Als Görlitz eigene Briefmarken druckte

Dieser Brief mit unterschiedlichen Briefmarkenwerten der Görlitzer Lokalpost wurde am 8. November 1945 verschickt. Foto aus der Sammlung Wolfgang Köhn
Als Görlitz 1945 auf einmal geteilt war, ging nicht nur die gewohnte Postleitzahl 8 flöten, ohne die Oberpostdirektion Breslau gab es nun erst einmal eigene Briefmarken am Westufer. Sammler beiderseits der Grenze sind heute im Hobby vereint und so in Kürze wieder gemeinsam Aussteller.
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Zur Ausstellung im Dom Kultury gibt es einen Stempel mit der Hl. Hedwig von Schlesien. Entwurt: Mieczyslaw Kula
Görlitz/Niesky. Im Rahmen der ’Dni Zgorzeleca’ (Görlitzer Tage) vom 17. bis 19. Juli ist in der Oberlausitzer Ruhmeshalle (Dom Kultury) wieder eine Briefmarkenschau in Partnerschaft polnischer Philatesten mit dem Görlitzer Briefmarken-Sammler-Verein e.V. geplant. In diesem Jahr stehen dabei Heilige der Kirche im Blick, eine Perspektive, die die polnischer Sammler eingebracht haben. Das Stadtfest wird 2026 sonst übrigens beim Stadion Miejski im. Jozefa Wiatrowskie-go in der ulica Maratonska ausgerichtet, da rund um das Amphitheater derzeit Bauarbeiten stattfinden. Geplant sind vor allem musikalische Angebote. Erwartet werden unter anderem Auftritte von Lydka Grubasa, C-BooL und Blacha 2115 – von Rock über Elektro bis Rap.
Joachim Neumann wird für die deutschen Philatelisten die Ausstellung im Dom Kultury wieder betreuen. Dem Niederschlesischen Kurier hat er zugleich einen Beitrag zur Verfügung gestellt, in dem er berichtet, wie der harte Schnitt 1945 Einfluss auf die Post nahm:
Die schlesischen Gebiete westlich der Neiße waren nach dem Ende des zweiten Weltkrieges von der bis dahin zuständigen Oberpostdirektion (OPD) Breslau abgeschnitten, die nun nicht mehr existierte. Mit der Überschrift „Die Post in Görlitz wieder in Betrieb“ erschien in den Bekanntmachungen für Görlitz-Stadt und den Landkreis Görlitz am 7. Juni 1945 folgende Anzeige: „Ab sofort wird der Postbetrieb in Stadt und Landkreis Görlitz, jedoch vorläufig nur westlich der Neiße, wieder aufgenommen.“ Die alten Postwertzeichen würden nicht mehr akzeptiert werden, es erfolge eine Barfreimachung
Die Zusteller (Postboten) trugen weiße Armbinden mit der Aufschrift Post in Deutsch und Russisch. In der Veröffentlichung zur Lokalausgabe Niesky wird der 9. Juni als Beginn des Postverkehrs genannt. Die Verbindung nach Niesky zur Aufnahme eines Postverkehrs wurde durch Stadtrat Horstmann angefragt. Am 19. Juni 1945 gab es dazu in Görlitz eine Gesprächsrunde. Dabei erfuhren sie, dass der Postverkehr von der sowjetischen Kommandantur genehmigt wurde und fortan zensiert wird.
Die Anzeige der Orte für die Einbeziehung in den Postverkehr erfolgte in der Bekannt-machung der Stadt Görlitz am 14. Juni 1945. Die Herausgabe der Bekanntmachungen erfolgte durch das Presseamt der Stadt Görlitz. Der Leiter war Paul Henke. „Die Herausgabe und Herstellung eigener Postwertzeichen wurde angeregt durch die Oberpostsekretäre Stein und Paschke, die auch die Genehmigung durch die Stadtverwaltung und die sowjetische Kommandantur erwirkten und alle erforderlichen Schritte unternahmen.“ Dieser Katalog war wahrscheinlich die erste komplette Veröffentlichung zu der Stadtpostausgabe Görlitz. Die erste Ausgabe erschien am 12. Juni 1945 mit großer Wertziffer (5 und 6 Pfennig) und dem Stadtwappen (8 und 12 Pfennig) in der Mitte der Marke. Die Marken wurden im Buchdruck durch die Firma Hoffmann & Reiber, Demianiplatz 28, hergestellt.
Der Entwurf der Lokalmarken erfolgte durch P. Henke oder lag nach anderen Quellen in der Autorenschaft Höhne und Zobel. Der Name P. Henke kann für Paul Henke, den Leiter des Presseamtes, stehen. Der Druck erfolgte auf Kleinbögen 5 x 2 Marken auf hellgraugelben bzw. 5 x 4 Marken auf hellgelbgrauem Papier. Die Papierarten werden in allen Katalogen sehr unterschiedlich bezeichnet. Es war ein einfaches, gewöhnliches Papier und damit gut von den späteren Ausgaben zu unterscheiden.
Post bekennt sich mit Stempel zur Zensur
Fehlerhafte Marken sind an sich Makulatur. Es ist zu vermuten, dass solche Stücke aus der Druckerei entwendet wurden und so in die Öffentlichkeit oder zu dieser Zeit bereits an die sehr aktiven Briefmarkenhändler gekommen sind. Nach dem Sammler-Express vom Juni 1953 wurden diese durch die Post nicht anerkannt, so dass Belege mit diesen Marken durchaus als Machwerke von Händlern und Sammlern zu bewerten sind. Nach einer anderen Quelle soll es sich um Probedrucke handeln, mit einer eventuellen Auflage von 1.000 Stück auf grauem Papier und glattem Gummi.
Besonders Kleinbögen mit 10 Marken sind sehr selten. In der Sammlung von Ludwig Steiniger ist ein Bogen erhalten geblieben. Diese Sammlung wurde vom langjährigen Vorsitzenden des Görlitzer Briefmarken-Sammler-Vereins e.V. an das Görlitzer Ratsarchiv übergeben. Der Kleinbogen in der Größe von 5 x 4 Marken war danach der Standardbogen.
Am 19. Juni 1945 erschienen neue Richtlinien für die Postsendungen. „Die Zensur der Brief- und Paketpost im neuen demokratischen Deutschland dient…“. Von nun an kamen zwei Zensurstempel (unterschiedliche Maße) am linken oberen Rand zum Einsatz. Die Inschrift der zweizeiligen Stempels war „Zensur / Postamt Görlitz“. Der Einsatz der Stempel endete im letzten Drittel des Julis. Am 30. Juni wurde der Postverkehr auf Zittau, Löbau, Bautzen, Dresden, Chemnitz, den Kreis Rothenburg und auf die in der Nähe liegenden Ortschaften erweitert. Oft waren aber in den Zielorten die Poststellen noch nicht in Betrieb, wie zum Beispiel in Niesky. Die Aufnahme des Postverkehrs in Niesky begann erst am 11. Juli. Die Nieskyer Briefmarken (Lokalausgaben) nach dem Vorbild von Görlitz erschienen am 26. Juli 1945. Sie wurden ebenfalls in der Druckerei Hoffmann & Reiber gedruckt.
Ende Juli, Anfang August drohte der Druckerei das Papier zu Ende zu gehen. Die ehemals westschlesischen Gebiete der OPD Breslau wurden ab dem 1. August 1945 der OPD Dresden zugeordnet. Die Genehmigung zum Druck von Marken bzw. die Bereitstellung von Briefmarken oblag nun der OPD Dresden. Ab diesem Zeitpunkt sind Mischfrankaturen insofern mit der Ausgabe von Ostsachsen möglich.
Mit der PLZ ging das letzte Postrelikt von Schlesien
Da keine Marken zur Verfügung standen, erhielt man von der OPD die Genehmigung zu einer weiteren Auflage auf weißem Kreidepapier. Diese Ausgabe erschien im August 1945. Am 31. August 1945 wurde der Verkauf der Stadtpostwertzeichen abgeschlossen, gültig waren sie noch bis 31. März 1946, nach dem Michel-Katalog gar noch bis 31. Oktober 1946.
Diese letzte Auflage war bereits nach kurzer Zeit vergriffen. Andere Wertzeichen lagen ausreichend vor, so dass keine weiteren Auflagen erforderlich gewesen wären, wenn nicht durch Sammler und Händler unzählige Bestellungen und Anfragen vorgelegen hätten, die nun entstandenen Marken blieben in Sammlerhand.
Interessant in der Übergangsphase ist auch, dass die Postleitzahl (PLZ) 8 bis zum 15. Oktober 1945 galt. Danach galt die PLZ 10 für Ostsachsen, später wurde daraus die PLZ 10a.