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Eine Entdeckungsreise zum Buch

Eine Entdeckungsreise zum Buch

In der Stadtbibliothek Kamenz wird Leseförderung großgeschrieben: Die Bibliothekarinnen, hier Magdalena Rasch (li.) und Andrea Reimann (re.) , möchten bei Kindern und Jugendlichen die Liebe zum Buch wecken. Foto: Beate Diederichs

An der Stadtbibliothek Kamenz bieten drei Bibliothekarinnen, die auf die Arbeit mit Heranwachsenden spezialisiert sind, rund hundert lesepädagogische Veranstaltungen im Jahr an. „Damit füllen wir eine Lücke zwischen Schule und Elternhaus“, sagt Leiterin Marion Kutter.

Kamenz. An diesem Vormittag ist es in der Stadtbibliothek Kamenz ruhig. Nur einzelne Schüler und Erwachsene schlendern zwischen den Regalen herum. „Am Montag wird das wieder anders sein“, sagt Andrea Reimann. Die Schul- und Jugendbibliothekarin schaut gerade in den Kalender für die lesepädagogischen Veranstaltungen. Pro Woche sind zwei bis vier verzeichnet, womit die Einrichtung auf rund hundert im Jahr kommt. Am Montag kommt eine sechste Klasse der Westlausitzschule, darunter viele Kinder mit Lernschwierigkeiten. 

„Eine Buchvorstellung droht“, meint Andrea Reimann schmunzelnd. Sie wird den Schülern dann erläutern, wie eine Bibliothek arbeitet, Infos zu Ausleihe und Leihfristen geben. „Außerdem habe ich das Bücherkarussell mit vielfältigen Medien vorbereitet: Belletristik, Sachbüchern, Zeitschriften, Comics, Mangas.... Die Schüler nehmen dann einzelne Bücher in die Hand und holen sich so Inspiration für die Buchvorstellung.“ Damit die Sechstklässler sich abschauen, wie eine Buchvorstellung läuft, wird ihnen Andrea Reimann ein Werk präsentieren, das sie eigens dafür ausgewählt hat: „Die coolste Klasse der Welt“ von Anja Janotta. „Es ist mit kurzen Sätzen und Kapiteln sowie zahlreichen Illustrationen gut lesbar und sollte die Schüler ansprechen“, begründet die Bibliothekarin dies. 
Andrea Reimann und die Kinderbibliothekarinnen Magdalena Rasch und Sabine Haufe bilden an der Kamenzer Einrichtung das Team, das für die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen verantwortlich ist. Den Bibliotheken kommt dabei zwischen Schule und Elternhaus eine besondere Rolle zu, betont Leiterin Marion Kutter. Einerseits sind sie natürlich Experten in puncto Buch. Andererseits seien Einrichtungen wie ihre außerschulische Lernorte, so die Bibliotheksleiterin, die die Schüler weniger mit Schule und mehr mit Freizeit verbänden. So läsen die Kinder und Jugendlichen hier auch mal Bücher zu schwierigeren Themen – fast ohne es zu bemerken. „Wir Bibliotheken füllen bezüglich der Leseförderung eine Lücke. Denn wir leisten etwas, was die Schule oft nicht schafft und auch manche Elternhäuser nicht hinbekommen“, so formuliert es Marion Kutter. Dennoch nimmt sie die Eltern nicht aus der Pflicht: „Sie müssen auch zu Hause zum Umgang mit Büchern ermutigen. Denn Lesen ist Übungssache.“ 

Leseförderung bedeutet mehr als nur Vorlesen. Durch moderne analoge und digitale Mittel gestalten die Bibliothekarinnen ihre Angebote so vielfältig, dass sie verschiedene Altersgruppen und unterschiedliche Lerntypen ansprechen. Mit dem Kamishibai-Erzähltheater, das aus Japan stammt, oder dem digitalen Onilo-Bilderbuchkino vermitteln sie die Geschichten plastisch und bauen kleine Aufgaben ein. Magdalena Rasch nutzt noch ein anderes Instrument: „Ich habe Musikpädagogik studiert und beziehe gezielt Klänge mit ein.“ Um Kindern, die sich mit Büchern schwertun, den Zugang zu erleichtern, setzen die Mitarbeiterinnen auch die „Leicht-zu-lesen“-Reihe ein, die gekürzte und simplifizierte Versionen der Texte enthält. Sie wünschen sich jedoch, dass die Leser später motiviert sind, sich an die Originale zu wagen. Sabine Haufe hat sich auf eine Kombination spezialisiert, die den jungen Leuten doppelt gut tut: Literatur und Bewegung an der frischen Luft. Mit „Die Schafgääng“ oder „Schwarzer Hund auf Schatzsuche“ erkunden Schüler unterschiedlicher Schularten literarisch Kamenz und seine Umgebung. Alle diese Angebote werden nachgefragt. „Aber der Renner ist immer die Bibliothekseinführung – egal für welche Altersgruppe“, kommentiert Andrea Reimann. 
Essenziell ist es für die Stadtbibliothek Kamenz, eng mit Kitas und Schulen zusammenzuarbeiten. Sie ist zwar – auch räumlich – vor allem dem Lessing-Gymnasium verbunden, steht aber ebenso den anderen Einrichtungen in Kamenz und Umgebung zur Verfügung.Aus Pulsnitz, Schwepnitz, Oßling und anderen Ortschaften finden Klassen und Gruppen ihren Weg hierher. „Trotzdem sind sich einige Schulen noch zu wenig bewusst, wie Bibliotheken Schüler gezielt bei Defiziten unterstützen können“, meint Marion Kutter. Regelmäßige Veranstaltungen wie der „Buchsommer Sachsen“ bringen Schule und Bibliothek einander näher. Dabei wählen Jungen und Mädchen zwischen elf und 16 Jahren in der Bibliothek aus einer breiten Palette an Neuerscheinungen Bücher aus, die sie über den Sommer lesen. Schaffen sie drei, bekommen sie ein Zertifikat, das sie später ihrem Deutschlehrer zeigen können. Dies wirkt sich unter Umständen positiv auf die Deutschnote aus. Doch jenseits aller organisierten Veranstaltungen kann es auch das Lesen fördern, einfach während der Öffnungszeiten an den Regalen entlangzugehen, die Titel zu studieren, ein Buch herauszunehmen, aufzuschlagen – und in die Geschichte einzutauchen. „Dieses analoge Stöbern ist sehr wichtig und motivierend. Denn gerade dabei entdeckt man oft etwas, was einen interessiert“, so die Erfahrung der Bibliothekarinnen. 

Beate Diederichs / 02.02.2026

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