Was aus der Landbau-Brache werden soll

Vor Ort stellt sich das Areal als wild bewachsene Brachfläche zwischen den bebauten Straßenzügen der Bischofswerdaer Südvorstadt dar.
Bischofswerda. Die Stadt Bischofswerda schafft die Voraussetzungen für die Erschließung eines neuen Wohngebietes: Auf einer seiner jüngsten Sitzungen hat der Stadtrat den Bebauungsplan „Wohngebiet Putzkauer Straße“ als Satzung beschlossen. Laut der Begründung des Plans, dessen Aufstellung bereits 2020 beschlossen wurde, handelt es sich um das Gelände des früheren Landbau-Kombinates, das von der Putzkauer bis fast an die Belmsdorfer Straße reicht. Auch der frühere Verkehrsgarten gehört zum Plangebiet. Eigentümerin ist laut der Begründung die Volksbank Dresden-Bautzen. Im Januar 2001 waren im Zuge der Altlastensanierung die beiden Leichtflüssigkeits-Abscheider sowie die Fäkaliengrube ausgebaut worden. Eine „Restbelastung“ sei jedoch im südöstlichen Bereich der „Grube 1“ im Boden verblieben. Dies sei bei weiteren Erdarbeiten zu beachten. Zwischen 2006 und 2011 soll „laut Luftbildaufnahmen“ eine weitere Gewerbefläche abgerissen worden sein. Vor Ort stellt sich das Areal als wild bewachsene Brachfläche zwischen den bebauten Straßenzügen der Bischofswerdaer Südvorstadt dar.
Möglich ist laut der Planbegründung eine Mischbebauung aus Ein- und Mehrfamilien-Wohnhäusern. Die Verkehrserschließung des geplanten Wohngebietes könne sowohl von der Belmsdorfer als auch von der Putzkauer Straße aus erfolgen. Zusätzlich sei eine fußläufige Anbindung an die Siedlerstraße vorgesehen. Mit dem Beschluss wurden die planerischen Voraussetzungen geschaffen; die tatsächliche Umsetzung obliegt allerdings dem Eigentümer des Areals oder einem entsprechenden Investor.
Interessante Historie
Das Grundstück Putzkauer Straße 5, dem das frühere Landbaukombinat zugeordnet war, hat eine interessante Historie. Hier befand sich eine Barackensiedlung, die in NS-Zeiten als Reichsarbeitsdienstlager, später als Auffanglager für Kriegsgefangene sowie für Waisenkinder diente. Am 29. März 1951, also vor fast genau 75 Jahren, traf der erste Transport von früheren Angehörigen der französischen Fremdenlegion in Bischofswerda ein, wie Eckard Michels in seinem Buch „Deutsche in der Fremdenlegion“ berichtet.
Für diese war hier ein Auffanglager eingerichtet worden. Anhand der Quellenlage lässt es sich nicht mit Gewissheit verifizieren, doch es liegt nahe, dass sich auch dieses auf dem Gelände an der Putzkauer Straße befand. Bis 1956 trafen demnach mit insgesamt sieben Transporten 761 Legionäre ein, die in Indochina – vornehmlich in Vietnam – gekämpft hatten und aus der Legion dersertiert waren. Die Rückkehrer seien gut versorgt, aber „politisch instrumentalisiert“ worden, schreibt Eckard Michels. Heute erinnert vor Ort nichts mehr an dieses besondere Kapitel der Bischofswerdaer Stadtgeschichte.
Uwe Menschner
Weiß jemand Genaueres über das Lager an der Putzkauer Straße und die verschiedenen Personengruppen, die hier untergebracht waren? Bitte schreiben Sie gern an uwe.menschner@LN-Verlag.de.