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Crostwitzer Schulstreik jährt sich zum 25. Mal

Crostwitzer Schulstreik jährt sich zum 25. Mal

Vor 25 Jahren wurde dieses Schulgebäude zum Epizentrum eines oft auch als Aufstand bezeichneten Protestes.

Crostwitz. In diesen Tagen jährt sich zum 25. Mal der damals so bezeichnete „Crostwitzer Schulstreik.“ Waren es anfangs nur 17 sorbische Schüler, die durch den täglichen Besuch der Sorbischen Oberschule Crostwitz gegen die offiziell bereits vollzogene Schließung der Einrichtung protestierten, demonstrierten drei Wochen nach Beginn des Schuljahres etwa 1.500 Menschen für den Erhalt dieses wichtigen Bestandteils des sorbischen Schulnetzes. An insgesamt sieben sorbischen Schulen der (damaligen) Landkreise Bautzen und Kamenz streikten die Schüler für zwei Stunden, unterstützt von ihren Eltern, Lehrern und Sympathisanten. Der niedersorbische Schrifsteller Jurij Koch sah darin „die größte politische Willensbekundung der Sorben in den letzten 200 bis 300 Jahren“.

Begonnen hatte alles mit der Ankündigung des sächsischen Kultusministeriums zum Jahreswechsel 1999/2000, an der Sorbischen Oberschule Crostwitz aufgrund zurückgehender Schülerzahlen ab 2001 keine fünften Klassen mehr aufnehmen zu wollen. Mit Beginn des Schuljahres 2001/2002 gingen 17 Fünftklässler täglich in die offiziell bereits geschlossene Oberschule Crostwitz, wo sie von pensionierten Lehrern unterrichtet wurden. Als ihnen das damalige Regionalschulamt den Zutritt verweigerte, sorgte die Gemeinde Crostwitz für Ausweich-Unterrichtsräume in der Turnhalle „Jednota.“ Es war tatsächlich ein Aufstand gegen die Schulpolitik des Freistaates Sachsen, die von vielen Sorben als Bedrohung empfunden wurde. Der Schulstreik endete Anfang August 2001 mit dem Kompromiss, dass die Crostwitzer Fünftklässler als geschlossener Verband an die Oberschule Ralbitz wechselten. Geschlossen wurde die Oberschule letztlich zum Schuljahresende 2002/2003.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Witaj-Sprachzentrums Bozena Paulik schrieb wenig später: „Nach 99 Jahren ihrer Existenz wird die Crostwitzer Schule als intakter sorbischer Sprachraum, der bereits den Herrschenden in allen bisherigen gesellschaftlichen Systemen ein Dorn im Auge war, von der sächsischen Staatsregierung – einer demokratischen rechtsstaatlichen Ordnung – liquidiert. … Die Schließung einer einzigen sorbischen Schule hat unter diesen Bedingungen eine vernichtende Wirkung auf den Fortbestand der Sprache, denn man leistet damit der starken Assimilierungstendenz weiter Vorschub.“ (In: Das Sorbische Schulnetz in der Demontage, herausgegeben vom Witaj-Sprachzentrum). 

Auch in der Folgezeit ebbten die Diskussionen um das sorbische Schulnetz nicht ab. Die Vorschläge reichten bis hin zur Schaffung eines einzigen zentralen Standortes in Höflein (Gemeinde Räckelwitz) sowie zur Übernahme der Schulen in freie Trägerschaft. 
Letztlich besteht der Status Quo darin, dass die Sorbischen Oberschulen in Ralbitz und Räckelwitz erhalten blieben. 2007 wurde auch die Sorbische Mittelschule Panschwitz-Kuckau geschlossen. Im leer stehenden Obergeschoss des Crostwitzer Schulgebäudes zog 2019 die Gemeindeverwaltung nebst Bürgerzentrum mit Büros verschiedener Vereine und Institutionen ein. „Die Schließung der Oberschule schmerzt unsere Gemeinde noch immer“, sagte damals Bürgermeister Marko Klimann.

Uwe Menschner / 13.08.2026

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