Kulturkampf auf der Trauerfeier

Eine rasante Komödie über die komplette Palette der Wokeness – mitten auf einer Beerdigung⋌Foto: Roman Koryzna
Bautzen. Nach dem Theater- und Kino-Hit „Extrawurst“ legen Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob mit „Kalter weißer Mann“ eine weitere flotte, urkomische und hochaktuelle Komödie vor. Die Premiere gab es am 1. Mai, 19.30 Uhr, im großen Haus des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters in Bautzen. Im Zentrum steht der 94-jährige Firmenpatriarch Gernot Steinfels, der friedlich eingeschlafen ist – während sein designierter Nachfolger die Beisetzung ausrichtet. Dessen Text auf der Trauerschleife „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“ sorgt jedoch bei manchen für heftige Irritation, denn was wäre dann mit den Mitarbeiterinnen? Kurz vor der Zeremonie entbrennt eine erhitzte Debatte zwischen dem selbsternannten neuen Chef und Angestellten. Dabei prallen Fragen rund um Themen oder sollte man sagen vermeintliche Themen Sexismus, Gendern, Wokeness und politische Correctness frontal aufeinander – ein mikroaggressiver Kulturkampf ist damit eröffnet. Eine Erfahrung, die sich an immer mehr Arbeitsplätzen alltäglich abspielt. Es kommt wie es kommen musste: Bald hat der „alte weiße Mann“ an der Spitze nicht nur seine Marketingleiterin, den Social-Media-Chef und seine Sekretärin gegen sich, sondern natürlich auch die sehr selbstbewusste Praktikantin, die die Welt schon meint besser zu verstehen. Vor dem Publikum als versammelter Trauergemeinde zerfleischt sich die Führungsetage immer mehr, und nicht einmal der verzweifelte Pfarrer kann die Wogen glätten.