Direkt zum Inhalt springen
Info & Kommentare

„Es muss etwas passieren“

„Es muss etwas passieren“

Die „Friedenseiche“ in Elstra ist trotz ihrer rund 150 Jahre noch ein ansehnlicher und gesunder Baum mit einer langen Geschichte. Doch die Parzelle um sie herum ist sehr in die Jahre gekommen und soll jetzt mit Spenden saniert werden. Foto: Beate Diederic

Die „Friedenseiche“ in Elstra wurde vor rund 150 Jahren gepflanzt und ist noch in gutem Zustand. Doch der Platz um sie herum muss saniert werden. Der Heimat- und Geschichtsverein ruft Einwohner und Unternehmen auf, dafür zu spenden. „Wir freuen uns über jeden Betrag, ob groß oder klein“, sagt die Vorstandsvorsitzende Gisela Seidel.

Elstra. Der Baum gehört zu den markanten Punkten Elstras. Blickt man vom Stadtring aus zum Markt, bildet er eine Sichtachse mit der Kirche. Gisela Seidel schaut von unten in die Krone und registriert nur wenig totes Holz. „Die Eiche selbst sieht noch recht gesund aus – vor allem, wenn man bedenkt, wie alt sie ist“, meint die Vorstandsvorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Elstra e. V. Doch am Boden relativiert sich der gute Eindruck: Der Metallzaun um die Parzelle, die zum Baum gehört, ist an vielen Stellen verrostet und verbogen. Die Farbe blättert ab. Einige der Schmuckrosetten fehlen in Teilen – oder ganz. Der Granitstein mit der Inschrift „Diese Eiche mahne, dass Frieden sei der Eintracht höchster Preis“ verwittert nach und nach. Die einst grau-weißen Buchstaben kann man kaum noch entziffern. Die bodendeckenden Pflanzen um den Baum sehen mickerig aus. „ Man sieht: Es muss nun einfach etwas passieren!“ betont Gisela Seidel. 

Der Heimat- und Geschichtsverein setzt sich schon länger dafür ein, dass der Platz um die Eiche saniert wird. „Unser Mitglied Enrico Hommel regte das bereits 2022 an“, sagt Gisela Seidel. Der Verein einigte sich mit der Stadt Elstra, der der Baum gehört, Angebote von Firmen einzuholen und Fördermittel zu beantragen. „Die Maßnahme würde mittlerweile rund 14.000 Euro kosten, unter anderem wegen der gestiegenen Materialpreise und der Auflagen des Denkmalschutzes“, erläutert die Vorstandsvorsitzende. Leider seien alle Anträge abgelehnt worden, weil andere Projekte Vorrang gehabt hätten. Daher beschlossen Stadt und Verein im Juni, das Vorhaben mit Stadtmitteln, Vereinsgeldern und Spenden umzusetzen. „Die Zeit drängt, denn der Platz verfällt immer mehr und die Maßnahme wird immer teurer“, erklärt Gisela Seidel. Die Beteiligten rufen Einwohner und Unternehmen auf, für die Sanierung zu spenden. „Wir freuen uns über jeden Betrag, ob groß oder klein.“ Für die Arbeiten sollen lokale Firmen gewonnen werden. Den Zaun muss ein Schmied abbauen, die Farbe sachgerecht entfernen, neu streichen und die Rosetten vervollständigen oder ersetzen. Kostenpunkt rund 9.000 Euro. Der Stein soll gereinigt werden, damit seine ursprüngliche helle Farbe zum Vorschein kommt. Zudem muss man die Schrift nachziehen. Kostenpunkt rund 1.500 Euro. Auch die Parzelle neu zu gestalten und mit pflegeleichten Pflanzen auszustatten, kostet einen vierstelligen Betrag. Bisher können die Akteure unter anderem mit einem Eigenanteil der Stadt planen, der für einen Fördermittelantrag gedacht war, mit dem Vermögen des Vereins und der Großspende eines lokalen Unternehmers. „Den gesamten Betrag werden wir mit unserem Geld und den Spenden wohl nicht zusammenbekommen, auch wenn wir auf breiter Front werben. Aber wir möchten den Beitrag der Stadt möglichst minimieren“, sagt Gisela Seidel. Ihr Ziel ist es, die Aufträge im Herbst zu vergeben, damit im kommenden Jahr alles fertig ist.

Viele Elstraer gehen regelmäßig an der Eiche vorbei. Der Baum gehört für sie selbstverständlich zum Stadtbild, auch wenn sie seine Geschichte nicht genau kennen. Nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges pflanzte man zahlreiche „Friedenseichen“, so auch diese im Jahr 1872. Am Anfang spielten Kinder auf der Parzelle. „1911 sprach sich Bürgermeister Franz Rauchfuß dafür aus, den Platz instand zu setzen und den Stein mit der Inschrift aufzustellen“, erzählt Gisela Seidel. 177 Mark waren dafür veranschlagt. Da die Stadt die Kosten nicht allein tragen konnte, rief sie Unternehmer und Bürger auf zu spenden – wie heute auch. Das Resultat sollte Mut machen. „Bereits damals war es den Menschen so wichtig, „ihre“ Eiche zu erhalten und zu verschönern, dass am Ende 300 Mark zusammenkamen – also fast das Doppelte dessen, was gebraucht wurde“, berichtet die Hobby-Historikerin.

Beate Diederichs / 16.08.2026

Schlagworte zum Artikel

Was sagen Sie zu dem Thema?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung

Die Mail-Adresse wird nur für Rückfragen verwendet und spätestens nach 14 Tagen gelöscht.

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.

Weitere aktuelle Artikel