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Kampfansage gegen Vereinssportverbot

Kampfansage gegen Vereinssportverbot

Ein Team von Enthusiasten, in dem sich jeder auf seine Art und Weise dem Vereinssport verschrieben hat. Es will Vereinen während des Corona-Lockdowns eine Stimme geben und mit der Politik ins Gespräch kommen. Foto: Initiative Vereinszukunft-gestalten

Nun also auch noch der Dezember: Weil die Corona-Infektionszahlen nicht so stark zurückgehen, wie es sich die Politik im Zuge der vor Wochen für einige Lebensbereiche verhängten Zwangspause erhoffte, müssen die Menschen weiterhin mit den bekannten Einschränkungen vorliebnehmen. Betroffen ist ebenso der Vereinssport. Doch der stellt nun die scharfen Regelungen infrage.

Bautzen.
Schluss mit dem Corona-Maßnahmen-Wirrwarr in Deutschland und Gleichberechtigung für alle! Das fordern fernab von der Parteienlandschaft in der Spreestadt aktive Vereinssportler mit Blick auf die in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin praktizierten Sonderwege. An der Ostseeküste dürfen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren trotz der aktuellen Lage weiterhin in festen Strukturen einer körperlichen Betätigung nachgehen. In der Bundeshauptstadt erhalten Mädchen und Jungen bis zwölf Jahre diese Gelegenheit. „Vor dem Hintergrund der bereits im Frühjahr von vielen Vereinen eingereichten und von den Behörden genehmigten Hygienekonzepte ist es schwer zu verstehen, weshalb unsere Kinder nun plötzlich nicht mehr im Verein trainieren dürfen“, meinte unter anderem Handwerker Mike Hauschild. Auch sein Nachwuchs besuchte bis zum Beginn des neuerlichen Lockdowns die bis dahin angebotenen Trainingseinheiten. Doch seit November ist das im Landkreis Bautzen verboten. „Das nachzuvollziehen ist nicht einfach, wenn man Aussagen von Experten heranführt“, fügte der 48-Jährige hinzu. „Denen zufolge waren bislang im Kindervereinssport keine wesentlichen Ausbrüche von Corona-Erkrankungen zu beobachten gewesen.“ Zumal auch bekannt sei, dass bei den ganz jungen Semestern ein möglicher Krankheitsverlauf häufig geringer ausgeprägt und milder verlaufe als bei Erwachsenen. „Eltern können das durch die Zwangspause entstehende Defizit nicht ausgleichen“, ist sich der Bautzener sicher. Rückendeckung bekommt er von Maik Petzold, erfolgreicher Triathlet und Olympiateilnehmer in Athen 2004.

Spreestädter wollen auf Kornmarkt ein Zeichen setzen

„Kinder und Jugendliche brauchen die Gruppe als Motivator mehr als Erwachsene. Deshalb fahren sie ihre Aktivitäten in den meisten Fällen auf ein Minimum herunter. Dies wiederum hat zur Folge, dass gerade sehr aktive Kinder sich nicht beim Sport austoben und aggressives Verhalten an den Tag legen können.“ Eine solche Situation habe der 42-Jährige bereits einige Male auf dem Spielplatz erlebt. Vor diesem gesamten Hintergrund haben Mike Hauschild und Maik Petzold gemeinsam mit Übungsleitern von verschiedenen Vereinen eine Kampagne ins Leben gerufen. Ein öffentlichkeitswirksamer Auftakt ist für den 6. Dezember geplant – unter der Voraussetzung, dass die Politik hinsichtlich der Demonstrationsfreiheit die Maßnahmen nicht weiter verschärft. Eine Entscheidung stand zum Redaktionsschluss noch aus. „Die Aktion auf dem Kornmarkt hat dabei nicht die oberste Priorität“, weiß Maik Petzold. „Dafür aber die Online-Anmeldungen von möglichen Mitstreitern, da sich darüber weitaus mehr Individualteilnehmer gewinnen lassen, die wiederum Lobbyarbeit für ihren Verein machen.“ Und so soll das Ganze funktionieren: Die Aufstellung der Mitmachenden erfolgt ab 10.00 Uhr, der scharfe Start eine halbe Stunde später. „Wir stellen uns mit samt Mund-Nasen-Schutz in einem Raster mit Abstand zueinander auf. Jeder soll als Sportler erkennbar sein und sein Sportgerät dabei haben“, erklärte Mike Hauschild das angedachte Prozedere. „Wir wollen ein starkes Bild der Vielfalt der Freizeitsportler schaffen, um die derzeitigen Sportverbote für uns zu hinterfragen und im Endeffekt zu beenden.“

Initiatoren befürchten Vereinssterben

Anmeldungen werden online entgegengenommen. Jeder Sportler, der nicht in Bautzen dabei sein kann, soll bei sich an diesem Tag mit seiner Startnummer Sport treiben und am besten seinen Einsatz mit einem Foto dokumentieren. Ziel sei es, auf diese Weise mit den Entscheidern in Bautzen und Dresden ins Gespräch zu kommen. Laut Mike Hauschild bestimmen Landrat Michael Harig und Ministerpräsident Michael Kretschmer darüber, was in der Region coronabedingt gestattet ist und was nicht. Dass ein längerfristiges Verbot des Kinder- und Jugendvereinsports gravierende Folgen haben wird, davon sei auszugehen. „Das führt zu einer Mehrung von Vereinsaustritten“, sagt auch Multisportler Maik Petzold und nicht nur er befürchtet: „Dies wiederum hat eine finanziell prekäre Situation für die Klubs zur Folge. Kündigungen von hauptamtlichen Trainern und der Rückgang ehrenamtlichen Engagements ist dann keinesfalls mehr auszuschließen.“ Beide wiesen nochmals darauf hin, dass Sport an der frischen Luft gesund für Körper, Geist und Seele sei. Er biete zudem das Potenzial für Vereinsaktivitäten in der Gruppe mit einem relativ geringen Ansteckungsrisiko, da das Training draußen stattfinde. Damit griff er ein Argument der Politiker auf, das durch die Wissenschaft bislang nicht entkräftet wurde.

Ein Kontakt zu den Initiatioren lässt sich unter anderem per E-Mail herstellen.

Roland Kaiser / 28.11.2020

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Kommentare zum Artikel "Kampfansage gegen Vereinssportverbot"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. ines delling schrieb am

    Ich bin hauptamtlich Trainerin des MSV Bautzen 04 und sitze nun schon zum zweiten Mal zu Hause, da meine Arbeit mit den Kindern verboten wurde. Ich bin wütend, enttäuscht und manchmal auch sehr verzweifelt, denn ich weiß nicht, wie das enden wird. In meiner Sportart Akrobatik ist die Zeit unser größter Feind, denn die Kinder werden groß und können dann nicht mehr als Oberpartner trainieren, sie fangen als Unterpartner wieder von vorn an, vorausgesetzt, man hat sofort einen Ersatzpartner da. Die Grundausbildung der Akrobaten dauert auch mindestens 1 - 2 Jahre, bis sie soweit sind, auf statischen Pyramiden sicher zu stehen oder Saltos sicher zu beherrschen. Aber das ist leider zur Zeit alles unwichtig. Meine Sorge ist groß, daß viele Kinder die Lust verlieren und sich abmelden oder die Eltern einfach nicht mehr bereit sind, den Beitrag zu bezahlen ohne eine Leistung dafür zu erhalten.

  2. Ronny Völkel-Baier schrieb am

    Hallo, ich bin vom ESC Jonsdorf. Eishockey. Wir würden die Aktion mit dem Foto realisieren. Wo soll das Foto den hin gesendet werden?

    Kommentar der Redaktion:

    Sie erreichen die Initiatoren der Aktion unter der E-Mail-Adresse: kontakt@vereinszukunft-gestalten.de