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Landsmannschaft Schlesien spricht von einem Lernprozess

Landsmannschaft Schlesien spricht von einem Lernprozess

Zweisprachige deutsch-polnische Ortsschilder in Oberschlesien sind weit schwieriger umzusetzen als sorbische in der Oberlausitz - und dies bei meist höherem Minderheitsanteil in Oberschlesien. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Berlin. Bei der Bundesdelegiertenversammlung/Schlesische Landesvertretung, dem höchsten Gremium der Landsmannschaft Schlesien, wurde in Berlin zwei Ereignissen besonders gedacht: 80 Jahre Vertreibung im Rahmen der Operation „Schwalbe“ – dem Decknamen für die Aussiedlung durch Polen in die britische Besatzungszone Deutschlands 1946/47 sowie 35 Jahre des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages.

Vor diesen Hintergründen verabschiedeten die Delegierten nachstehende die folgende „Berliner Erklärung“: „Vor nunmehr 80 Jahren mussten im Rahmen der Vertreibung die meisten Schlesier ihre angestammte Heimat verlassen. Dies führte maßgeblich zur Gründung unserer Landsmannschaft und bestimmt bis heute unsere Arbeit. Allerdings sind seit den Tagen der Vertreibung die Mehrzahl der unmittelbar Betroffenen nicht mehr unter uns. Geblieben ist jedoch auch bei vielen Nachkommen ein geschärftes Unrechtsbewusstsein im Blick auf Vertreibungen und die Liebe zur Heimat der Vorfahren, zu Schlesien.

Als Landsmannschaft haben wir aber auch Lernprozesse durchlaufen. Durch das am eigenen Leibe erfahrene Unrecht konnten die Betroffenen viel zu oft das Leid der anderen Seite nicht genügend würdigen. Heute machen wir uns stärker bewusst, dass auch viele der damals in Schlesien neuangekommenen Menschen ein schweres Schicksal hinter sich hatten, zuweilen selbst Vertriebene waren und häufig auf bittere Erfahrungen mit der deutschen Besatzungsmacht zurückblickten. Vor einem solchen Hintergrund ist das zweite Ereignis ein sehr erfreuliches: die 35-jährige Wiederkehr der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages. Gottlob ist dieser Vertrag keine bloße Absichtserklärung geblieben, sondern an vielen Stellen mit Leben erfüllt worden. Daran waren die Schlesier nicht unbeteiligt. Aber auch hier haben wir als Landsmannschaft einen Lernprozess durchlaufen. Wir erkennen vorbehaltlos an, dass die Nachkommen der Familien, die nach dem 2. Weltkrieg nach Schlesien kamen, sich inzwischen dort beheimatet haben und zu einem großen Teil Schlesien so lieben wie wir. Dies schafft eine natürliche Verbundenheit zwischen uns, die es uns erleichtert, zusammen mit den polnischen Schlesiern für unsere gemeinsame Heimat zu arbeiten. Wir hoffen, dass dieses beidseitige Streben noch stärker als bisher schon zu einer zwischenmenschlichen Verbundenheit führt. Als Landsmannschaft wollen wir unsere Arbeit in Zukunft noch stärker in diese Richtung lenken. Damit verbinden wir auch die Hoffnung auf ein gutes Verhältnis zu den offiziellen Stellen im jetzt polnischen Schlesien. Sicher existieren auf beiden Seiten hin und wieder Missverständnisse. Und ebenso ist uns im polnischen Teil Schlesiens manches fremd geworden. Aber mit der Hilfe unserer polnischen Landsleute in Schle-sien sind wir gewiss, dass bestehende Missverständnisse abgebaut werden können und aus Fremdheit Verständnis erwächst.“

tsk / 03.08.2026

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