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Gefährdet der Torbogen die Klinik?

Gefährdet der Torbogen die Klinik?

Schrammen und Abplatzungen zeigen deutlich, dass der Torbogen für den modernen Lieferverkehr zu niedrig ist.

Pulsnitz. Die Pulsnitzer Stadtpolitik hat derzeit ein brisantes Thema in der Bearbeitung: Der Torbogen, der sich vor der Zufahrt zum Gelände der Schlossklinik aus Richtung Radeberg erhebt, ist für heutige Lkw zu klein. Schon mehrfach hatte sich in der Vergangenheit der Technische Ausschuss des Stadtrates damit befasst, jetzt hat das städtische Hauptgremium die Angelegenheit an sich gezogen. 
Der Torbogen am Herrenhausplatz genügt nicht den heutigen Anforderungen der Straßenverkehrsordnung. Er verfügt über eine lichte Durchfahrtshöhe von lediglich 3,10 Meter, die für moderne Lkw nicht ausreicht. Schrammen und Abplatzungen geben davon beredt Zeugnis. Auf der Wittgensteiner Straße, die das Schlossgelände von der Großröhrsdorfer- bis zur Robert-Koch-Straße durchquert, gilt eine Einbahnstraßenregelung. So sind die Fahrer gezwungen, den zu niedrigen Torbogen zu durchfahren, wenn sie sich an die StVo halten wollen. Da dies jedoch aus objektiven Gründen oftmals nicht möglich ist, befahren sie die Wittgensteiner Straße entgegen der Fahrtrichtung rückwärts und stoßen auch so auf die Großröhrsdorfer Straße hinaus. Dies führt am dortigen Knotenpunkt mit der Waldstraße zu „teilweise lebensgefährlichen Situationen für andere Verkehrsteilnehmer“, wie es in einer Beschlussvorlage heißt. Immer weniger Fahrer seien bereit, durch solche Fahrmanöver ihren Führerschein aufs Spiel zu setzen.

Was sind die Konsequenzen?

Die Klinik ist für den Lieferverkehr auf die Wittgensteiner Straße angewiesen. Andere fahrzeugtaugliche Zuwegungen existieren nicht und lassen sich auch nicht ohne erheblichen Aufwand herstellen. „Die Haustechnik und Materialwirtschaft ist oftmals gezwungen, die Ladung direkt an der Großröhrsdorfer Straße in Empfang zu nehmen. 

Dadurch wird auch dort der Verkehrsfluss erheblich beschränkt“, heißt es in einer Präsentation der (damals noch, heute Vitrea) Vamed-Kliniken für den Stadtrat. Doch das sei nicht immer möglich, beispielsweise bei der Entsorgung des Fettabscheiders. Auch die Feuerwehr sehe sich bei Einsätzen auf dem Klinikgelände mit erheblichen Behinderungen konfrontiert, besonders beim Einsatz der Drehleiter. Hinzu kommt die unmittelbare Nähe zu einer Kindertageseinrichtung. „Für diesbezügliche Risiken lehnt die Klinik jegliche Verantwortung ab“, heißt es in der Präsentation unmissverständlich. Es bestehe auch erheblicher Investitionsbedarf mit der entsprechenden Baustellenlogistik. Im Fazit kommt die Klinikleitung zu der Einschätzung, dass der gegenwärtige Zustand eine Existenzbedrohung darstellt.

Welche Lösungsmöglich- keiten gibt es?

Die Stadt Pulsnitz ist laut Baugesetzbuch für die verkehrliche (und auch sonstige) Erschließung zuständig. Der Stadtrat und sein Technischer Ausschuss (TA) haben bereits mehrere Möglichkeiten diskutiert und auch entsprechende Beschlüsse gefasst: So stimmte der TA im April 2025 einer Erhöhung des Torbogens auf ein Maß, welches das Passieren durch „normale“ Lkw ermöglicht, zu. 
Im November 2025 sprach sich der Stadtrat für einen Teil-Rückbau aus. „Auf Basis des mit knapper Mehrheit von neun zu acht Stimmen gefassten Beschlusses besteht nun der nächste Schritt für die Stadtverwaltung darin, die erforderlichen Unterlagen zur bau- und denkmalschutzrechtlichen Genehmigung eines (Teil-)Rückbaus erstellen zu lassen“, erklärte Hauptamtsleiter Valentin Stahl im Nachgang. Dies vor dem Hintergrund, dass durch das Landratsamt Bautzen die „Denkmaleigenschaft“ des Torbogens festgestellt wurde. Der Antrag der Fraktion Bündnis90Die Grünen/SPD in der Januarsitzung, 50.000 Euro für eine Teilrekonstruktion („Torbogen light“) in den Haushalt einzustellen, wurde abgelehnt. „Damit ist keine grundsätzliche Ablehnung verbunden, jedoch wolle man den demnächst anstehenden Haushaltsdebatten und der derzeit erfolgenden denkmalschutzrechtlichen Prüfung nicht vorgreifen“, so Bauamtsleiter Kay Kühne.

Was sagt der Heimatverein?

„Auf Bitten eines Stadtratsmitglieds“ hat der Pulsnitzer Heimatverein eine Stellungnahme zu der Thematik abgegeben. Diese ist in der Februarausgabe des Pulsnitzer Amtsblattes veröffentlicht worden. Vereinsmitglied Holger Wehner schreibt darin unter anderem: „Beide vorgestellten Varianten (Vorplanung der Stadt Pulsnitz sowie Skizze der Vamed-Klinik zum Teilrückbau, Anm. d. Red.) finden keine Zustimmung des Pulsnitzer Heimatvereins … Das äußere Schlosstor von 1916 besitzt keine städtebaulichen Identitätsmerkmale … und … hat keinen sozial-kulturellen Denkmalwert für die Stadt Pulsnitz. … Auch heute stehen die sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen oft gegen den ideellen und materiellen Denkmalwert einer baulichen Anlage, ein Kompromiss (ist) kaum darstell- und finanzierbar. Die aktuellen verkehrstechnischen und somit auch sicherheitstechnischen Anforderungen … des größten Arbeitgebers in der Region sind auch unter Beachtung der sozialen und kulturellen Auswirkungen höher zu bewerten. Die „halbherzige“ Lösung – Teilrückbau – wird ... abgelehnt. Der Pulsnitzer Heimatverein e.V. empfiehlt den Kom- plettrückbau und somit die Wiederherstellung des dokumentierten Stadtbildes von 1829 bis 1916.“ 

Uwe Menschner / 01.03.2026

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