Hufeisennase und Baugrundbohrung

Region. Zur Jahreswende ist Band 33 der „Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz“ erschienen. Mit 208 Seiten und zahlreichen Abbildungen setzt er die Reihe als eine der wenigen regelmäßig erscheinenden Fachpublikationen zur Natur der Oberlausitz fort. Neben den Veröffentlichungen des Museums der Westlausitz Kamenz sind die „Berichte“ damit das wichtigste regionale Forum für naturkundliche Forschung zwischen Zittauer Gebirge, Muskauer Heide und Neiße. Die Beiträge stammen sowohl von Fachwissenschaftlern als auch von engagierten Kennern der Region.
Der Band eröffnet mit einer zoologischen Überraschung: Erstmals seit rund drei Jahrzehnten wurde in der Oberlausitz wieder eine Wochenstube der Kleinen Hufeisennase nachgewiesen. Ob die seltene Fledermausart dauerhaft in die Region zurückkehrt, wird sich zeigen – der Fund gilt jedenfalls als bemerkenswertes Signal.
Es folgen vier botanische Arbeiten. Sie reichen von Untersuchungen zu Flechten und Moosen in Wirtschaftswäldern entlang der deutsch-polnischen Grenze über eine historische Aufarbeitung zum kultivierten Sumpfporst im Naturschutzgebiet Trebendorfer Tiergarten bis hin zu Pilzerkrankungen an Apfelbäumen in einer Streuobstwiese. Hinzu kommen die floristischen Beobachtungen des Jahres 2024, die zahlreiche neue und seltene Pflanzenfunde dokumentieren. Ein geologischer Beitrag widmet sich einer Baugrundbohrung im Neiße-Engtal von Görlitz. Dabei wurde ein tektonisches Becken nachgewiesen, das sich in vergleichsweise junger geologischer Zeit um rund 17 Meter abgesenkt hat – ein Hinweis darauf, dass die Landschaft auch nach der Eiszeit nicht völlig zur Ruhe gekommen ist. Weitere Aufsätze führen in vergessene Steinbrüche mit Säulenbasalt in der Oberlausitz und in Nordböhmen, berichten über die Fortführung der Naturschutzarbeit in der Bergbaufolgelandschaft der Muskauer Heide und stellen neue Untersuchungen zu Tier-, Pflanzen- und Pilzarten einer jungen Streuobstwiese in Ostritz vor. Einen anderen Akzent setzt der Bericht über die Frühlingsexkursion der Gesellschaft zu den Militscher Teichen bei Militsch (Milicz) in Niederschlesien. Der Beitrag von Brigitte Westphal schildert die Eindrücke dieser traditionsreichen Teichlandschaft, die heute als bedeutendes Vogel- und Feuchtgebiet gilt. Abgerundet wird der Band durch Buchbesprechungen, eine umfangreiche Bibliographie zur Natur der Oberlausitz, Gesellschaftsnachrichten aus dem Vereinsleben. Band 33 ist für 27 Euro erhältlich – über die Internetseite der Gesellschaft oder im Senckenberg-Museum Görlitz.