„Technische Lösungen begeistern mich!“

Oft fährt Olaf Böttcher mit dem Motorboot den See in Räckelwitz ab, wo seine Wasserskianlage liegt. Denn ab und an muss etwas überprüft oder repariert werden. Auch am Ufer ist genug zu tun. Foto: Beate Diederichs
Der Kamenzer Olaf Böttcher arbeitet mit 77 Jahren noch an zahlreichen Projekten: Er entwickelt Messtechnik, hält einen See in Räckelwitz in Schuss und forscht mit Schülern an einer Alternativtheorie zur Gravitation. Zudem ist er sportlich: Einst errang er mehr als 20 DDR-Meistertitel im Wasserski und gehört zur „Hall of Fame“ des Weltwasserskiverbandes.
Kamenz. Das Radio- und Fernsehgeschäft der Familie Böttcher im Kamenz war bis 2021 eine traditionsreiche Adresse. 1987 hatten Olaf Böttcher und seine Frau Ute es von seinem Vater übernommen. Doch wie viele andere Ladenbesitzer fanden sie keinen Nachfolger. Zu tun hat Böttcher aber mehr als genug: Bis mittags arbeitet er meist in seiner Werkstatt oder im Büro am Kamenzer Markt. Hier entwickelt und verfeinert er Messtechnik-Systeme. Bei schönem Wetter fährt er dann oft an den „Manfred-See zu Räckelwitz“. Die ehemalige Kohlengrube hieß vorher Piskowitzer Grubensee. Böttchers Vater Manfred erschloss sie in den 1960-er Jahren für den Wasserskisport. Sie ist nach ihm benannt und gehört zu Räckelwitz. Hier ist immer etwas zu tun: Baumwurzeln entfernen, Schilf zurückschneiden, Ausfluss reinigen, den Wasserstand konstant halten, damit das Ufer nicht abrutscht. Oft holt Böttcher das Motorboot aus dem Schuppen und kontrolliert die farbigen Bojen auf dem See, die die Wasserskistrecke markieren. „Die Bojen sind für den Slalom da, die Rampe da drüben ist für den Sprung“, erläutert er. Wenn er nach Kamenz zurückkehrt, setzt er sich oft noch einmal an den Computer. Manchmal bereitet er da die Kursstunden vor, die er am Lessing-Gymnasium hält. Dort forscht er mit einer Gruppe physik- und astronomiebegeisterter Schüler an einer Alternativtheorie zur Gravitation und zu den Sonnenzyklen. „All diese Dinge tue ich sehr gerne. ...
... Es macht mir unglaublichen Spaß, eine technische Lösung für ein Problem zu finden. Daher neige ich dazu, zu viele Projekte parallel zu bearbeiten“, sagt Olaf Böttcher, der auch mehrere Patente besitzt, über sich selbst.
Herauszufinden, wie Dinge funktionieren, ist eine Konstante im Leben des 77-jährigen. Er studierte an der TU Dresden Ingenieurwesen für Hochfrequenztechnik, war in einer Firma in Radeberg tätig und stieg 1979 in das elterliche Geschäft ein. Sein Vater hatte in den 1960-er Jahren den Wasserskisport für sich entdeckt und mit seiner Begeisterung den Sohn angesteckt. Die Mitglieder des Clubs, den Manfred Böttcher gegründet hatte, trainierten zunächst im Teufelsbruch in Biehla. Der war aber wegen der steilen Uferwände dafür ungeeignet. Daher wechselten die Sportler auf die heutige Strecke nach Räckelwitz. Im Wasserski wird der Athlet von einem Boot oder über eine Anlage gezogen. Bei der Teildisziplin Sprung lässt sich die Weite schwer messen, da es auf dem Wasser keinen Abdruck gibt. „Das führte zu Messfehlern, unter anderem bei der Jugend-Weltmeisterschaft 1994 . Diese wollte ich abstellen und entwickelte 1996 mein eigenes Mess-System“, erzählt Olaf Böttcher. Seine Technik setzt man seitdem weltweit ein.
Der Erfinder selbst errang mehr als zwanzig Mal den DDR-Titel im Wasserski. Im vergangenen Jahr nahm ihn der Weltwasserskiverband in seine „Hall of Fame“ auf – als einen von zwei Deutschen. Ab und an steigt Böttcher noch selbst auf die Skier. Sohn und Enkel sind ebenfalls erfolgreiche Wasserskisportler. Auf der Anlage in Räckelwitz trainiert regelmäßig eine Seniorenmannschaft. Die Mitglieder unterstützen Olaf Böttcher auch dabei, diese instand zu halten. Wettkämpfe finden hier jedoch wegen wachsender Auflagen seit 2004 nicht mehr statt.
Neben seinen mannigfaltigen Aktivitäten hält Olaf Böttcher auch der Kontakt zur Jugend jung. Er hofft, dass der Kurs am Lessing-Gymnasium in zwei Jahren seine Forschungen zur Gravitation und zu den Sonnenzyklen dokumentieren kann, zum Beispiel über ein Video bei Youtube. Die Theorie dazu haben die Jungen seinem Empfinden nach gut verinnerlicht. „Und mich beeindruckt immer wieder, wie sie mit der modernen Technik umgehen können. Da lerne ich auch noch etwas.“