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Dieses Glücksrad kann Leben retten

Dieses Glücksrad kann Leben retten

Das Glücksrad der Johanniter ist bei vielen Veranstaltungen in der Region im Einsatz. Foto: privat

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Kreisverband Görlitz mit Sitz in Großschönau startet am Sonntag, 29. März, bei der Osterhasenwerkstatt im Kinder- und Jugenderholungszentrum Querxenland in Seifhennersdorf in ihre Veranstaltungs- und Glücksradsaison. 

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Das Glücksrad ist einsatzbereit. Im Jubiläumsjahr – der Kreisverband der Johanniter Görlitz feiert sein 35-jähriges Bestehen – stehen besonders viele Termine an. Foto: privat

Großschönau. Es ist Anfang März: Das Holz knarzt, als Maria Tschanter das Johanniter-Glücksrad aus dem Lager holt. „Vor dem Start der Veranstaltungssaison Ende des Monats überprüfen wir, ob alles in Ordnung ist, damit es beim ersten Einsatz keine Überraschungen gibt. Denn vor zwei Jahren brach mitten am Tag ohne Vorwarnung bei einer Veranstaltung der Stopper ab, der die Farbe anzeigt. Ich habe dann für den Rest des Tages den Stopper ersetzt und das Rad einfach immer irgendwo per Hand angehalten“, erzählt die Mitarbeiterin Marketing schmunzelnd. Dass das Material hier müde wurde, ist eigentlich kein Wunder: Seit Anfang der 2010er Jahre ist das Glücksrad bei nahezu jedem Auftritt der Oberlausitzer Johanniter in der Region dabei – zum Beispiel beim Bautzener Frühling, der O-See Challenge oder dem Zittauer Gebirgslauf. 

Was aussieht wie ein einfaches Spielgerät, ist für die Johanniter weit mehr als das: Das Glücksrad vermittelt Erste-Hilfe-Wissen – und im Ernstfall kann genau dieses Wissen Leben retten.

Rückblick: Vor rund 15 Jahren rauchten in der Johanniter-Geschäftsstelle Großschönau die Köpfe. Der Kreisverband Görlitz wollte wachsen, neue Aufgabenfelder erschließen und mit den Menschen stärker ins Gespräch kommen. Auftritte bei Messen und Stadtfesten waren schnell geplant. „Doch womit erreichen wir möglichst viele Generationen? Wir wollten eine niedrigschwellige Mitmach-Aktion kreieren, die sinnvoll ist und den Menschen nachhaltig mehr als nur einen kleinen Preis mit auf den Weg gibt“, erklärt Kreisvorständin Kerstin Rokitta. Schließlich entstand mit dem Glücksrad mit Fragen rund um die Erste Hilfe, angepasst an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die zündende Idee.

Schnell war klar, dass es ein solches Rad nicht zu kaufen gab. Für Steffen Israel war das kein Problem.

Der heutige Teamleiter Notrufdienste begann seine Karriere bei den Johannitern als Hausmeister, ist handwerklich begabt: „Als die Idee im Raum stand, habe ich sofort angefangen zu tüfteln.“ Leicht zu transportieren, kostengünstig und natürlich in den Johanniter-Farben sollte es sein.

Während in seiner Werkstatt der handfeste Teil entstand, entwickelte der Bereich Erste-Hilfe-Ausbildung gemeinsam mit der Johanniter-Jugend die passenden Fragen. „Unsere Jugend hat uns damals sehr geholfen, die Fragen für die Jüngsten zu gestalten – wir hatten viel Spaß beim Testen“, erinnert sich Ausbildungsleiterin und Jugendkoordinatorin Susann Wünsche. Wenige Wochen später war das Rad zum ersten Mal im Einsatz – und ist seither aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen kaum mehr wegzudenken.

Und so geht es in der Praxis: Jetzt ist ein kleiner Junge an der Reihe. Das Rad dreht sich, bleibt auf Rot stehen. Schnell wird klar: Er kann noch nicht lesen. Also greift die Mitarbeiterin der Johanniter zu den Karten für Vorschulkinder und liest vor: „Darf man einen Verletzten allein lassen?“ Der Junge schüttelt energisch den Kopf. „Man müsse aufpassen“, sagt er, „sonst bekomme der Verletzte Angst. Und laut nach Mama rufen.“ Die Antwort ist richtig. Stolz nimmt der Steppke ein kleines Pflastermäppchen entgegen. Nun ist seine Mutter an der Reihe. Blau. Die Frage lautet: „Wie erkenne ich einen Schlaganfall?“ Ihr fallen mehrere Symptome ein. Die Mitarbeiterin ergänzt – und gibt ihr neben einem neuen Kugelschreiber den sogenannten FAST-Test mit auf den Weg.

Der FAST-Test ist eine einfache Methode, mit der auch Laien einen Schlaganfall schnell erkennen können. Das ist wichtig, denn bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Je früher ein Mensch behandelt wird, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu verhindern.

FAST ist dabei ein Akronym aus dem Englischen und steht für:

  • F – Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab? Wirkt das Gesicht einseitig gelähmt?
  • A – Arms (Arme): Beide Arme gleichzeitig heben lassen. Sinkt einer ab oder kann nicht gehoben werden?
  • S – Speech (Sprache): Einen einfachen Satz nachsprechen lassen. Klingt die Sprache verwaschen oder unverständlich?
  • T – Time (Zeit): Wenn eines dieser Anzeichen auftritt – sofort den Notruf 112 wählen. Nicht zögern.

Genau dieses Wissen nehmen viele Besucher vom Glücksrad mit – ganz umsonst und nebenbei.

Früher betreute häufig die Johanniter-Jugend das Glücksrad. Heute fehlt es – wie vielen Vereinen – auch hier an Nachwuchs. „Wir sind in erster Linie eine Gemeinschaft“, sagt Regionaljugendleiterin Franziska Freiberg. Kinder und Jugendliche lernen altersgerecht Erste Hilfe, verbringen einfach Zeit zusammen oder bereiten sich auf sachsenweite Johanniter-Wettbewerbe und Zeltlager vor. Momentan gibt es eine Jugendgruppe in Ebersbach, in Bautzen entsteht eine Gruppe an einem Gymnasium. „Wir freuen uns über neue Mitglieder“, betont Franziska Freiberg.

Und wenn jemand die Antwort nicht weiß? „Bei uns gewinnt jeder – im Zweifel an Erkenntnis“, sagt Maria Tschanter. Wer möchte, der bekommt trotzdem ein kleines Trostpflaster oder Bonbon – und natürlich die richtige Lösung.

Alle Fragekarten sind vollständig, der Funktionstest wurde bestanden: Das Glücksrad ist einsatzbereit. Im Jubiläumsjahr – der Kreisverband Görlitz feiert sein 35-jähriges Bestehen – stehen besonders viele Termine an.

Los geht es – wie anfangs schon erwähnt – am Sonntag, 29. März, bei der Osterhasenwerkstatt im KiEZ Querxenland in Seifhennersdorf. Dann wird das treue Glücksrad am Stand der Johanniter wieder einmal Runde um Runde drehen. Und vielleicht sorgt eine einzige Frage dafür, dass im entscheidenden Moment jemand richtig handelt – und ein Leben rettet.

Steffen Linke / 21.03.2026

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