Wo sich Bautzen jetzt entwickeln will

Nach erfolglosen Bemühungen verschiedener Interessenten zwischen 1999 und 2005 zur Umgestaltung des Geländes erwarb es die Stadt im Mai 2009.
Nach dem Ablauf der Fördermittel-Bindefrist ist es an der Zeit, die Perfecta-Brache verstärkt in den Fokus zu nehmen. Eine andere viel versprechende Potenzialfläche tritt hingegen zunächst in den Hintergrund.
Bautzen. Die Bindefrist für die Nachnutzung der so genannten Perfecta-Brache zwischen Dr.-Peter-Jordan-Straße und Jägerstraße ist 2025 abgelaufen. Bis zu diesem Zeitpunkt durfte die 2010 beräumte Industriebrache im Südosten von Bautzen nicht neu bebaut werden, ohne die Rückzahlung von gewährten Fördermitteln zu riskieren. Doch nun ist die Stadt Bautzen frei darin, die Fläche zu entwickeln, und hat auf der jüngsten Sitzung des Beirates für Stadtentwicklung entsprechende Ideen vorgestellt.
Ziel ist es laut Bert Seffner, Leiter des Bauverwaltungsamtes, „ein Quartier mit vielfältigen Funktionen und Nutzungen“ zu entwickeln. Dies bedeutet, dass sowohl Wohnen als auch Gewerbe eine Rolle spielen sollen. Letzteres solle hauptsächlich in Form von „Kleingewerbe“ in den Erdgeschossen der künftigen Bebauung an der Dr.-Peter-Jordan-Straße zum Tragen kommen. Ebenso wie in der Umgebung, so sollen auch im neuen Quartier Häuser mit bis zu vier Geschossen möglich sein. Aufgrund der Verkehrssituation plädiert die Stadtverwaltung für eine „geschlossene Bebauung“, bei der die vorderseitigen Baukörper wie ein Riegel für den Lärmschutz der rückwärtigen Bebauung sorgen. Der ruhende Verkehr soll mithilfe von Tiefgaragen weitgehend aus dem Gebiet herausgehalten werden, der fließende sowieso. Auch Barrierefreiheit ist laut Bert Seffner „eine Selbstverständlichkeit.“ „Je schneller, desto besser“ antwortet Oberbürgermeister Karsten Vogt auf die Frage, in welchen Zeiträumen das Gebiet entwickelt werden soll. Schließlich stehe Bautzen im Rennen um Wohnflächen für die künftigen Beschäftigten der Dresdener Chip-Industrie im Wettbewerb mit zahlreichen anderen Städten und Gemeinden. Nicht allerdings mit denen im unmittelbaren Umland – diese sieht der OB gemeinsam mit Bautzen als „Einheit“, die gemeinsam agieren sollte. Als (Teil-)Standort für das künftige Bauforschungszentrum kommt die Perfecta-Brache nicht mehr in Betracht. „Wir hatten sie ursprünglich als Potenzialfläche dafür benannt. Im Vergleich zum Ursprungsplan gibt es aber nicht mehr so einen großflächigen Bedarf“, so Oberbürgermeister Karsten Vogt.
Im 2020 verabschiedeten Wohnkonzept der Stadt Bautzen wird die Perfecta-Brache auch als möglicher Standort einer Grundschule genannt.
Die industrielle Nutzung der Fläche geht auf das Jahr 1867 zurück, als hier eine Eisengießerei errichtet und bis 1995 (unter dem Dach der Perfecta Schneidmaschinen GmbH) betrieben wurde. 1995 wurde die Produktion stillgelegt und der Rückbau der Anlagen begann. Die Industriebrache war dem Verfall preisgegeben. Nach erfolglosen Bemühungen verschiedener Interessenten zwischen 1999 und 2005 zur Umgestaltung des Geländes erwarb es die Stadt im Mai 2009 im Rahmen einer Zwangsversteigerung. 2009/10 wurden 29 Gebäude mit einer Schuttmenge von 40.000 Tonnen abgerissen. Die Sprengung des 40 Meter hohen Schornsteins erfolgte im März 2010. (Quelle: EFRE-Verwendungsnachweis der Stadt Bautzen.)
In der Priorität zurückgetreten ist hingegen die Entwicklung des Standortes der früheren Juri-Gagarin-Schule im Wohngebiet Gesundbrunnen, die vor etwa einem Jahr abgerissen wurde. Damals war die Rede von einer zusammenhängenden Potenzialfläche für das Wohnen bis hinunter zum Vorstau. Allerdings sei dies von einem Gutachten über vorhandene Lärmemissionen abhängig. Dies liegt jetzt offenbar vor und hat größere „Herausforderungen“ in dieser Hinsicht aufgezeigt.