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Drei Jahre zwischen Trauer und Zuversicht

Drei Jahre zwischen Trauer und Zuversicht

Das Wunder von Großröhrsdorf – dieses Parament mit der Aufschrift „Gott ist die Liebe“ blieb bei dem Brand nahezu unbeschädigt. Foto: Archiv

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So präsentierte sich die Stadtkirche unmittelbar nach dem Brand im August 2023. Foto: Archiv

Großröhrsdorf. Man mag es kaum glauben, und doch ist es wahr: In der Nacht vom 3. zum 4. August jährt sich die Vernichtung der Großröhrsdorfer Stadtkirche durch einen verheerenden Brand bereits zum dritten Mal. Schock wich in der Folgezeit Entsetzen, Entsetzen wich der Trauer, die Trauer wich der Zuversicht. Der „Oberlausitzer Kurier“ will anhand seiner eigenen Berichterstattung noch einmal an die Ereignisse und die Entwicklungen in Bezug auf die Stadtkirche erinnern und einen kleinen Ausblick auf die Zukunft geben.

August 2023: „Die Großröhrsdorfer trauern um ihre Kirche“

Niemand, der nicht in und um Großröhrsdorf lebt oder dem Ort in einer anderen, besonderen Weise verbunden ist, kann die Gefühle nachvollziehen, welche die Menschen in der Röderstadt in den Tagen nach jener verhängnisvollen Nacht bewegten. Der Autor dieser Zeilen verglich sie mit dem Empfinden der Franzosen nach dem Brand des Nationalheiligtums Notre Dame am 15. April 2019. Wohl wissend, dass jeder Vergleich zwangsläufig hinken muss. Er selbst – ein weitgehend unreligiöser Mensch – stand am 7. August erstmals vor der Kirchruine und konnte die Tränen nicht zurückhalten. Zu unfassbar, zu monströs war, was sich seinen Augen darbot. Und doch gab es schon erste Zeichen der Hoffnung: Kinderzeichnungen und Bilder aus dem Inneren der „alten“ Kirche am Absperrzaun. Aus dem Inneren ertönten Kommandos, die darauf hindeuteten, dass die Spurensuche begonnen hatte. Der Artikel schloss mit den Worten: „Die eingangs erwähnte Kathedrale Notre Dame in Paris soll nach erfolgtem Wiederaufbau 2024 wieder eingeweiht werden. Ob und wann die Großröhrsdorfer Kirche wieder aufgebaut werden kann, ist derzeit noch völlig unklar.“

August 2023, zwei Wochen später: „Zur Trauer gesellt sich Zuversicht“

Zwei Wochen nach dem Brand fand auf dem Pfarrhof der erste Gottesdienst ohne Kirche statt. Bei aller Trauer musste der damalige Pfarrer Stefan Schwarzenberg auch schon ganz praktisch denken: „Wenn die Untersuchungen zur Brandursache abgeschlossen sind, entscheidet die Versicherung, ob ein Leistungsfall vorliegt. Auch wenn wir eine Versicherungssumme erhalten, haben wir schon jetzt Ausgaben, die davon nicht gedeckt sind … Zum Beispiel die provisorische Einrichtung einer ’Freiluftkirche’ in der Nähe der Stadtkirchenreste. Wir wollen unser Gemeindeleben fortsetzen, so gut es geht, und dazu einladen.“ Bürgermeister Stefan Schneider äußerte sich zuversichtlich, dass es eine neue Kirche geben werde.

September 2023: „Großröhrsdorf entschließt sich zum Wiederaufbau“

„Die Kirchgemeinde Großröhrsdorf wird an der gleichen Stelle ein neues Gotteshaus errichten.“ Das habe der Kirchenvorstand beschlossen, sagte der Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde Kleinröhrsdorf-Großröhrsdorf, Stefan Schwarzenberg. „Es wird auf unserem Kirchberg ein Gotteshaus geben für die Zukunft, wir wollen eine neue Kirche bauen.“ Ob Neu- oder Wiederaufbau, darüber werde entschieden, wenn klar sei, was von der alten Kirche übrig sei und einbezogen werden könne. 

Januar 2024: „Das ist der aktuelle Stand“

An der Kirchruine hat die Sicherung begonnen. Im November hatte die Kriminalpolizei ihre Ermittlungen abgeschlossen und das Brandmal freigegeben. Nun gilt es ein Notdach aufzubauen, um weitere Schäden zu verhindern. Parallel startet die Sichtung des Brandschuttes, um eventuell noch vorhandene Kunstschätze und Bauwerksteile zu bergen. Die Kirchgemeinde bedankt sich für die hohe Spendenbereitschaft und die große Anteilnahme.

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Der Siegerentwurf für die neue Stadtkirche knüpft behutsam an die Brandruine des alten Gebäudes an. Foto: Archiv

Juni 2024: „Eine Perspektive für die Stadtkirche“

Das zwischenzeitlich gegründete Perspektivteam „Zukunft Kirche“ stellt öffentlich die Pläne vor. Dessen Sprecher Josias Kaiser sagt: „Sicher wäre es der einfachste und schnellste Weg gewesen, die alte Kirche eins zu eins wieder aufzubauen. Doch das wollten wir nicht. Wir wollten den Brand als Ausgangspunkt für etwas Neues sehen, das nun entstehen soll.“ Eine Umfrage hilft dabei. Das Ergebnis ist eindeutig: Etwas Neues gern, aber die Stadtkirche soll erkennbar bleiben. Insbesondere ihr Turm soll, wie vor dem Brand, weit ins Land grüßen.

November 2024: „Eine Nacht, die alles veränderte“

Im Technischen Museum sind Fragmente, die noch aus der Brandruine geborgen werden konnten, ausgestellt. Pfarrer i.R. Norbert Littig, der das Bergungsteam geleitet hatte, führt den „Oberlausitzer Kurier“ durch die Ausstellung. Ein für beide Seiten sehr emotionaler Termin, besonders als wir vor dem „Wunder von Großröhrsdorf“ stehen: Einem fast unversehrt geborgenen Parament mit der Aufschrift „Gott ist die Liebe.“

Juli 2025: „Wettbewerb zum Wiederaufbau in Großröhrsdorf“

Der Weg in die Zukunft ist klar: Die Kirchgemeinde hat entschieden, einen Architektenwettbewerb zum Wiederaufbau der Stadtkirche durchzuführen. Bereits zu Jahresbeginn war das Anforderungsprofil bekannt gegeben worden. Dieses sieht vor, den wieder herzustellenden Kirchturm mit einem modernen, kinder- und familienfreundlichen sowie barrierefreien Gebäude zu kombinieren. Oder in einem Satz: „Der Bau soll unsere Vorgängerkirche würdigen, aber trotzdem an die Bedürfnisse unserer und der kommenden Generationen angepasst sein.“

März 2026: „Die neue Großröhrsdorfer Kirche nimmt Gestalt an“ –

und das nicht nur auf dem Papier, sondern auch als 3D-Modell. Der Wettbewerb ist abgeschlossen, der Siegerentwurf steht fest. Er kommt von dem Dresdener Architektenbüro Code Unique. „Der Siegerentwurf für die neue Stadtkirche knüpft behutsam an die Brandruine des alten Gebäudes an und behält die wunderbare Silhouette bei. Der Turm wird, wie vielfach gewünscht, als markantes und weithin sichtbares Wahrzeichen wieder aufgebaut. Der Innenraum dagegen wird neu aufgeteilt und gestaltet. Er soll bis zu 300 Menschen Platz bieten und gleichzeitig an kleinere Raumanforderungen flexibel angepasst werden können“, sagt Josua Littig von der Kirchgemeinde.

Wie geht es jetzt weiter?

„Mit dem erstplatzierten Büro werden zeitnah Vertragsverhandlungen über die weitere Planung geführt“, hieß es in der jüngsten Mitteilung der Kirchgemeinde. Und weiter: „Darauf folgen Entwurfs- und Genehmigungsplanungen. Nach Erteilung der Baugenehmigung können dann Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen beginnen, so dass der Bau bestenfalls Ende 2027/Anfang 2028 starten könnte.“ Doch die Bedeutung des Bauprojektes reicht weit über sein eigentliches Ziel hinaus: „Wir erleben gerade, wie etwas in unserer Gemeinde wächst – sichtbar zum Beispiel im Zusammenhalt und im Engagement. Viele Menschen bringen sich mit Ideen, Zeit und Unterstützung ein. Das macht Mut für den weiteren Weg und zeigt, dass wir nicht nur ein Gebäude, sondern auch Gemeinde bauen“, so Kirchenvorstand Jens Großmann. 

Uwe Menschner / 01.08.2026

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