Bautzen: 1.000 Urkunden aus sechs Jahrhunderten

Projektleiter Clemens Wöppel präsentiert eine der restaurierten Urkunden, die jetzt auch sachgemäß gelagert werden kann.

Dr. Birgit Mitzscherling, Leiterin des Domarchivs, zeigt, wie jetzt mehrere Akten in einem Karton gelagert werden.
Im Domstift lagern nicht nur liturgische Gefäße, Reliquien und Kunstwerke, sondern auch papierene Schätze. Viele von ihnen wurden jetzt so behandelt, dass sie noch weitere Jahrhunderte bestehen können.
Bautzen. Das Domstift ist den Bautzenern hauptsächlich als Sitz der Domschatzkammer bekannt, die als eine der großen touristischen Attraktionen der Stadt gilt. Nur wenige hingegen wissen, dass hier auch ganz andere Schätze lagern – nämlich Schätze aus Papier. Denn schließlich befindet auf dem Gelände des Domstifts auch das Diözesanarchiv – das Hauptarchiv des katholischen Bistums Dresden-Meißen. Dies rührt noch daher, dass Bautzen von 1921 bis 1980 Sitz des damaligen Bistums Meißen war.
Wie in den meisten Archiven, so nagte auch hier der Zahn der Zeit an den historischen Dokumenten. Und so begann 2023 ein mehrjähriges Projekt, in dessen Rahmen bis 2025 fast 1.000 Akten aus sechs Jahrhunderten gesichert und restauriert wurden. Projektleiter Clemens Wöppel erläutert das Vorgehen: „Wir haben die Urkunden in drei Kategorien eingeteilt: Rot, Gelb und Grün. Rot waren Urkunden mit größeren Löchern und Rissen, Gelb mit kleineren Schäden und Grün, wo nur eine Reinigung und Neuverpackung erforderlich war.“ In die Kategorie „Rot“ wurden etwa 30 Dokumente eingeordnet, in „Gelb“ knapp 300.
Zuvor waren die Urkunden mehrfach gefaltet in Büttenumschlägen aus dem 19. Jahrhundert aufbewahrt und in Kartons gestapelt worden. Nach dem Abschluss des Projektes sind jeweils drei bis vier Dokumente flach in speziell entwickelten Kartons gelagert. Diese lassen sich seitlich öffnen und erlauben so eine schonende Entnahme.
Clemens Wöppel berichtet, was mit den am stärksten geschädigten – also den roten – Urkunden geschah: „Die Fehlstellen wurden in der Restaurierungswerkstatt mit so genanntem Japanpapier geschlossen, sodass sie nicht noch größer werden können. Außerdem wurden die Urkunden mit Wasserdampf und unter Druck plangelegt, und die Reinigung der Oberflächen erfolgte mit einem Latexschwamm.“ Hauptsächlich hatten sich dort Staubpartikel abgesetzt, in einigen Fällen gab es aber auch Schimmelbefall.“
Die so genannte Planlegung, also die flache Lagerung, dient nicht nur dem Raumgewinn, sondern verfolgt noch einen ganz speziellen Zweck: „Aufgrund ihres Alters und ihrer Fragilität sollte man diese Urkunden natürlich nicht ständig benutzen. Zu besonderen Anlässen, zum Beispiel bei Jubiläen, können sie aber herausgenommen und präsentiert werden. Außerdem wollen wir die Urkunden mittelfristig digitalisieren, um ihren Inhalt ständig zugänglich zu machen.“
Die älteste Urkunde stammt übrigens aus dem Jahr 1221 und dokumentiert die Einweihung des Chors der damaligen Petrikirche. Unter den Ausstellern finden sich Päpste, Bischöfe, Kaiser, Könige sowie zahlreiche weitere Adlige und Geistliche. Die Urkunden dokumentieren die Geschichte der Oberlausitz. Zahlreiche Ortschaften können darauf ihre Ersterwähnung zurückführen. Entsprechend groß ist das Interesse an den Quellen, etwa im Zusammenhang mit Ortsjubiläen oder regionalgeschichtlicher Forschung. Das Projekt hatte einen finanziellen Gesamtumfang von knapp 84.000 Euro, wovon rund 73 Prozent aus öffentlichen Zuschüssen stammten.