Zwei mehr oder minder historische Kufen-Mahnungen

Nieskys Eishockeygeschichte gibt es derzeit an vielen deutschen Kiosken zu kaufen. Foto: Till Scholtz-Knobloch
Niesky/Jonsdorf. Am Samstag, dem 10. Januar, 18.30 Uhr, starten die Tornados zu Hause gegen den ESC Dresden ins neue Jahr. Nach der katastrophalen 2:17-Niederlage bei den Lauterbacher Luchsen muss gegen den Tabellennachbarn ESC Dresden dringend ein Sieg schon für das Selbstwertgefühl her. Der ELV Niesky hatte das Spiel in Hessen so charakterisiert: „Indiskutables Abwehrverhalten gepaart mit fehlendem Teamgeist führten die Mannschaft von Jens Schwabe ins Verderben.“ Der Lauterbacher Anzeiger hingegen betonte, dass die 326 Zuschauer eine Antwort auf „die ärgerliche Overtime-Niederlage in Niesky vom 1. November“ erlebten. Am 11. Januar müssen sich die Tornados dann um 16.00 Uhr im Berliner Wellblechpalast bei den Eisbären Juniors neu beweisen.
Aktuell kann sich der Eishockeyfan in Niesky noch damit trösten, dass das Schicksal auch härter zuschlagen kann.
Das kam noch im alten Jahr zum Ausdruck, als die Verbundenheit der Oberlausitzer Eishockeakteure in einem bewegenden Moment zum Tragen kam. Der ehemalige Vorsitzende des ESC Jonsdorf – Zittauer Gebirge e.V. Ronny Völkel-Baier übergab dem Vorstand des ELV Niesky einen Spendenscheck „in einer beträchtlichen Höhe“, wie es hieß. Das Geld stammt aus dem Vermögen des aufgelösten Eissportvereins in Jonsdorf. 2023 hatte der dortige Gemeinderat die Schließung der Eishalle beschlossen und nahm damit dem ESC die Basis für seine Existenz. Nach jahrelangem Investitionsstau und mangelndem politische Willen oder Möglichkeiten war die Vereinsauflösung logische Konsequenz. Damit verlor der Kreis Görlitz einen seiner drei Eishockeystandorte. Für den ELV Niesky bedeutete das auch die Auflösung der Spielgemeinschaften im Bereich des Nachwuchses. Auf der letzten Mitgliederversammlung des ESC Jonsdorf am 6. September 2024 war im Rahmen der Vereinsauflösung auch festgelegt worden, dass das Restguthaben an Sportvereine der Region gehen soll. Der ELV Niesky als langjähriger Partner wurde dabei wohlwollend bedacht, denn den Jonsdorfern war klar, dass die Nieskyer ab sofort die Kosten für den kompletten Spielbetrieb im Nachwuchs alleine tragen müssen. Der ELV Niesky kommunizierte: „Auch wenn jetzt der ELV von der Auflösung des Jonsdorfer Verein finanziell profitiert, ist uns allen diese Entwicklung sogleich eine Mahnung!“.
Derzeit gibt es sogar noch überregional publizistischen Balsam für die Nieskyer Eishockey-Seele. Die Sonderausgabe Dezember / Januar / Februar „Triumphe und Tragödien“ der bundesweit erscheinenden „Eishockey News“ widmen sich der Geschichte von 100 Eishockeystandorten in ganz Deutschland und lassen für Niesky darin auch Jens Schwabe und Gerd Jandik zu Wort kommen. Schade nur, dass dem Leser hier nur eine Geschichte ab 1947 über SV Eintracht und BSG Einheit erzählt wird, so, als habe es nie einen Winter 1810 gegeben.
Damals begaben sich die Primaner des Pädagogiums erstmalig auf Schlittschuhen auf das Eis des Moryteichs. Lehrer Nitschmann hatte die Inspiration dazu aus dem Brüdergemeineort Neuwied mitgebracht, wo britische und niederländische Schüler den Kufenvirus eingeschleppt hatten. Neuwied hat übrigens dem Alphabet folgend, den Eintrag im Sonderheft gleich vor Niesky. Dort soll alles auch erst 1979 begonnen haben. Zumindest wird für Neuwied ähnlich geschichtsvergessen der „eigenständige“ Verein als einziger Ankerpunkt des Gedächtnisses auserkoren. Übrigens hatte Neuwied im 200. Jubiläumsjahr der Nieskyer Eishockegeschichte in Niesky gewonnen. Jens „Theo“ Schwab meinte sich im Telefonat mit der Redaktion daran zu erinnern, dass dieses Spiel 2015 im Rahmen einer „Verzahnungsrunde“ stattgefunden habe. Das heißt im Umkehrschluss: Im Grunde steht nach über 200 Jahren ein Spiel in Dankbarkeit für die Geburtshilfe mit dem „Eishockey-Club Neuwied – Die Bären“ noch aus. Dieser bildet mit den besten drei Teams der Niederlande und vier aus Belgien die CEHL (Central European Hockey League) als Benelux-Eliteliga.