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Beim Kinder-Rehasport: „Bewegung macht Spaß!“

Beim Kinder-Rehasport: „Bewegung macht Spaß!“

Gleich geht es los: Trainer Noel hat die Teilnehmer der „Teen“-Gruppe beim Kinder-Rehasport um sich geschart und erläutert ihnen, was sie heute machen werden. Bei Spiel, Lauf und Partnerübung vermittelt er ihnen die Freude an der Bewegung. Foto: Beate D.

Beim Kinder-Rehasport in Kamenz lernen Mädchen und Jungen, sich mit Freude zu bewegen. So begegnet man auch Gesundheitsproblemen.

Kamenz. Trainer Noel hat die fünfzehn Teilnehmer im Kreis um sich gruppiert. Wie stets zu Beginn der wöchentlichen Sportstunde berichten die Mädchen und Jungen, die zehn bis 14 Jahre alt sind, wie sie sich fühlen und welche Beschwerden sie eventuell haben. Dann gibt Noel Kommandos für eine schnelle Erwärmung und teilt die Gruppe in Paare ein. Gemeinsam mit ihrem Partner trainieren die Kinder die Arm- und Bein-Koordination. Noel mahnt, die Übungen langsam und konzentriert auszuführen. Danach schulen sie bei einem kleinen Lauf ihre Ausdauer und bei einem Spiel ihre Schnelligkeit. „Dehnen nicht vergessen!“ ruft der junge Trainer. „Die macht Kindern meist wenig Spaß, gehört aber dazu“, kommentiert sein Kollege Maurice-André Panitz, der den heutigen Reha-Kurs der „Teens“ beobachtet. Und schon ist die Sportstunde im Gruppen-Fitnessraum des 1. Rehasportvereins Kamenz e. V. beendet. Zum einjährigen Kinder-Rehasportkurs gehören 50 solcher Einheiten. Sie sind zwischen 45 und 60 Minuten lang. „Das macht über zweitausend zusätzliche Minuten Bewegung im Jahr“, hat Panitz errechnet. 

Reha, kurz für Rehabilitation, verbindet man landläufig mit älteren Menschen: Der Senior, der nach einem komplizierten Bruch wieder lernen muss, flüssig zu gehen. Seine Altersgenossin, die nach einer Krebsbehandlung mit therapeutischer Unterstützung ins normale Leben zurückfindet. Aber Kinder? „Auch diese haben oft orthopädisch oder allgemeinmedizinisch begründete Beschwerden: Rückenprobleme durch Skoliose, schlechte Haltung durchs Starren auf Bildschirme, Gewichtsprobleme durch Bewegungsmangel...“, zählt Maurice-André Panitz auf. Die wenigen Stunden Schulsport könnten das nicht auffangen. Das stundenlange Sitzen, teils auf ergonomisch ungünstig geformten Holzstühlen in der Schule, trägt seiner Meinung nach das Seinige bei. Mit den Reha-Kursen, die statt auf Leistung auf Wohlbefinden abzielen, möchte man Kindern wieder Freude an der Bewegung vermitteln, ihre motorischen Fähigkeiten schulen und sie motivieren, Bewegung dauerhaft in ihr Leben zu integrieren – beim täglichen Spaziergang oder beim Vereinssport. „Wir zeigen: Bewegung ist nichts Schlimmes, sondern macht Spaß“, betont Panitz. 

Der Reha-Sportverein in Kamenz hat in vielen Jahren Erfahrung mit ähnlichen Programmen für Erwachsene gesammelt. „Vor rund zwei Jahren bat uns der Sächsische Behindertensportverband, auch Reha-Kurse für Kinder und Jugendliche zu etablieren“, berichtet Maurice-André Panitz. Im folgenden Jahr erarbeitete man ein Konzept und warb für das Angebot – unter den Personen, die bereits Kurse des Vereins nutzen, bei Haus- und Kinderärzten, in Kindereinrichtungen. Man entwarf je eine Konzeption für für die „Minis“, die Kleinen zwischen drei und fünf, für die „Juniors“ zwischen sechs und neun und für die „Teens“ zwischen zehn und 14. Jeweils zwei Trainer aus dem Team leiten die Gruppen. Die Mini-Gruppe kam mangels Interesses nicht zustande. Aber für die anderen Altersstufen gab es genügend Anmeldungen für die maximal 18 Plätze. „Die älteren Kinder können sich selbst reflektieren und feststellen, welche Beschwerden sie haben“, erläutert Panitz. Eltern, die ihr Kind für einen der jährlichen Kurse anmelden möchten, sollten sich ein Rezept beim Arzt ausstellen lassen, die Anamnese im Reha-Sportverein machen lassen und die Kostenerstattung bei der Krankenkasse beantragen. Dann kann es losgehen. Am Ende des ersten Durchgangs sehen Maurice-André Panitz und seine Kollegen Erfolge: Bei vielen ihrer Schützlinge erkennen sie, dass sich die Bewegungsabläufe verbessert haben. Manche berichten gar, dass sie sich bei einem Verein angemeldet haben oder regelmäßig Rad fahren. Das sind auf jeden Fall Schritte in die richtige Richtung. Denn es geht darum, in Bewegung zu bleiben.

Beate Diederichs / 13.04.2026

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