Fest zur Kirchweihe in Göda

Die Mädchen vom Jugendchor in ihrer farbenfrohen Tracht trugen dazu bei, dass das Kirchenjubiläum in Göda ein Erfolg wurde. Foto: Torsten Lessig
Am zweiten Septemberwochenende feierte die Kirchgemeinde Göda den 950. Geburtstag ihres Gotteshauses. „Das Fest hat uns gezeigt: Unsere Gemeinde lebt und kann optimistisch in die Zukunft blicken“, sagt Gerhard Schneider, der die Vorbereitungsgruppe für die Veranstaltung leitete.
Göda. Auf einer Anhöhe gelegen, ist die Kirche St. Peter und Paul in Göda weithin sichtbar. Ihre Geschichte beginnt vor fast tausend Jahren: 1076 ließ der Bischof Benno von Meißen in Göda einen ersten steinernen Sakralbau errichten, der seitdem mehrfach umgestaltet und ergänzt wurde. Bei der Erneuerung 1892 erhielt der Turm die Doppelspitze. Auch im Innern bietet die Kirche Interessantes: In den 70-er und 80-er Jahren schuf der Bildhauer Friedrich Press zwölf fast mannshohe Holzfiguren, die Christus und elf Apostel zeigen. Den 950. Geburtstag des Gotteshauses nahm die Gemeinde nun zum Anlass, ein Fest zu organisieren, das bedeutend aufwendiger war als die übliche Kirchweih, die jährlich stattfindet. Rund ein halbes Jahr arbeitete eine achtköpfige Gruppe um den ehemaligen Kirchenvorsteher Gerhard Schneider an dem Programm. „Wir wollten diesen Geburtstag würdig begehen“, sagt der 82-jährige, aktives Mitglied der Gemeinde und Leiter des sorbischen Gemeindekreises.
Am 12. September, fand ein Vortragssymposium statt, das rund 200 Gäste anzog. Jens Bulisch referierte über die Geschichte der Kirchgemeinde in vorreformatorischer Zeit, Gertrud Mahling über die Entwicklung des Sorbischen in der Gemeinde, Ortspfarrer und Superintendent Christoph Rummel über die Baugeschichte der Kirche und Gerhard Schneider unter dem Titel „Quo vadis – wohin gehst du, Kirchgemeinde Göda?“ über seine Vision der Entwicklung bis zur 1000-Jahr-Feier. Am 13. September, dem Sonntag, folgte das, was aus Schneiders Sicht den Höhepunkt der Festlichkeiten darstellte: ein deutsch-sorbischer Gottesdienst mit der Predigt des Landesbischofs Tobias Bilz, der dazu extra aus Dresden angereist war.
Rund siebzig Gemeindemitglieder zwischen sieben und 88 Jahren wirkten als Sänger beziehungsweise Bläser in vier Chören im Gottesdienst mit, der Kurrende, dem Jugendchor, dem Kirchenchor und dem Posaunenchor. Mit etwa 400 Besuchern sei die Kirche gut gefüllt gewesen, berichtet Gerhard Schneider. „Besonders gefreut hat es uns Organisatoren, dass etwa ein Viertel Kinder und Jugendliche waren. Auch das zeigt, dass unsere Gemeinde lebt und optimistisch in die Zukunft blicken kann.“
Schneider würdigt in diesem Zusammenhang die musikpädagogische Arbeit Christoph Rummels, eines ehemaligen Thomaners. Ihm gelänge es wunderbar, die Jungen und Mädchen für die geistliche Musik zu begeistern und seine Fähigkeiten an sie weiterzugeben. „Insgesamt sind wir mit der Resonanz sehr zufrieden. Es hat uns eine große Freude bereitet, dass so viele Leute da waren – sowohl aus unseren eigenen Reihen als auch aus den Nachbargemeinden.“ Nachkommen eines früheren Gödaer Pfarrers seien sogar aus Berlin und Magdeburg gekommen, fügt der Mitorganisator hinzu. Einige Besucher hätten ihn im Nachgang kontaktiert, um zu betonen, wie beeindruckt sie von Symposium und Gottesdienst waren.
Das Sorbische spielte natürlich auch bei diesem Kirchenfest eine tragende Rolle. Alle Chöre trugen sorbische Lieder vor. Die Kinder hatten die Texte auswendig gelernt. Zahlreiche Frauen unter den Gottesdienstbesuchern und in den Chören waren in die Tracht der evangelischen Sorben gekleidet, erzählt Gerhard Schneider. Einen Großteil der Trachten habe man ausgeliehen. „Inzwischen kamen aber Frauen zu mir und kündigten an, sich selbst eine Tracht zulegen zu wollen, um sie bei entsprechenden Anlässen zu tragen“, erzählt Schneider. Er glaubt: Von diesem gelungenen Jubiläum werden wertvolle Impulse für die Entwicklung der Kirchgemeinde Göda ausgehen. „Ich bin optimistisch, dass die Kinder und Jugendlichen von heute in 50 Jahren mit ihren Nachkommen und vielen Gästen ein würdiges 1000-Jahr-Fest feiern werden“, meint er.