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Neustart für den Kaleidozyklus

Neustart für den Kaleidozyklus

Auf den Flächen des kristallförmigen Körpers sind unter anderem Jahreszahlen und Motive aus der Stadtgeschichte dargestellt.

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Eine von der Firma Aurin entwickelte Seilzug-Hebevorrichtung sorgt dafür, dass die im Turm befindlichen Objekte unkompliziert ausgetauscht werden können.

Das dreibeinige orangene Gestell im Stadtzentrum fand bislang nur wenig Anklang bei den Bischofswerdaern. Durch eine unlängst beendete Neugestaltung soll sich dies nun ändern.

Bischofswerda. Seit 2007 ziert ein Kunstobjekt den Bischofswerdaer Altmarkt, mit dem die Bewohner der Stadt nie so richtig warm wurden. Der Mediaturm – ursprünglich als interaktives mediales Objekt gedacht – konnte seinen zugedachten Zweck nie richtig erfüllen. Einerseits, weil die darin verbaute Technik schon bald den Geist aufgab; andererseits aber auch, weil das dreibeinige orangene Gestell mit seinem Inhalt für viele Betrachter immer ein Fremdkörper blieb. Kunstschmied und Metallgestalter Steffen Aurin hat eine klare Meinung darüber, woran das lag: „Die Idee war eigentlich recht gut. Aber jedes Kunstobjekt hat eine Botschaft, die es zu vermitteln gilt. Und diese Botschaft hat der Betrachter nicht erkannt. Das Objekt war zu wild, zu undefiniert.“

Doch die Stadt Bischofswerda kam immer wieder aufkeimenden Forderungen, den Turm abzubauen, nicht nach; im Gegenteil: Sie hat sein Innenleben erneuern lassen. Dazu erklärt Oberbürgermeister Holm Große: „So wie der Mediaturm in der Mitte des Altmarktes steht, sollte er auch einen Platz in der Mitte unserer Herzen finden. Mit der Installation des Herrnhuter Sternes haben wir den ersten Schritt dazu getan – mit der Umgestaltung des sogenannten Kaleidozyklus gehen wir den nächsten.“ Auf den Flächen des kristallförmigen Körpers sind unter anderem Jahreszahlen und Motive aus der Stadtgeschichte dargestellt: 1286 für das erste Rathaus, die Stadtwappen von 1361 und 1559, die ersten Innungen von 1406 und der Bau der sächsisch-schlesischen Eisenbahn um 1845. Gleichzeitig bestand der Wunsch der Stadtverwaltung, am Kaleidozyklus zwei freie Flächen zu schaffen, die künftig für Informationen oder Ankündigungen genutzt werden können – zum Beispiel für Veranstaltungen oder auch für das 800-jährige Stadtjubiläum Bischofswerdas im Jahr 2027. 

Am Abend schaltet sich zudem die Innenbeleuchtung des Objekts ein, um die Flächen des Kristalls auch bei Dunkelheit sichtbar zu machen. 
Die Neuanfertigung des so genannten Kaleidozyklus erfolgte in der Werkstatt von Steffen Aurin im Stadtteil Schönbrunn. Der Kunstschmied erklärt, worauf er dabei besonderen Wert legte: „Wir haben den Kaleidozyklus etwas abgespeckt, geometrisch klarer gestaltet und die Symmetrie nach dem Goldenen Schnitt beachtet.“ Eine ebenfalls von der Firma Aurin entwickelte Seilzug-Hebevorrichtung sorgt dafür, dass die im Turm befindlichen Objekte unkompliziert ausgetauscht werden können. Der Oberbürgermeister kann sich zum Beispiel eine Discokugel zum Stadtfest, einen Erntekranz zum Herbstmarkt oder einen Herrnhuter Stern, wie schon in der Weihnachtszeit 2025 praktiziert, vorstellen. Nun bleibt abzuwarten, ob der Mediaturm im zweiten Anlauf seinen Platz im Herzen der Bischofswerdaer findet. Oberbürgermeister Holm Große weist darauf hin, dass auch der Paradiesbrunnen, im Volksmund Evabrunnen, zum Zeitpunkt seiner Errichtung vor etwa 100 Jahren umstritten war. Der Sächsische Erzähler schrieb damals: „Der Brunnen fügt sich sehr gut in das Bild unseres Marktplatzes. Die Meinungen über den künstlerischen Wert sind, wie bei jedem Kunstwerke, noch verschieden; vielleicht werden erst spätere Generationen die eigenartige Schöpfung Köppls in ihrem vollen Werte zu würdigen verstehen“. Der Oberbürgermeister hofft beim Mediaturm nun auf denselben Effekt.

Uwe Menschner / 11.04.2026

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