Görlitz: Ab September durch Südausgang zu den Gleisen

Bislang sind Intercityhalte in Görlitz nur ein Traum. Auf dem Foto fand scheinbar nur eine IC-Waggonüberführung statt – Blick aus der Nähe des Südausgangs. Foto: Oliver Rettig
Am Görlitzer Bahnhof stehen Fahrgäste bald vor größeren Einschränkungen. Ab September wird der Zugang zum Tunnel von der Eingangshalle her für ein Jahr gesperrt.
Görlitz. Bahnreisende müssen ab September in Görlitz den Umweg über den Südausgang nehmen, um ihre Züge zu erreichen. Grund für die Sperrung ist die Elektrifizierung der Gleise 3 und 4 am Außenbahnsteig, die über die Unterführung führen.
Die mehr als hundert Jahre alten Stahlkonstruktionen, darunter auch die Brücken über den ehemaligen Post- und Gepäcktunnel, gelten als nicht mehr ausreichend tragfähig und werden vollständig abgebrochen und erneuert. Am Südausgang soll ein Schrägaufzug installiert werden, außerdem richtet die Bahn einen Shuttleservice für mobilitätseinge-schränkte Reisende ein. Sie werden zur nächsten barrierefreien Station gebracht, etwa zur polnischen Stacja Zgorzelec (Görlitz-Moys) – die Bahnhofsmission hilft beim Gepäcktransport. Diese Arbeiten am Bahnhof sind Teil des größeren Projekts, die Strecke zwischen Görlitz und Cottbus zu elektrifizieren und zweigleisig auszubauen. Nach Angaben der Deutschen Bahn wird die Strecke in drei Abschnitten geplant und genehmigt – mit jeweils eigenem Verfahren. Mehrere Brücken müssen neu gebaut werden. Die Einbindung in das deutsche Bahnstromnetz am Knoten Görlitz gilt als technisch anspruchsvoll. Die Vorplanung läuft derzeit, die betroffenen Kommunen sollen demnächst informiert werden.
Trotz der politischen Ankündigungen als „Schnellbahnstrecke“ ist nur ein Ausbau für maximal 160 Stundenkilometer vorgesehen. Das spart Reisenden je nach Zugtyp nur zwischen zehn und 15 Minuten. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei über 1,6 Milliarden Euro und werden aus dem Strukturmittelfonds für die Lausitz finanziert. Die Bauhindernisse am Görlitzer Bahnhof verzögern jedenfalls: Marode Widerlager unter den Gleisbrücken und alte Stahlkonstruktionen bedingen nun einen späteren Baubeginn. Für den Abschnitt vom Neißeviadukt zu den Außenbahnsteigen, der an das polnische Oberleitungsnetz angeschlossen wird, beginnen die Arbeiten jetzt erst im Juni, die Fertigstellung ist erst für Herbst des kommenden Jahres vorgesehen. Die Einschränkungen für Fahrgäste sind somit eine unmittelbare Folge der Modernisierung des Bahnknotens Görlitz, während der Ausbau der Gesamtstrecke nach Cottbus weiterhin langfristig bis 2041 geplant ist.