Mit 3,3 Kilometern Länge ist er der viertlängste Autobahntunnel Deutschlands. Etwa 30.000 Fahrzeuge passieren ihn täglich, davon rund 40 Prozent Schwerverkehr. Die Sanierung war notwendig, weil viele Anlagen altersbedingt an ihre Grenzen stießen und die einschlägigen Sicherheitsrichtlinien deutlich verschärft wurden.
Der Hauptumbau begann im April 2024. Zunächst wurde der Tunnel für den Gegenverkehr ertüchtigt – mit provisorischer Beleuchtung, zusätzlichen Rauchmeldern, neuen Verkehrszeichen und der baulichen Trennung der beiden Röhren. Die eigentlichen Modernisierungsarbeiten liefen nacheinander ab: Bis Februar 2025 war die Nordröhre an der Reihe, seit März wird in der Südröhre gearbeitet – jeweils unter Gegenverkehrsführung durch die freie Röhre. Eine Voraussetzung für den Bau unter laufendem Verkehr war die rund um die Uhr besetzte Werkfeuerwehr. Erst ihre Inbetriebnahme machte es möglich, dass beide Röhren jeweils als Rettungszugang genutzt werden konnten. Ab Ende Februar 2026 soll die Verantwortung dann an den Landkreis übergehen. Mehrere Großübungen mit Feuerwehr, Rettungsdiensten und Statisten testeten in den vergangenen zwei Jahren unterschiedliche Szenarien – darunter die Rettung in verrauchten Abschnitten, die Evakuierung vieler Verletzter und ein simulierter Lkw-Unfall. Das alles habe „sehr zufriedenstellende“ Ergebnisse gezeigt.
Auch nach Abschluss der Arbeiten bleibt der Tunnel ein komplexes technisches System, das in regelmäßigen Intervallen gewartet werden muss. Quartals- und Halbjahresprüfungen sowie jährliche Inspektionen sind Standard. Hinzu kommen Reinigungen am Ende der Winterdienstsaison, um Streugut und Rußablagerungen zu entfernen. Die neue Ausstattung ist darauf ausgelegt, wartungsintensive Komponenten zu reduzieren. LED-Technik etwa hat eine deutlich längere Lebensdauer als die früher eingesetzten Natriumdampflampen.
Trotz gelegentlicher Einschränkungen zeigt eine interne Auswertung eine hohe Zuverlässigkeit: „In 574 Tagen war der Tunnel insgesamt 15 Tage gesperrt – das entspricht 97 Prozent Verfügbarkeit“, berichtet die Projektleitung und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „In den sozialen Medien heißt es ja oft: Der Tunnel ist immer zu. Aber eigentlich müsste man eher berichten, wann er frei ist – das wäre einfacher.“
