Immer mehr letzte Hemden zu sehen

„Schluss mit dem Wahnsinn“ – das letzte Hemd hat mittlerweile die Lausitz – hier Görlitz – erreicht. Foto: Matthias Wehnert
Region. Ein ungewöhnliches Bild bietet sich derzeit an zahlreichen Ortseingangsschildern: Unter dem Motto „Unser letztes Hemd – Schluss mit dem Wahnsinn“ protestieren Bürgerinitiativen mit weißer Unterwäsche und T-Shirts an den Verkehrszeichen gegen die aktuelle Wirtschaftspolitik.
Die im Juli in Schleswig-Holstein gestartete Aktion, die wohl erstmals im Landkreis Segeberg in Angriff genommen wurde, hat sich mittlerweile zu einer bundesweiten Bewegung ausgeweitet. Mit dem Symbol des „letzten Hemdes“ machen die Initiatoren auf die Belastungen durch Steuern, Abgaben und Existenzängste aufmerksam.
Im Landkreis Görlitz wurden in Groß Düben und Halbendorf am 12. August Hemden entfernt. Die Berliner Zeitung schrieb am 8. August, der Staatsschutz ermittle wegen der Aktion, nachdem die Hemden auch in Sachsen und Brandenburg aufgetaucht waren. Während die Organisatoren die Überparteilichkeit des Protests betonen, witterten Sicherheitsbehörden unliebsame Mobilisierung durch rechte Kreise.
Eine Initialzündung für die Verbreitung der Aktion war die für bis zu 10.000 Teilnehmer angemeldete Großdemonstration des Projekts „Einigkeit für Deutschland / Projekt M1llion“ am 8. August, die an die erste Massendemonstration in der DDR am 7. Oktober 1989 in Plauen anknüpfen wollte.
Aus rechtlicher Sicht bewegen sich die Aktivisten in einer Grauzone: Die Polizei stuft das Aufhängen als von der Meinungsfreiheit gedeckt ein, solange keine Schilder verdeckt werden. Da Verkehrszeichen jedoch nicht für Plakatierungen genutzt werden dürfen, entfernen die kommunalen Ordnungsämter die Kleidungsstücke oft wegen einer Ordnungswidrigkeit umgehend.