„Kleine Schwester der Lessing-Tage“

Marie, Judith und Alexander gehörten zu den Besten: Die drei jungen Autoren erhielten für ihre Texte beim Schreibwettbewerb der „Lessing-Akzente“ im vergangenen Jahr wertvolle Büchergutscheine. Foto: Carsta Off
Seit 2008 finden jedes gerade Jahr in Kamenz im zeitlichen Umfeld zwischen Lessings Geburtstags- und Todestag die „Lessing-Akzente“ statt. Die Veranstaltungsreihe, zu der Theater, Lesungen, Ausstellungen, Gespräche und ein Schreibwettbewerb gehören, wechselt sich mit den „Lessing-Tagen“ in den ungeraden Jahren ab. „Sie ist gewissermaßen deren kleine Schwester“, formuliert es Matthias Hanke vom Lessing-Museum Kamenz.
Kamenz. Lessing-Zeit ist in der Lessing-Stadt Kamenz immer. Aber zwischen Ende Januar und Mitte März würdigt man hier den großen Aufklärer noch intensiver. Das hat Tradition: 1962 wurden in Kamenz die „Lessing-Tage“ etabliert, die stets in den Wochen zwischen Lessings Geburts- und Todestag über die Bühne gehen. „Diese Veranstaltung ist wahrscheinlich eines der ältesten Literaturfestivals in Deutschland“, kommentiert Matthias Hanke, Kurator und stellvertretender Leiter des Lessing-Museums in Kamenz. 2008 entschloss man sich, die „Lessing-Tage“ nur noch in den ungeraden Jahren zu organisieren. „Damit aber in den geraden Jahren keine Lücke entstand, stellten wir in diesen ein vergleichbares Programm mit geringerem Budget zusammen, gewissermaßen die kleine Schwester der größeren Veranstaltung“, berichtet Hanke. In beiden Fällen richten Lessing-Museum, Dada-Zentrum Kamenz, die Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption und der Bereich Stadtgeschichtliche Ausstellung im Malzhaus eine vielfältige Veranstaltungsreihe aus Theater, Lesungen, Ausstellungseröffnungen, Gesprächen und einem Schreibwettbewerb aus. In diesem Jahr starten die „Lessing-Akzente“ am 22. Januar mit einer Lesung des Autors Michael G. Fritz im Stadttheater. Enden wird die Reihe am 11. März mit der Vernissage zur Ausstellung „Ostdeutsche Grafik. Sammlung Hochstädt.“ im Malzhaus. Die dreizehn Veranstaltungen eint, dass sie einen Bezug zu Lessing und zur Aufklärung haben. Einige spiegeln auch wider, dass Sachsen 2026 das Jahr der jüdischen Kultur begeht, wie die erwähnte Lesung von Michael G. Fritz, die sich unter anderem mit Begegnungen in Israel beschäftigt, und eine Lesung zu Leben und Werk der Lyrikerin Rose Ausländer. Als Neuerung sind diesmal zwei Philosophische Montage in der Galerie im Sakralmuseum St. Annen dabei. Dieses Format gab es bei den „Lessing-Akzenten“ 2024 noch nicht. Vor zwei Jahren zog das Programm rund 550 Besucher aller Altersgruppen an – sowohl Fachpublikum als auch Leute, die allgemein an Kultur interessiert sind. Die „Lessing-Tage“ kommen in etwa auf das Doppelte.
Mit dem Schreibwettbewerb „Lessing zeilenweise“ wollen die Veranstalter gezielt Jugendliche ansprechen. „Auch der Wettbewerb ist traditionsreich: Er wurde 1974 an der damaligen Kamenzer Lessing-EOS entwickelt und später vom Lessing-Museum übernommen“, erzählt Museumspädagoge Johannes Pilz. Gewertet wird in zwei Alterskategorien: Schüler der neunten und zehnten Klassen sowie der elften bis dreizehnten Klassen aller weiterführenden Schulen Sachsens und aller Lessing-Schulen deutschlandweit können ihre Werke dafür einreichen. Die in diesem Jahr sechsköpfige Experten-Jury, wo auch Matthias Hanke und Johannes Pilz mitarbeiten, liest in den Wochen vor Beginn der „Akzente“ alle Texte und entscheidet gemeinsam, welche sprachlich und inhaltlich preiswürdig sind. Die Jugendlichen dürfen maximal fünf A-4-Seiten zu einem von drei Wahlthemen schreiben – zu Lessing-Zitaten, die zum Nachdenken und zur kreativen Interpretation anregen sollen. Bei dieser Auflage taten das rund fünfzig junge Autoren. Seit kurzem stehen die sechs Preisträger fest. Sie erwartet nach der Ehrung am 30. Januar ein Novum: Statt wie bis 2024 Büchergutscheine zu erhalten, nehmen sie an einer zweitägigen Schreibwerkstatt mit dem Autor Wolfgang Melzer teil. „Er wird mit den Jugendlichen intensiv an ihren Schreib- und Erzählfertigkeiten arbeiten“, kündigt Johannes Pilz an.