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Nieskyer Handel im Wandel der Zeiten

Nieskyer Handel im Wandel der Zeiten

Das an der Nordseite des Zinzendorfplatzes gelegene Geschäft Riis & Co. der Evangelischen Brüder-Unität auf Seite zur Muskauer Straße wurde nach 1945 nicht wieder hergestellt. Besonders bekannt war die angeschlossene Kaffeerösterei. Foto: Museum Niesky

Niesky. Das Museum Niesky nimmt Besucher mit auf einen historischen Einkaufsbummel durch Nieskyer Geschäfte. Die neue Ausstellung erzählt Episoden aus der Geschichte Nieskyer Geschäfte anhand historischer Fotografien.

Die 1742 gegründete Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Gewerbe- und Marktzentrum. Handwerker und Kaufleute, die sich hier angesiedelten, zeichneten sich durch Fleiß, Ordnung und handwerkliches Können aus, so dass die Bewohner der umliegenden Dörfer gern nach Niesky kamen, um hier einzukaufen oder ihre Erzeugnisse selbst auf dem Wochenmarkt zu verkaufen. Anfangs regulierte die Brüdergemeine die Ansiedlung von Handwerksbetrieben und Geschäften, um ein Konkurrieren zweier gleicher Gewerke innerhalb Nieskys zu verhindern. Viele Handwerker und nicht der Brüdergemeine angehörende Arbeiter ließen sich deshalb in den neu gegründeten Vororten nieder. Durch den schnellen Aufschwung des ortsansässigen Industrieunternehmens Christoph & Unmack wuchsen die Einwohnerzahlen von Neuhof, Neusärichen und Neuödernitz schnell an. Mit der Industrialisierung waren große Teile der Bevölkerung nicht mehr Selbstversorger. So wurden Wochenmärkte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr vom stationären Einzelhandel abgelöst. In jeder Straße gab es nun neben einem Bäcker und einem Fleischer viele kleine Ladengeschäfte. Schneider, Schuhmacher, Seifensieder, Uhrmacher und andere Handwerker verkauften ihre Erzeugnisse nun nicht mehr aus ihrer Werkstatt heraus, sondern richteten separate Verkaufsläden ein. Einige alteingesessene Familien betrieben ihr Gewerbe über Generationen hinweg.

Damals noch neu, aber bald typisch für das ausgehende 19. und frühen 20. Jahrhundert waren die sogenannten Kolonialwarenläden. Sie boten nicht mehr nur heimische Grundnahrungsmittel an, sondern auch Delikatessen aus Übersee, wie Schokolade, Kaffee und Tee. Sie sind damit die Vorläufer unserer heutigen Supermärkte. Um die Jahrhundertwende schlossen sich einige Kolonialwarenhändler zu kleinen Konsumvereinen zusammen, um gemeinsam ihre Waren preiswerter an- bieten zu können.

Die Berliner „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler am Halleschen Torbezirk zu Berlin“ (abgekürzt EDEKA) gibt es gar bis heute.

Im Dezember 1945 wurde in der Sowjetischen Besatzungszone die Konsumgenossenschaft ins Leben gerufen und 1948 die Staatliche Handelsorganisation (HO) gegründet. Private Läden wurden in der Warenzuteilung benachteiligt und so nahm ihre Anzahl immer weiter ab. Nach der Wiedervereinigung blühten Handel und Gewerbe wieder auf. Zahlreiche Nieskyer wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. Faktisch auf der grünen Wiese wurden in den 90er-Jahren jedoch auch neue Einkaufs- und Gewerbezentren gebaut.

Die Ausstellung wird bis zum 11. Oktober im Johann-Raschke-Haus gezeigt.

PM/tsk / 14.07.2026

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