Autorendebüt mit 92 Jahren für die Jugend

Wolfgang Rösler hat mit 92 Jahren seine erste Publikation veröffentlicht. Foto: Till Scholtz-Knobloch
Mit 92 Jahren hat Wolfgang Rösler erstmals publiziert. Einnahmen aus dem angelaufenen Verkauf seines Büchleins für 5 Euro bei den Görlitzer Sammlungen (Barockhaus Neißstraße und Kaisertrutz) und dem Schlesischen Museum gehen an die Jugend.
Görlitz. Eigentlich hatte Wolfgang Rösler zunächst vor, ein Fernsehteam zur Landeskrone zu lotsen, damit Experten dessen Geschichte sowie Flora vorstellen. Doch es gab nur Absagen. Seine Frau war gerade verstorben, als der Rentner, der noch einen Schrebergarten unterhält, den Görlitzer Hausberg besuchte. „Da ist mir irgendwie dieser Vers eingekommen: Was ist das für Görlitz auch ein Glück, einen Hausberg zu haben mit Rundumblick? Und wo ich diesen Vers erst einmal hatte, hat sich dann das ganze Erlebnis in Versform niedergeschlagen.“ Rösler stellte seine Liebeserklärung in Reimform Museumsdirektor Jasper von Richthofen vor, der die Exkursion zur Landeskrone geführt hatte und die Idee nahm ihren Lauf. Da sich die Finanzierung schwierig erwies, der Autor mit dem Verkauf aber unbedingt die Jugend unterstützen will, verzichtete der Rentner darauf, extern einen Grafiker zu suchen und griff selbst – nicht zum Zeichenstift – sondern zum Kugelschreiber, mit dem er sein künstlerisches Talent unter Beweis stellen konnte. Realistische Zeichnungen aus dem Stadtbild entstanden – zum Beispiel von der Straßenbahn-Endhaltestelle oder fast in Form eines „Wimmelbildes“ von der Stadtbrücke. In seiner Wohnung in der Südstadt zeigt er der Redaktion Geschnitztes aus seiner Jugend. Die Fingerfertigkeit, die er auch am Keyboard an den Tag legt, brauchte er – einst in der Feinoptik leitend tätig – eigentlich nur in eine neue Form zu kanalisieren. Der Literaturdebütant wuchs in der Schenkendorfstraße in der Oststadt auf, und bedauert, dass er damals beim Akkordeonunterricht nicht genug Zeit investierte. Die Liebe zur Musik war nun aber Ideengeber dafür, dass die Einnahmen aus dem Heft dem Nachwuchs der Musikschule „Johann Adam Hiller“ zukommen sollen. Mit dem Verlust der Oststadt hadert er nicht. Vielmehr habe es ein tiefes Verständnis für das gemeinsame Kriegsschicksal gegeben. „Alle, Deutsche und Polen wurden in meiner Abteilung bei der Feinoptik von mir gleich behandelt.“