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Görlitzer Synagoge ist ein Bekenntnis für jüdisches Lebens

Görlitzer Synagoge ist ein Bekenntnis für jüdisches Lebens

Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird an der Synagoge von Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Octavian Ursu begrüßt. Foto: Matthias Wehnert

Mit der Einweihung der sanierten Görlitzer Synagoge hat es die Stadt wieder in die überregionalen Schlagzeilen geschafft. Die Festveranstaltung wurde am Montag sogar live auf www.mdr.de übertragen. Nun fehlt im Grunde nur noch der Davidstern als krönender Abschluss auf dem Jugendstilbau.

Görlitz. Kulturstaatsministerin Monika Grütters freute sich sichtlich: „Pünktlich zum Festjahr ‚1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland‘ erstrahlt die Synagoge Görlitz wieder in neuem Glanz und alter Schönheit.“ Grütters war aus Berlin angereist, auch weil der Bund die Sanierung mit rund 2,8 Millionen Euro unterstützt hatte. Die Synagoge könne nun als authentischer Ort der Erinnerung Raum geben für Begegnungen in Vielfalt, die die langen Traditionen jüdischen Lebens in Deutschland wieder aufgreifen. Das Kulturforum Görlitzer Synagoge sei damit zugleich auch eine Inspiration gegen Antisemitismus.

Seit Anfang der 90er Jahre war das Gebäude für rund 12,6 Millionen Euro gesichert und saniert worden. Das „Kulturforum Görlitzer Synagoge“ wird künftig als Veranstaltungszentrum genutzt. Dass dies konzeptionell angesichts vieler Görlitzer Bühnen und gerade der Diskussion um die Stadthalle nicht unproblematisch ist, musste am Festtag jedoch zurücktreten.

Das Gebäude wurde bis 1911 in damals sensationeller Stahlbetonkonstruktion von William Lossow und Max Hans Kühne geschaffen, die unter anderem auch für den Leipziger Hauptbahnhof verantwortlich waren. Als eine der ganz wenigen in ihrer Substanz erhaltenen Synagogen war der Bau als solcher der eigentliche Star des Festaktes.

1963 erwarb die Stadt die Synagoge von der Jüdischen Gemeinde Dresden und nutzte sie als Lagerraum für Kulissen des Theaters. Der Verfall schritt soweit voran, dass in den 70er Jahren ein Abriss erwogen wurde. „Ein gleichlautender Beschluss des Sächsischen Landtages und des Görlitzer Stadtrates im Jahr 1991 für ein Europäisches Bildungs- und Informationszentrum brachte schließlich die Initialzündung für den langen Weg der Sanierung“, betont nun die Stadtverwaltung dankbar. Diese bekam Schub und Fördermittel durch die Gründung des Förderkreises Görlitzer Synagoge e.V. 2004, die Einstufung des Gebäudes 2012 als Denkmal von nationalem Rang durch den Bund und 2017 die Erstellung eines Nutzungskonzepts für das Kulturforum Görlitzer Synagoge, das von der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH als städtische Tochter betrieben werden wird.
Die Sanierung ist gleichwohl nicht vom Bund allein finanziert, sondern auch mit Mitteln vom Land, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit der Stiftung Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, europäischen Geldern, diversen Stiftungsmitteln, wie auch durch private Spenden.

Mit der bereits eingerichteten Wochentagssynagoge haben Juden aber auch die Möglichkeit, in der Synagoge ihren Glauben zu praktizieren. Michael Hurshell, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dresden, gab so auch seiner Hoffnung Ausdruck: „Möge dies eine Stätte der kulturellen Begegnung sowie des geschichtsbewussten Dialogs sein.“

Damit bleibt im Grunde nur noch der Makel des fehlenden Davidsterns. Nachdem am 9. November 1938 auch die Görlitzer Synagoge in Flammen stand, hier jedoch gelöscht wurde, war tags darauf der Davidstern von der Kuppel entfernt worden. Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der fördernden Ostdeutschen Sparkassenstiftung betonte, es als Ehre zu betrachten, dass die historische Innenraumkomposition wiederhergestellt werden konnte, die als einzige in Sachsen während der Pogromnacht von 1938 nicht zerstört worden ist.“

Sachsen? Aus preußischer Familie stammend, war dies von ihm wohl nur unsauber formuliert, denn 1938 hatte in Görlitz noch niemand an Sachsen gedacht. Inzwischen sind jedoch bereits 80.000 Euro an Spenden für einen neuen Davidstern eingegangen, so dass ein solcher voraussichtlich im nächsten Jahr wieder auf der Kuppel installiert werden kann. Und so verdichtet Oberbürgermeister Ursu auch zum Wesensgehalt: „Mit dem Kulturforum Görlitzer Synagoge samt Davidstern im Herzen unserer Stadt bekennen wir uns als Stadtgesellschaft zu unserer jüdischen Geschichte und zu jüdischem Leben in der Europastadt.“

Till Scholtz-Knobloch / 20.07.2021

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Kommentare zum Artikel "Görlitzer Synagoge ist ein Bekenntnis für jüdisches Lebens"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Jüdische Gemeinde Görlitz schrieb am

    Bitte das nächste mal die Jüdische Gemeinde Görlitz erwahnen ????

    ~ Alex Jacobowitz ~
    Vorsitzender

  2. Die Annie schrieb am

    Kann es tatsächlich ein Bekenntnis zum jüdischen Leben sein, wenn statt einer Synagoge ein Kulturforum daraus geworden ist?