Alle Hände voll zu tun im Reparaturcafé

Ein sonst funktionierendes Gerät nur wegen eines kaputten Kleinteils wegwerfen? Nicht mit den begnadeten Bastlern von „Schiebock schraubt“. Ist Fernseher, Mixer oder Werkzeug dann repariert, freuen sich Geldbeutel und Umwelt. Foto: Karsten Richter
„Schiebock schraubt“ einmal im Monat: Die Bischofswerdaer Bürger bringen dann kaputte CD-Player, Staubsauger oder Werkzeuge ins Reparaturcafé des B28. „Die zwei Stunden reichen kaum aus, um alles zu schaffen“, sagt Karsten Richter vom Trägerverein „Regenbogen“ e. V.
Bischofswerda. Ein Mittwoch Anfang November, kurz nach 16 Uhr. Draußen dunkelt es bereits. Markus Dietze stellt einen CD-Player auf seinen Arbeitstisch, den ein Bischofswerdaer zu ihm ins Reparaturcafé gebracht hat. „Die CD kommt nicht mehr aus dem Schacht heraus“, berichtet der Besucher. Dietze schaut hinein und stellt fest: Ein winziges Teil ist abgebrochen. „Zum Glück waren an dem Player noch zwei andere Teile derselben Art verbaut. So konnte ich eines herausnehmen und es mit dem 3D-Drucker reproduzieren“, erzählt der Mittvierziger später. Nach dem Druck brachte Markus Dietze das Teil wieder an der richtigen Stelle an. Et voilà: Der Player lief! Was für eine Verschwendung wäre es gewesen, hätte man ihn wegen des kleinen Defekts wegwerfen müssen.
Markus Dietze bildet mit Frank Siegel ein Duo aus begabten Hobbyschraubern, die die Idee für das Reparaturcafé ans Team des B28 herantrugen. „Ich erhalte gerne Dinge und möchte mir beweisen, dass ich so etwas kann“, begründet der Maschinenbauingenieur seine Motivation. Seine Kollegen und er seien ohnehin für den Reparatur-Gedanken offen gewesen, berichtet Karsten Richter. Er ist beim Trägerverein des B28, dem „Regenbogen“ e. V., für Kultur und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Wir wussten, dass es in der Umgebung bereits Reparaturcafés gibt, wie den „Ganzmacher“ e. V. in Bautzen, und freuten uns, etwas Vergleichbares anbieten zu können.“ Resultat: „Schiebock schraubt“ nun seit Oktober 2024 jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr. Das Angebot ist kostenlos. Nur der kleine Betrag für den 3D-Druck fällt an.
Mittlerweile schrauben neben Frank Siegel und Markus Dietze vier weitere Bastler ehrenamtlich im Reparaturcafé.
Drei von ihnen sind bereits Ruheständler. Jeder hat seinen besonderen „Kompetenzbereich“.
Die Besucher, die mit ihren kaputten Fernsehern, Staubsaugern, Motorsensen oder Werkzeugen kommen, werden dann jemandem zugewiesen, der auf ihr Problem spezialisiert ist. Oft muss der Experte dabei geduldig nach dem Fehler suchen und schon mal einen ganzen Motor auseinandernehmen. Pro Termin finden rund dreißig Leute ihren Weg ins B28, woraus sich etwa zwanzig „versuchte Instandsetzungen“ ergeben, überschlägt Karsten Richter. „Immer wieder tauchen auch Gäste auf, die nur gucken oder etwas fragen wollen. Das Interesse ist auf jeden Fall da – vielleicht auch, weil sich herumgesprochen hat, dass wir rund zwei Drittel der Geräte reparieren können.“
Die Bastler hätten jedenfalls stets alle Hände voll zu tun und könnten sich an noch mehr Dingen versuchen, wäre „Schiebock schraubt“ nicht auf zwei Stunden beschränkt.
Grenzen gibt es auch bezüglich der Größe der Geräte. Eine Autoreparatur übersteigt natürlich die Möglichkeiten der Hobbyschrauber. Alles bis zu den Maßen einer Waschmaschine liege aber im Bereich des Möglichen, meint Karsten Richter. „Einfach herbringen – wir entscheiden dann vor Ort.“