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Von Null auf Hundert in nur zehn Jahren

Von Null auf Hundert in nur zehn Jahren

Landwirtschaft – das bedeutete in den letzten Jahrzehnten auch eine zunehmende Aufrüstung mit schwerem Gerät. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Mengelsdorf/Reichenbach. Vor etwa eineinhalb Jahren sorgte Norbert Döring, Vorstandsvorsitzender des in Mengelsdorf ansässigen Gedes e.V., auf einer Sitzung des Reichenbacher Stadtrates für Aufsehen. Dort versprach er nicht weniger, als Reichenbach in zehn Jahren schuldenfrei zu machen. Angesichts der finanziellen Lage der Kleinstadt mit einer Verschuldung von 2.786 Euro/Einwohner (Stand November 2019) ein ambitioniertes Unterfangen.

In der Zwischenzeit war es nach außen hin wieder still um die verheißungsvolle Ankündigung geworden. Hinter den Kulissen wurde jedoch intensiv weiter an dem „LandStadt 2030“ genannten Projektebündel gearbeitet. Und so kann Norbert Döring auf die Anfrage nach dem gegenwärtigen Umsetzungsstand wie folgt antworten: „Mit den bereits vorbereiteten Inhalten zur Etablierung nachhaltiger Erwerbsmodelle im ländlichen Raum durch neue Technologien, z.B. bei der Nutzung erneuerbarer Energien und der intelligenten Landbewirtschaftung, können selbsttragende Arbeitsplätze entstehen.“ Das Potenzial der Wertschöpfung im ländlichen Raum müsse nicht mehr an „ortsfremde dominante Wirtschaftsstrukturen“ abfließen, sondern könne vor Ort zur Geltung kommen.

Weiter erklärt Norbert Döring: „Mittlerweile ist absehbar, dass die zur Umsetzung des von der Politik verkündeten Strukturwandels notwendigen Bearbeitungsstrukturen des Freistaates Sachsen ihre Arbeitsfähigkeit in nicht allzu ferner Zukunft erreichen werden und wir dann, hoffentlich Anfang 2022, auch mit der Umsetzung der einzelnen Projekte beginnen können.“ Dann seien auch fundierte Informationen dazu verfügbar.

Auf ihrer Website nennt die Gemeinnützige Forschungsgesellschaft für dezentrale Energiesysteme (so der ausgeschriebene Name) unter anderem die Versorgung mit erneuerbarer Energie, die digitale Verwaltung sowie die Verknüpfung von Arbeiten und Lernen unter Vermittlung sozialer Kompetenz als Themenfelder.

Vor dem Stadtrat benannte Döring die Entwicklung eines Feldrobotersystems, das ’nebenbei’ Solarenergie erntet, als aktuelles Projekt. Um dies zu erproben, würde man eine Ackerfläche benötigen. Ein solcher Ansatz passt genau zu dem aktuellen gesellschaftlichen Paradigma, die Effizienz der Energiegewinnung zu verbessern und dabei weitgehend auf fossile Energieträger zu verzichten. Und auch politisch steht der Wind günstig: „Dank Strukturstärkungsgesetz können Kommunen mit problematischer Haushaltslage bis zu 100 Prozent Förderung für entsprechende Projekte bekommen“, so Norbert Döring vor dem Stadtrat.

Nun sind für Projekte aus dem genannten Gesetz – besser bekannt als „Kohleausstiegsgesetz“ – ausschließlich Kommunen antragsberechtigt. Das bedeutet: Die Gedes muss die Stadt Reichenbach ins Boot – oder besser in eine gemeinsame Projektgesellschaft – holen, um diese Möglichkeiten zu nutzen. Davon soll Reichenbach – noch nicht sofort, aber doch absehbar – mehrfach profitieren: Durch innovative Arbeitsplätze, die Wiederbelebung von Brachen und nicht zuletzt natürlich auch durch Steuereinnahmen im Stadtsäckel. Vielleicht auch durch ein neuartiges Nahverkehrssystem, das Gedes entwickeln und zwischen den einzelnen Ortsteilen erproben will.

Dass Norbert Döring und seine Mitstreiter Projekte verwirklichen können, macht ein Blick auf seine Partner und Referenzen deutlich. Zu letzteren zählt unter anderem das schwimmende Haus auf dem Bergheider See bei Finsterwalde, das in seiner Versorgung komplett autark ist. Zu den Projektpartnern gehörten hier verschiedene Fraunhofer-Institute. Ferner hat Gedes einen Vollhybrid-Radlader für China entwickelt. Mit der Hochschule Zittau/Görlitz forscht und entwickelt der Verein zum Thema „Nachhaltiges Bauen.“ „Wir arbeiten projektweise mit wechselnden Partnern zusammen, neben Hochschulen und Forschungsinstituten gehören dazu auch mittelständische Unternehmen aus der Region“, betont Norbert Döring. Und weiter: „Wir setzen dort an, wo die Hochschulen aufhören, überführen Forschungsergebnisse, die sonst in der Schublade gelandet wären, in die Praxis.“ Und das nicht irgendwo – sondern in Reichenbacher Ortsteil Mengelsdorf.

Uwe Menschner / 05.09.2021

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